Ich habe im NaNoWriMo auch hin und wieder etwas anderes als nur an meinem Krimi geschrieben. Die aktuellen Wortvorgaben für die letzte Drei-Wort-Geschichte waren: Schulhof, Terrorist und Schlüssel.

Hier kommt meine Geschichte:

Was wisst ihr schon?

Lea stand unschlüssig in einer Ecke des großen Schulhofs, in die sie sich sonst mit Marla zurückzog, um auf ihren Smartphones die neusten Instagramstories anzusehen. Aber Marla war krank und Lea wusste auf einmal nicht, was sie mit der Pause anfangen sollte. Instagram allein angucken war blöd.
Da bemerkte sie Djamal, der nur wenige Schritte entfernt an einem Baum lehnte und zu ihr rüber sah. Der Junge war erst seit Beginn des Schuljahres in ihrer Klasse. Lea wusste, dass er Syrer und als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. So viel hatte ihnen am ersten Tag der Klassenlehrer mitgeteilt.

„Djamal spricht sehr gut Englisch, aber erst wenig Deutsch. Seid so nett und helft ihm, unsere Sprache zu erlernen. Weicht nicht auf Englisch aus. Sich mit uns in unserer Sprache verständigen zu können, ist der Schlüssel zur Integration. Djamal weiß das.”

Djamal lernte schnell, aber er blieb meistens allein. So wie jetzt. Zum ersten Mal fiel Lea auf, dass sie ihm auch immer aus dem Weg gegangen war. Das war nicht schwer, weil sie immer mit Marla zusammenhing. Oder mit Ben und Alex, Diana oder Sara. Ben mochte Djamal nicht.
„Nehmt euch vor dem in Acht. Bei diesen Moslembrüdern weiß man doch nie, was sie im Schilde führen.”
„Was meinst du damit?”, hatte Lea nachgefragt.
„Na was schon?” Diana hatte ihren Arm um Ben gelegt. “Mein Vater sagt auch immer, dass diese Araber alle Terroristen sind. Und überhaupt, du weißt doch, wie die mit ihren Frauen umgehen.”

Lea fielen Djamals sanfte, braune Augen auf. Irgendwie sah er immer ein bisschen traurig aus. Nein, sie wusste überhaupt nichts über ihn. Sie steckte das Smartphone in ihre Jacke und lief auf ihn zu. Djamal schien überrascht. Er zögerte einen Moment, dann drehte er sich um und ging weg.
„Djamal, he, warte doch mal. Warum läufst du weg?“ Lea rannte hinter ihm her und hielt ihn schließlich fest.
„Lass das lieber.“ Vorsichtig nahm Djamal ihre Hand von seinem Arm. „Ben und die anderen gucken schon. Das ist nicht gut.“
„Für wen nicht gut?“, erwiderte Lea trotzig.
„Nicht gut für dich und – auch nicht für mich.“ Er sah zu Boden.
„Aber warum denn? Ich weiß, was einige sagen. Aber nur weil du …, weil du Moslem bist, dürfen die doch nicht so mit dir umgehen.“
„Nein? Tun sie aber.“ Djamal lachte auf. Es war ein bitteres Lachen. „Soll ich dir mal etwas Verrücktes sagen? Es reicht völlig aus, in Deutschland fremd zu sein und arabisch auszusehen. Und übrigens – ich bin Christ.“