. . . oder: Souvenir vor der Tür.

Aus dem früheren Blog kennen Sie / kennt ihr sicher noch die sehr kurzen Drei-Wort-Geschichten (2.400 Anschläge maximal). Nachdem ich nun mit dem neuen Roman fertig bin, mische ich wieder fleißig in der Schule des Schreibens mit. Die letzte DWG – Aufgabe bestand aus den Wortvorgaben: Casino, Bruder und Ampel. Und das ist bei mir daraus geworden.

Souvenir vor der Tür

Paolo! Ich glaub’ es nicht. Er steht einfach vor meiner Tür. Mich trifft fast der Schlag. In Erwartung des DHL-Menschen habe ich ihm geöffnet – ungekämmt und in meinen ältesten Schlabberhosen. Oh shit! Am liebsten würde ich ihm die Tür wieder vor der Nase zuknallen. Drei Wochen Urlaub in Limone und abends habe ich mich für ihn aufgebrezelt ohne Ende. Er war aber auch eine Sahneschnitte unter den Animateuren! Vor meinem inneren Auge erscheinen der Gardasee, Paolos braungebrannter Body, Sixpack inbegriffen und … Halt, stopp!
Hier in Frankfurt sieht die Sache etwas anders aus. Er hat sich zweifellos fein gemacht, was mein eigenes Outfit noch unmöglicher erscheinen lässt. Aber irgendwie wirkt er kleiner als noch vor ein paar Wochen. Und was zum Teufel will er hier?

„Paolo?“
„Hi Sophia. Darf ich reinkommen?“

Der Knabe überreicht mir doch tatsächlich eine langstielige rote Rose. Ein ungläubiger Blick wandert allerdings von meinem Gesicht über das nicht mehr ganz saubere T-Shirt zu den besockten Füßen und wieder zurück.

„Äh – ja, natürlich. Ich bin bloß nicht, also …“ Ich schaue etwas betreten an mir herunter.

Aber mein italienischer Urlaubsflirt steht schon im Flur. Und er hat einen Koffer dabei. Ich denke an unseren letzten Abend. Ich habe ihn regelrecht abgeschleppt. Und – jetzt fällt es mir wieder siedendheiß ein -, dass ich ihn nach dieser unvergesslichen Nacht quasi eingeladen habe. Also sollte es dich mal nach Frankfurt verschlagen …

„Ja dann komm mal rein. Magst du was trinken? Setz dich doch erst mal.“
Ich nehme ihm Rose und Koffer ab und zerre ihn in Richtung Wohnzimmer, bevor ich mich in die Küche rette.

„ … und mein Bruder hat mir seinen Job im Casino vermacht. Giulia ist nämlich schwanger, weißt du? Und ich dachte, ich kann bestimmt erst mal bei dir wohnen, bis ich in Bad Homburg ein Zimmer gefunden habe. Was meinst du, cara mia?“

Ich schaue aus dem Fenster auf die Straße. Da unten stauen sich die Autoschlangen vor der Ampel. Ich muss nachher noch den Aushilfsjob klarmachen. Das ist die Frankfurter Realität. Der Gardasee ist weit. Wie komme ich da bloß wieder raus?

„Ähm – Paolo?“ Wo zum Teufel ist er hinverschwunden?“
Im Bad rauscht das Wasser. Paolo hat die Tür nicht abgeschlossen. Wie er da unter der Dusche steht … Mir wird auf einmal heiß. Ich glaube, ich könnte auch eine Dusche vertragen. Und dann sehen wir weiter.

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Wenn ich da jetzt ein Cover für bräuchte … *lol* – Amazon ist voll von sogenannten “Romance”-Stories, deren Cover mit braungebrannten Sixpackbodies verziert sind. Ist nicht mein Stil. Aber irgendwie könnte ich mir schon vorstellen, aus dieser Ausgangslage irgendwas Größeres zu machen. Könnte ja durchaus etwas anspruchsvoller ausfallen.