Und schon wieder eine Minigeschichte aus der Serie “Drei-Wort-Geschichten” mit ~2.400 Zeichen. Die Vorgaben Antarktis, Honig und Gärtner(in) fand ich einigermaßen schwierig, und im Forum der Schule des Schreibens ging die Tendenz in Richtung Sci-Fi oder Krimi. Deshalb wollte ich unbedingt etwas anderes schreiben. Also habe ich mich mal an einer (Sach-)Geschichte für Kinder versucht.
Viel Spaß beim Lesen.

_________________________________________________

Mit Frack und Brille

Elsa stand der Schweiß auf der Stirn. Sie war gerne mit ihrem Enkel im Kronberger Zoo unterwegs, aber das Auf und Ab in der Julihitze war heute eindeutig zu viel des Guten. Hier oben bei den Apfelbäumen hatten sie immerhin den höchsten Punkt des Geländes erreicht.
„Kommt hier überhaupt noch was, Oma? Apfelbäume finde ich echt langweilig.”
„Klar. Schau mal da vorn. Siehst du das Insektenhotel und die Bienenstöcke? Hier gibt es gleich eine Honigverkostung. Heute sind die Imker da.“
„Ach, Oma, ich will aber lieber ein Eis“, maulte Sascha. Geduld war eindeutig nicht seine Stärke. Zu oft hatten sie heute schon an den großen Gehegen gestanden und vergebens nach den Tieren Ausschau gehalten, die sich lieber in den Schatten verzogen hatten.
„Und außerdem hast du mir versprochen, dass wir noch zu den Pinguinen gehen.“
Auch Elsa fand die Aussicht auf ein Eis und Besuch bei den Pinguinen verlockend. Vielleicht konnte sie sich dabei zur Abkühlung gedanklich ein bisschen in die Arktis versetzen. Oder leben Pinguine in der Antarktis? Wie war das nochmal? Zu dumm, dass sie sich nicht schlaugemacht hatte. Wenn sie Pech hatte, würde Sascha es genau wissen wollen.

Von den Apfelbäumen ging es zügig abwärts. Auch die Roten Pandas waren nicht zu entdecken und Sascha grinste erst wieder über das ganze Gesicht, als sie die Eisbude erreichten. Mit zwei großen Eistüten folgten sie dem Rundgang, bis das Becken mit den Brillenpinguinen in Sichtweite kam. Schon von weitem konnten sie sehen, dass die ganze Pinguinfamilie im Wasser unterwegs war. Offenbar hatten sie vor den Gärtnern, die nebenan das Freigehege säuberten, die Flucht ergriffen.
„Oma, wieso heißen die eigentlich Brillenpinguine?“
„Tja, ich denke mal, das ist wegen der Fellzeichnung rund um die Augen.“ Hm, hieß das bei Pinguinen überhaupt Fellzeichnung? Während Elsa noch grübelte, kam es, wie es kommen musste.
„Oma, leben die eigentlich am Nordpol oder am Südpol?“
Elsa trat erneut der Schweiß auf die Stirn. Einer der Tierpfleger, der direkt neben ihnen stand, erkannte ihr Dilemma und kam ihr mit einer Antwort zuvor.
„Weder noch, junger Mann. Die leben in Afrika.“
Sascha verdrehte die Augen. „So ein Quatsch. In Afrika leben Löwen und Elefanten, aber keine Pinguine. Das weiß doch jedes Baby.“
Aber Elsa hatte bereits ihre Lesebrille auf der Nase und studierte das kleine Schild am Becken.
„Du das stimmt! Der Mann hat recht. Brillenpinguine sind tatsächlich die einzigen Pinguine, die an Afrikas Küsten leben.“
Doch Sascha hatte seine Frage schon vergessen und drückte sich die Nase an der Glasscheibe des großen Beckens platt.

Soweit die Geschichte. Für junge Leser – obwohl ihr es vermutlich besser wisst als Oma Elsa: Die meisten Pinguine leben in der Antarktis. Die Arktis ist dagegen das Reich der Eisbären. Brillenpinguine leben aber tatsächlich an den Küsten Südafrikas. Das Federkleid der Pinguine – es sind ja Vögel, keine Säugetiere – wirkt fast haarähnlich, weshalb Oma Elsa auf die Idee mit der Fellzeichnung kam. Brillenpinguine haben am Kopf nackte Haut mit einer schwarz-weißen Färbung und einem rosa Fleck rund um das Auge. Daher der Name.