Camp Nano
Es ist immer wieder interessant, welche Erfahrungen man macht, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat. Entgegen meinen eigenen Erwartungen läuft die Arbeit am Manuskript jetzt momentan ganz gut. Aus dem Camp Nano habe ich mich heute allerdings endgültig ausgeklinkt. Jedenfalls aus der “cabin”, wie das dort genannt wird, also einer Gruppe, die in meinem Fall aus lauter Leuten besteht, die ich aus der Schule des Schreibens kenne.  Irgendwie habe ich mir davon etwas völlig anderes erwartet. Nun ja, kann passieren. Ist vermutlich nicht mein Ding.

 

Neben dem Schreiben lese ich auch täglich. Erstanden – ja so richtig auf Papier, kein Kindle Download – habe ich den Schreibratgeber “Story Turbo” von L. C. Frey. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch gefällt mir sehr gut. Der Autor hat eine ungewöhnlich flotte Art zu schreiben und mit vielem spricht er mir aus der Seele. Was lag näher, als mir auch noch einen seiner Thriller zu kaufen? Den nun aber wieder im Download. Es gab den neuesten auch gerade bei Kindle unlimited für lau. Und das war gut so. Denn dieser Thriller (Todeszone: Tatort Malmö) ist sowas von fürchterlich, jedenfalls nach meinem Geschmack, dass ich nur noch den Kopf geschüttelt habe. Hier wird an die niedersten Instinkte appelliert, Rechtschreibung und vor allem die Ausdrucksweise lassen auch sehr zu wünschen übrig. Da ich nun mal weiß, dass der Mann es besser kann, ist eigentlich ganz klar, dass dieses Buch nur dazu dient, schnelles Geld zu verdienen, alles andere ist dem Autor offenbar völlig egal. Nun gut, der Erfolg gibt ihm Recht. Und das ist für mich das eigentlich Frustrierende an der Sache: Der Markt gibt es her, die Leser wollen diese Art Bücher offenbar. Ich habe mal wieder diagonal gelesen, nur um möglichst schnell durch zu sein. Irgendwo ja schon in der Hoffnung, dass ich von dem Buch noch einen besseren Eindruck gewinne. War aber nicht.
Dann bin ich noch auf eine Dystopie gestoßen, die eine ähnliche Zeit bedient wie mein Projekt. Das hat mich erst einmal erschreckt, denn es gibt mehr Parallelen, als mir lieb ist. Andererseits ist es gut, dass ich im Vorfeld weiß, was es schon gibt. Man möchte ja hinterher nicht als Plagiator dastehen. Aber trotz aller Ähnlichkeiten ist es doch eine völlig andere Geschichte, scheint mir. Ich habe mit dem Buch gerade erst angefangen, finde es aber ausgesprochen spannend ***. Mal schaun, wie es sich entwickelt. Das Buch heißt “Nordland Hamburg 2059 – Freiheit”, die Autorin Gabriele Ahlers. Und dieser Titel (nur der Titel)) hat nun eine schon extreme Parallele zu einer anderen Dystopiesammlung, die ich kurz angelesen habe: “Hamburg Rain 2084” von Rainer Wekwerth (und anderen). Da bin ich mal froh, dass meine Geschichte in Mainstadt vormals Frankfurt spielt. Aber beeilen sollte ich mich nun doch mal, bevor noch weitere Autoren ein ähnliches Thema beackern.
*** Das mit dem “spannend” hat sich nach einer Weile gelegt. Das Buch – es hat fast 700 Seiten – ist ausgesprochen langatmig. Da könnte viel gestrichen werden. Es gibt zu viele Namen, sowohl hinsichtlich Personen als auch hinsichtlich Hamburger Örtlichkeiten. Wer sich in Hamburg nicht auskennt, der kann damit sowieso nicht viel anfangen. Des weiteren gibt es für meinen Geschmack auch viel zu viele technische Erklärungen. Ich muss das nicht alles bis in Detail wissen. Spannung erzeugt das jedenfalls nicht. Und was das Erzählen an sich angeht … über Geschmack lässt sich streiten. Das Buch ist für mich keine Leseempfehlung.
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