Heute habe ich mir vorgenommen, das Mysterium „Normseite“ einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Eins habe ich gelernt, seitdem ich mich um Professionalität beim Schreiben bemühe: 30 x 60 heißen die magischen Zahlen. Will sagen, dass eine Normseite auf dem Prinzip 30 Zeilen à (maximal) 60 Anschläge aufgebaut ist. Eine Normseite hat also im Idealfall 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen (Was man zur Zeit der guten alten Schreibmaschine als Anschläge bezeichnete.). Maximal deshalb, weil viele Zeilen weniger Zeichen haben werden. Man muss dabei nur an Dialoge denken.
„Hallo Superman. Wie geht’s dir heute?“ (39 Zeichen incl. Leerzeichen)
„Frag nicht. Ich hab Rücken“, antwortet Pit mit einem überaus (60 Zeichen)
wehleidigen Gesichtsausdruck.

Wenn man z.B. in Word eine Schrift wie Courier New in Größe 12 wählt und bestimmte Randvorgaben eingestellt hat, kommt es nach „überaus“ zum automatischen Zeilenumbruch. Kürzlich habe ich allerdings gelesen, dass Lektoren die Normseite nur noch mit 1.500 Zeichen akzeptieren. Macht Sinn, wenn man als Dienstleister seine Arbeit nach Seitenzahl berechnet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Könnte aber bei vielen Dialogen ohne weiteres hinkommen. Festgelegt hat diese Angabe die VG Wort (Verwertungsgesellschaft Wort).

Eine Normseite beruht auf dem Format DIN A4 hochkant und verfügt über Kopf- und Fußzeile. Diese dienen einmal zur Seitennummerierung und auch zur Angabe von Autorennamen etc. – wichtig, wenn man das Manuskript irgendwo einreicht. Zur Wahl von Schrift und Größe kommt noch der Zeilenabstand. Hier benutzt man im allgemeinen den 1,5-fachen Zeilenabstand. Jetzt also noch die Ränder. Wenn das mit der Zeichenzahl hinkommen soll, dann müssen die Ränder echts und links zusammen 60mm betragen, oben und unten zusammen 77mm (habe ich mir jedenfalls so angelesen). Aufteilen kann man das nach Gefühl oder den Vorgaben, die man bekommt. In der Schule des Schreibens wird darum gebeten, rechts mindestens 40mm Platz zu lassen, damit der Studienbegleiter Platz für Korrekturen hat.

Wenn man bei Word für die perfekte Normseite die automatische Absatzkontrolle ausschaltet, wird man vermutlich in einem längeren Text Hurenkinder und Schusterjungen (dazu ein andermal mehr) produzieren. Geht der Text an einen Verlag, wird das wieder korrigiert. Als Selfpublisher muss man selbst darauf achten, aber da brauche ich mich auch nicht an 1800 Zeichen pro Seite zu halten.

Hier mal ein Beispiel: Normseite pdf, bitte anklicken.

Auf der Beispielseite bin ich nur auf 29 Zeilen gekommen, was mich dann doch etwas irritiert hat, aber irgendwo auch typisch ist. Allein die Wahl der Schrift wird sich immer irgendwie auswirken. Ich habe außerdem zwei Absatzumbrüche im Text. Man sieht also, dass je nach gewählten Parametern die Normseite eben doch immer ein wenig unterschiedlich ausfallen kann. Wenn man einen Text für eine Ausschreibung einreicht, sollte man sich strikt an die Vorgaben halten. Dann ist man auf der sicheren Seite. Die Vorgaben bei Ausschreibungen sind auch nicht unbedingt einheitlich. Mal wird die Anzahl der Wörter vorgeschrieben, mal die der Zeilen, der Anschläge, der Normseiten. Hält man sich nicht an die Vorgaben, kann der Text so gut sein wie er will, er hat dann meistens keine Chance.

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