Zwischenzeitlich sind wieder einige Drei-Wort-Geschichten entstanden. Heute präsentiere ich euch eine davon. Falls ihr euch beim Lesen an einen bestimmten Song erinnert fühlt, dann geht es euch so, wie mir beim Schreiben 😉 Die vorgegebenen Wörter, die wieder in 2400 Zeichen gepackt werden sollten, waren echt schräg: Luxusliner, Nudist, Mikroskop. Das hat mir schon Kopfzerbrechen bereitet. Herausgekommen ist dann etwas in Richtung Dystopie. Na, lest selbst.

Asche zu Asche

Das Raumschiff setzte zur Landung an. Das große Gefährt, seit Lichtjahren im All unterwegs, hatte nichts von seiner Eleganz verloren. Sachte, so als ob man vermeiden wolle, möglicherweise überlebende Erdenbewohner aufzuschrecken, streckte seine Landestelzen wie Fühler aus, bevor es schließlich auf der großen Sanddüne aufsetzte. Der Luxusliner, wie ihn sein Pilot Major Tom CXI. im Andenken an Vergnügungsschiffe aus grauer Vorzeit nannte, war ein technisches Meisterwerk. Die Stelzen waren mit allem erdenklichen wissenschaftlichen Gerät ausgestattet, vom Geigerzähler zur Ermittlung vorhandener Strahlenbelastung, über Mikroskope zur Analyse von Mikroorganismen, bis hin zu hochempfindlichen Antennen, die in der Lage waren, jedwede Radiofrequenzen aufzuspüren.

Major Tom CXI. war erst vor einigen Jahren aus dem Kälteschlaf erwacht, als feststand, dass die Lebenszeit von Tom CX. in Kürze ablaufen würde. Alles Wissen seiner Vorgänger war stetig in sein Gehirn eingespeist worden. Was allerdings die Erde betraf, war das nicht viel. Tom CXI. war wie seine Vorgänger und voraussichtlichen Nachfahren aus der Erbsubstanz weniger Erdflüchtlinge geklont worden, die vor Jahrhunderten dem alles zerstörenden nuklearen Krieg der Religionen durch Auswanderung auf einen entfernten Erdtrabanten entkommen waren. Nun schien es an der Zeit zu ergründen, ob man die Erde wiederbesiedeln könne.
Tom verbrachte Tage damit, alle Daten, die ihm die Geräte lieferten, am Computer auszuwerten. Schließlich – überzeugt, dass er das Schiff würde gefahrlos verlassen können – brach er zu einem ersten Erkundungsgang auf. Ein warmer Sommerwind strich über seine nackte Haut, als er die Düne überquerte und auf das Meer zulief. Kleidung hatte er nie kennengelernt. Offenbar gab es da einen kleinen Fehler im Programm.

Hinter ihm brachen Löcher im Sand auf. Zuerst waren es nur einzelne vermummte Köpfe, die sich langsam an die Oberfläche bohrten. Gestalten, eingehüllt in bodenlange, sandfarbene Gewänder schoben sich nach draußen. Einige trugen Stöcke in den Händen, andere etwas, das Toms Computer als altertümliche Gewehre identifiziert hätten. Ein Zischeln erfüllte die Luft.
Nudistenschwein! Macht ihn nieder! Schützt unsere Kinder vor dieser Ausgeburt der Hölle!“
Ein Schuss krachte, Tom stürzte.

Hinter der Düne zog das Raumschiff seine Stelzen ein und hob ab. Major Tom CXII. erwachte aus dem Kälteschlaf.

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Jemand hat mich gefragt, ob in dieser Geschichte wirklich “unsere freizügige Kultur beim Religionskampf untergegangen ist”?  Ja, in dieser Geschichte schon. Das heißt aber nicht, dass ich für die Zukunft damit rechne. Noch glaube ich fest daran, dass auf dieser Erde Platz für alle Religionen ist.

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Früher habe ich unter meine Geschichten im Blog oft einen Copyrightvermerk gesetzt: © Dr. Elke Heinze – oder so in der Art. Das ist nicht wirklich nötig. Jeder von mir veröffentlichte Text unterliegt grundsätzlich meinem Urheberrecht. Und im Allgemeinen auch meinem ausschließlichen Nutzungsrecht. Es sei denn, ich bestimme etwas anderes, wie neulich bei der Rabengeschichte. Für euch privat dürft ihr alle Geschichten kopieren. Das ist kein Problem. Weil ich aber durchaus vorhabe, irgendwann wieder einen Band mit neuen Kurzgeschichten zu veröffentlichen, gibt es hier auch nicht alles zu sehen, was ich so schreibe. Dafür bitte ich um Verständnis.