Im Moment ist ja mal wieder Fastenzeit. Früher habe ich auch gefastet. Das fing an, als ich an der Reformhaus Fachakademie meine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin gemacht habe. Ich war zwar längst Zahnärztin, wollte aber mehr über gesunde Ernährung lernen. Diese Ausbildung war damals noch total neu und sicher nicht so qualifiziert wie heute. Dazu kam, dass man damals in der RFA (Reformhaus Fachakademie!) ziemlich auf dem Vollwert = Körnertrip war. Da waren noch die “Erben” von Bircher-Benner (Link zu Wikipedia) zugange. Die RFA nennt sich heute übrigens Akademie Gesundes Leben. Ich war immer mal wieder dort und im Laufe der Jahre änderte sich auch die Sichtweise ein wenig, als man erkannte, dass nicht jeder mit der klassischen Vollwertkost klarkommt.

Zurück zum Fasten. Ich habe über viele Jahre regelmäßig gefastet und es war etwas, das mir auch nicht wirklich schwer fiel. Hatte ich die ersten beiden Tage überstanden, lief es eigentlich wie von selbst. Oft habe ich gefastet, um einen Einstieg in eine Diät zum Abnehmen zu finden. Das hat nie wirklich geklappt. Heute weiß ich, dass das auch grundverkehrt ist. Beim Fasten fährt der gesamte Stoffwechsel auf Sparflamme. Es ist ja nichts anderes als das Notprogramm, das schon unseren Urahnen geholfen hat, in schwierigen Hungerzeiten zu überleben. Leider funktioniert vieles beim heutigen Menschen noch exakt genau so wie in der Steinzeit. Nur dass wir unser Essen nicht mehr mühsam jagen oder sammeln müssen. (Ich rede vom durchschnittlich gutsituierten Menschen in Europa und den USA. Ich weiß, dass es auch heute noch genug Hunger auf der Welt gibt.) Der Kalorienverbrauch durch Bewegung ist bei den meisten Menschen viel geringer, als das, was sie durch die Ernährung aufnehmen. Und wenn sich der Körper mit jedem Fasten und jeder Diät daran gewöhnt, mit noch weniger auszukommen, dann führt das zum berüchtigten Jojo-Effekt. Deshalb habe ich für mich Fasten inzwischen gestrichen. Zumal an dem Märchen von der Notwendigkeit des Fastens um irgendwelche Schlacken im Körper zu beseitigen auch nichts dran ist.

Man unterscheidet inzwischen ganz unterschiedlichen Arten von Fasten. Ich spreche bisher vom klassischen Tee/Saftfasten. Also keine feste Nahrung und nichts, was Kalorien in größerer Zahl zuführt. Wer dagegen in der Fastenzeit einfach nur auf Süßes, Alkohol oder Zigaretten verzichtet, tut dem Körper sicher etwas Gutes.

Trotzdem abnehmen – aber wie?

Ich kämpfe seit meiner Kindheit gegen Übergewicht, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Warum es überhaupt dazu gekommen ist, steht auf einem sehr privaten Blatt. Ich werde sicher mal darauf zurückkommen, wenn ich diese geplante Ernährungsserie weiterführe. Auf jeden Fall bin ich auch in die Jojo-Falle getappt und habe bis vor einigen Jahren so ziemlich jede Diät ausprobiert, die es gibt. Okay, es gibt ein paar ganz hirnrissige, die habe ich weggelassen. Die erste war die Brigitte-Diät. Ich erinnere mich daran, als wäre es erst ein paar Jahre her. Ich schätze, ich war damals vierzehn und Zugpferd dieser ersten Brigitte-Diät war die niedliche Uschi Glas. Die Diät hat auch ganz gut funktioniert, bei Uschi Glas offenbar dauerhaft, bei mir nicht. Ich fand das Kochen extrem zeitaufwändig, und lebte damals ja auch noch als Teenager im elterlichen Haushalt. Trotzdem ging das alles ganz gut bis zur ersten Schwangerschaft, als ich dreißig war. Es gibt da eine wirklich lustige Anekdote: Wir trafen uns zehn Jahre nach dem Abitur wieder und nochmal zwanzig Jahre danach. Es ist dann leider eingeschlafen. Beim zweiten Treffen gingen Fotos rum und ich fragte meine Klassenkameradinnen nach einer jungen Frau – schlank und  hübsch – auf einem der Fotos. Die guckten mich an, als sei ich nicht mehr ganz zurechnungsfähig, weil … auf dem Bild, das war ich selbst. Heute ist mir klar, dass ich mich selbst nie schlank gesehen habe. Ich fand mich immer zu dick. Es war ja Twiggy-Zeit. Erinnert ihr euch noch an den britischen Hungerhaken? Diese Betrachtungsweise meiner selbst, hat viel mit mir gemacht – viel Negatives in erster Linie und das bis heute. Obwohl ich vom Kopf her irgendwann soweit war, dass ich diesen ganzen Magerschwachsinn abgelehnt habe, kann ich mich bis heute nicht mit meiner Figur abfinden. Allerdings merke ich inzwischen auch, dass mir mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung einfach guttun. Mit fast fünfundsechzig macht es Sinn, so gut wie möglich auf die Gesundheit zu achten.

Das Motto heißt also inzwischen: Abnehmen ja, aber nicht um jeden Preis. Und vor allem durch eine vernünftige Ernährung und viel Bewegung.
Demnächst mehr.

(Bildquelle: Credits to Kira auf der Heide by Unsplash Bearbeitet und angepasst von EHeinze)