Manchmal, aber nur manchmal, frage ich mich ja schon, warum wir uns so viele Gedanken über “gutes Schreiben” machen. Warum wir Kurse belegen, Handbücher über das Schreiben lesen, unsere Texte immer und immer wieder Korrektur lesen, Lektoren hinzuziehen und so weiter, wenn man dann feststellt, dass sich oft der größte Schund am besten verkauft. Man muss ja nur mal gucken, was sich bei Amazon so auf den Bestsellerlisten herumtreibt. Heute hat mir ein Facebookbeitrag mal wieder das entsprechende Grinsen ins Gesicht gezaubert, als jemand dort schrieb, dass wohl das neuste Werk des Herrn Fitzek stilistisch alles andere als ein Hochgenuss ist. Aber wie ist das mit den Schreibregeln? Manchmal denke ich, wir Schreiberlinge machen uns nur dann so viele Gedanken darüber, weil man uns beigebracht hat, nicht so viele Adjektive zu benutzen, nicht so oft: “xxx”, sagte er, lachte er, nickte er etc. zu schreiben. Nein, man kann einen Satz nicht nicken. Das ist einfach nicht korrekt. Aber der Leser weiß, was gemeint ist. Wird er sich daran stören? Vermutlich nicht, wenn die Geschichte spannend genug ist. Würde sich mein Lektor daran stören, sofern ich einen hätte? Vermutlich. Wenn sich der Lektor des Herrn Fitzek daran nicht stört, dann vermutlich deshalb, weil er weiß, dass sich ein Fitzek immer verkauft. Das ist die Realität.

Ich stecke in der Klemme. Wenn ich ab morgen beim NaNoWriMo tatsächlich täglich 1.600 Wörter schreiben will, muss ich meinen inneren Lektor abstellen – rigoros. Kann ich das? Ich fürchte, das wird die eigentliche Herausforderung. Oder soll ich weitermachen wie bisher, auch wenn ich dann täglich nur auf 500 Wörter komme? Wäre im Prinzip auch nicht schlimm – oder? So oder so beschäftigt mich der NaNoWriMo jetzt schon seit Tagen so intensiv, dass es mir einen neuen Schub gibt. Und das ist gut so. Der dritte Bea Baumann Krimi, der durchaus noch kommen soll, liegt auf Eis. Ich muss mich tatsächlich mal wieder an einem neuen Genre ausprobieren.

Worum wird es gehen?

Wir befinden uns am Ende des 21. Jahrhunderts. Seit der letzten Bundestagswahl 2032 haben es eine deutsch-nationale und eine Öko-Partei geschafft, Deutschland vom übrigen Europa zu isolieren. Dichte Wälder umschließen das Land und schirmen es nach außen ab. Innen lebt es sich ganz gesund, weil alles darauf ausgerichtet ist, Umweltverschmutzung zu vermeiden und Technologien zu entwickeln, die einen gehobenen Lebensstandard möglich machen. Gleichzeitig sind die ursprünglichen Parteien in einer einzigen Partei des “Herrn” aufgegangen, die alles kontrolliert und dirigiert. Frauen haben viele ihrer Rechte verloren und haben nur Aufstiegschancen in einer patriarchalischen Gesellschaft, wenn sie einem der “Herren” gefallen. Doch da ist Emma, eine Vierzehnjährige mit ganz besonderen Gaben und vor allem mit dem Willen, sich gegen das System aufzulehnen. Sie hat Verbündete, die sich noch an die alte Zeit erinnern und dem gegenwärtigen Reich entrinnen wollen. Diese Menschen leben in den Wäldern und müssen sich vor der Regierung verbergen. Aber wenn sie etwas erreichen wollen, dann können sie das nicht nur im Verborgenen tun.

Wie kann diese Welt am Ende unseres Jahrhunderts aussehen? Welche technischen Möglichkeiten kann es geben, Fortbewegungsmittel, Energiegewinnung etc. Spannende Fragen, die ich lösen muss. Die Geschichte selbst ist erst in groben Zügen in meinem Kopf vorhanden. So ist das bei mir immer. Ich bin ein “aus dem Bauch heraus”-Schreiber oder wie der Amerikaner sagt “writing by the seat of your pants”.  In den letzten Tagen lese ich ein Buch, das ich sehr spannend finde: “How to write a novel using the snowflake method” von Randy Ingermanson. Eigentlich wollte ich keine Schreibratgeber mehr lesen, weil es mir mit den letzten so ging, wie Goldilocks, der Protagonistin aus Randy Ingermansons Buch, mit den von ihr zunächst bei Papa Bear und Mama Bear belegten Vorlesungen. Runzelt hier gerade jemand die Stirn? Ja, der Autor des Buches hat sich bei der alten englischen Kindergeschichte von “Goldilocks und den drei Bären” bedient und mit diesen Figuren eine hübsche neue Geschichte mit einem Schreibratgeber verquickt. Und das ist ihm, soweit ich es bisher beurteilen kann, wunderbar gelungen. Er lässt Baby Bear seine durch ihn (Ingermanson) erfundene Schneeflockenmethode erklären. Im Grunde kommt auch er schließlich auf das Plotten und die altbekannte Heldenreise zurück, aber auf eine wirklich nachvollziehbare und gut verständliche Weise. Ich habe das Buch noch nicht ganz durch – es ist in Englisch geschrieben, aber gut verständlich. Einiges davon habe ich nun gedanklich schon ein bisschen umgesetzt und es gibt mir tatsächlich ein bisschen Halt, um nicht mehr nur aus dem Bauch heraus zu schreiben. Das führt nämlich meistens dazu, dass ich unglaublich viel wieder und wieder neuschreiben muss. Also – ich bin gespannt, ob mir die Schneeflockenmethode auch beim NaNoWriMo weiterhelfen wird.
Plotten: Hat beim Schreiben nichts mit einem Drucker (Plotter) zu tun! Der Plot ist das Handlungsgerüst eines Romans oder einer Erzählung. und sollte, so wird es normalerweise gelehrt – im Kopf des Autor vorhanden sein (oder – noch besser – schriftlich niedergelegt sein) bevor er den ersten Satz schreibt.

Heldenreise: Die Heldenreise ist sowas wie der Leitfaden des Plots. Sie beginnt damit, dass der Protagonist (Held) aus seinem gewohnten, meistens langweiligen Leben ausbrechen muss, weil er einen “Ruf” erhält. Dem möchte er zunächst nicht unbedingt folgen, weil das mühsam und oder gefährlich ist. Dann trifft er auf einen Helfer (Mentor), der ihn schließlich doch davon überzeugt, dem Ruf zu folgen. Wer “Der Herr der Ringe” kennt, hat jetzt sicher bereits Frodo und Gandalf vor Augen. Der Held macht sich auf den Weg, begegnet den ersten gefährlichen Abenteuern und erkennt, dass es kein Zurück mehr gibt. Oft erkennt er auch, dass er ein gewisses Erbe in sich trägt, dem er nicht entkommen kann. Trifft in HdR zum Beispiel besonders auffällig auf Aragorn zu. Oft begegnet er auch einer Frau, die einen großen Einfluss auf ihn ausübt (vice versa, wenn wir es mit einer Heldin zu tun haben) und seine Reise beeinflusst. Nach der letzten, entscheidenden Prüfung hat er sein Ziel erreicht und ist gereift. Oder er schafft es nicht mehr, in seine alte Welt zurückzukehren. Im Herr der Ringe z.B. Frodos Abgang an den Grauen Anfurten, während Aragorn die Königswürde annimmt. “Der Herr der Ringe” ist ganz sicher auf der typischen Heldenreise aufgebaut. Aber selbst, wenn man mal einen Film wie “Pretty Woman” analysiert, wird man eine ganze Reihe dieser Aspekte wiederfinden.

Schneeflockenmethode: Randy Ingermanson spricht bei seiner Methode deshalb von der Schneeflockenmethode, weil er Goldilocks zeigt, dass man Schritt für Schritt ein einfaches Dreieck in ein Schneeflocken ähnliches Fraktal verwandeln kann, während es praktisch nicht möglich ist, dieses Bild frei aus der Hand zu zeichnen.

(Das Foto, das ich als “Coverfoto” benutzt habe, stammt von  https://unsplash.com/@onelast, wer auch immer sich hinter T.L. verbirgt.)

So viel für heute. Während des NaNoWriMos werde ich mich immer mal wieder melden.