Viel größer als ein Diamant (DWG)

Viel größer als ein Diamant (DWG)

Hallo liebe LeserINNen,
auch wenn ich bisher noch keinen neuen Newsletter*** auf die Reise geschickt habe, so ganz ohne Schreiben vergeht kaum ein Tag. Während des NaNoWriMo habe ich es mir verkniffen, an den Drei-Wort-Geschichten im Forum der Schule des Schreibens teilzunehmen. Nun habe ich den Kopf erst mal wieder ein bisschen frei und versuche mich an einigen Vorgaben. In dieser Woche habe ich mir vorgenommen: Regisseur, Krankenhaus, Thermomix®. Viel Spaß beim Lesen.

Viel größer als ein Diamant

„Weißde, Bertie“, sagte ich kürzlich nach dem vierten Bierchen zu meinem Freund Herbert, „weißt du, jeder ist nämlich der Reschi … der Reschisör seines eigenen Lebens.“
„Hä?“ Berti blickte mich durch den Kneipendunst verständnislos an.
„Der meint sicher, jeder ist seines Glückes Schmied“, grinste der Wirt.
„Oder so. Schieb mal noch zwei Bier rüber. Aber Reschisör klingt cooler.“
„Ja, un was meinsde jetzt genau damit?“
„Dass ich die Rosi heirade werd. Von der stammt des übrigens mit dem Reschisör. Verstehsde?“
„Nee.“ Bertie angelte sich das volle Bierglas.
„Also des is halt so. Die Rosi meint, es wär höchste Eisebahn, dass ich bei Muttern auszieh. Sonst würd nie en richtige Kerl aus mir wern.“
„Hm.“ Berti nickte und wischte sich den Schaum vom Mund. „Wo se recht hat, hat se recht.“

Nun war ich doch ein bisschen beleidigt. Hätte Berti nicht sagen können, dass ich trotzdem ein richtiger Kerl bin?
„Des Problem ist halt, meine Mutter ist eine fanta… eine fanta …also eine tolle Köchin. Die Rosi kann da net mithalte. Also sonst … wow, also du weißt schon, aber kochen kann sie nicht.“
„Hm.“
„Aber ich hab da schon ne Idee. Neulich, da stand so ein Kerl mit so einem Thermodings, so einem Wahnsinnstopf bei Muttern in der Küche. Du glaubst nicht, was das Ding alles kann. Das wiegt, das kocht, das – egal, alles, sag ich dir. Das kann alles! Mutter hat ihn allerdings ausgelacht. ‚Bei uns werd noch anständig gekocht. Mir brauche so en neumodische Kram net. Un was der kostet’, hat se gesacht. Aber wenn ich jetzt der Rosi so ein Teil schenke würd …“

Bertie knallte das Bierglas auf den Tresen. „Genau, dann kocht die Rosi wie dei Mutter – genial. Komm, darauf trinken wir noch eins.“

Also – das ist jetzt gut drei Wochen her. Ich habe der Rosi meine Liebe gestanden, geschworen, dass ich endlich zu Hause ausziehe und ihr zur Verlobung ein ganz tolles Geschenk versprochen.
„Du wirst Augen machen, meine Süße. Sowas hast du noch nicht gesehen.“
„Och sag’s mir doch. Ein Diamantring vielleicht?“ Rosi schmiegte sich hingebungsvoll an mich.
„Größer, mein Liebling, viel größer.“
„Doch nicht das Cabrio, Schatz?“
Ich hatte wohl doch ein bisschen übertrieben. „Lass dich überraschen.“

Und dann haben wir uns verlobt. In Mutters Küche habe ich Rosi das Paket überreicht, ganz in Goldfolie mit einer roten Schleife und einem roten Herz. Rosi sah zum Anbeißen aus in ihrem süßen neuen Fummel. Heute Abend würde sie für mich kochen und dann –

Gestern haben sie mich aus dem Krankenhaus entlassen. Zurücknehmen kann er den Thermomix nicht mehr, hat der Vertreter gesagt. Wegen der Delle.

©ElkeHeinze/2017
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Nachtrag: Ich weiß, dass Thermomix® ein geschützter Name der Firma Vorwerk ist. Er war als Begriff für die Geschichte vorgegeben. Deshalb habe ich das Wort beim ersten Mal mit dem ®-Zeichen versehen, im Text dann aber weggelassen. Im Forum wurde ich daraufhingewiesen, dass der Metallbehälter sehr widerstandsfähig sei – ich nehme an wegen der Delle 😉  Sorry, ich wollte die Wertigkeit des Produktes zu keiner Zeit infrage stellen. Aber wer weiß denn, was Rosi damit noch alles angestellt hat?
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*** Apropos Newsletter: Ich bekomme ja auch reichlich Newsletter ins Haus geschickt. Heute hat es der erste geschafft, dass ich mir spontan das darin beworbene Buch bestellt habe: Nika Lubitsch “Die 12. Nacht” – mit mystischen Sachen kriegt man mich fast immer. Ich bin gespannt.

Was den Verkauf meiner eigenen Bücher angeht, finde ich es gerade ganz spannend, dass “Mord in der Schwanheimer Düne” plötzlich die Nase wieder vorn hat. Aber es ist fast ein Kopf an Kopf Rennen mit “Vergangen heißt nie ganz vorbei”.  Ich würde mich übrigens nach wie vor über ein paar freundliche Rezensionen freuen.

 

 

NaNo – Rückblick & Ausblick

NaNo – Rückblick & Ausblick

Höchste Zeit, dass ich mich mal wieder melde. Ich weiß, auch mein Dezember-Newsletter lässt auf sich warten. Aber es gibt im Grunde keine News, deshalb ist mir noch nicht nach dem Letter. Unser E-Mail Postfächer laufen im Dezember sowieso meistens über, also lasse ich das mal langsam angehen.

Den NaNoWriMo habe ich mit ~44.000 Wörtern abgeschlossen. Zu den Gewinner zähle ich also nicht, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Aber für mich selbst habe ich immerhin an Erfahrung gewonnen. Sollte ich noch einmal am NaNo teilnehmen, werde ich ganz sicher den Preptober  – also den Oktober davor – intensiver zur Vorbereitung nutzen. Ich kann einfach drauflosschreiben und das auch täglich, aber es macht für mich keinen Sinn. Ich verzettele mich, komme von einem Nebenschauplatz zum nächsten und weiß nach 150 Seiten plötzlich nicht mehr, was ich eigentlich am Anfang geschrieben habe. Außerdem muss ich für wärmere Pantoffeln sorgen . Ja, das meine ich im Ernst. Ende November wurde es nämlich richtig kalt, dass ich mich nur noch ungern an meinen PC gesetzt habe. Unsere großen, ineinander übergehenden Räume im Erdgeschoss sind nämlich ziemlich fußkalt und auch nicht gerade überheizt. Mein Scheibtisch steht vor einer Fensterfront, die noch aus dem Jahr 1980 stammt. Sind zwar Thermofenster, aber halt nach dem damaligen Standard. Und der war noch nicht so dolle.

Aber: Ich habe jetzt jede Menge Stoff, um einen Roman zu schreiben, der gerne auch erst in einem oder zwei Jahren fertig werden darf. Mal kein Krimi, sondern eine Gesellschafts-Utopie (oder auch Dystopie), für die ich mir die Zeit auch nehmen werde. Ich werde mal den Bestseller anvisieren (kleiner Scherz!). Und jetzt mache ich mich mit dem vorhandenen an meine BB12, das ist die Abschlußarbeit für die Schule des Schreibens.

Kleine Neuerung: Ich werde ab sofort auch in diesem Blog ebenso wie im Newsletter wieder zum “Du” übergehen. Ich werde sonst einfach schizophren. Das “Du” ist überall im Netz derart üblich, dass es keinen Sinn macht, hier weiterhin das “Sie” zu benutzen. Ich glaube nicht, dass ich damit bei meinen Lesern professioneller rüberkomme. Einverstanden?

Ich wünsche euch allen eine schöne, stressfreie, gemütliche Adventszeit.

Und wer noch einen spannenden Krimi sucht, dem empfehle ich “Böser Ort” von meiner Freundin und Autorenkollegin Fiona Limar. Habe ihn gerade selbst gelesen. Für mich bislang einer ihrer besten Krimis.

Ich hatte mal das große Latinum :-(

Ich hatte mal das große Latinum :-(

Und ich hatte im Abitur sogar eine Eins in Latein – verdammt lang her! Es ist eigentlich der helle Wahnsinn, wie schnell man vergessen kann, was man nicht nutzt und nicht braucht. Als ich mit dem Zahnmedizinstudium anfing, wurde übrigens gerade die Notwendigkeit des großen Latinums als Zugangsvoraussetzung abgeschafft. Aber ich hätte Latein damals sowieso gewählt, keine Ahnung warum. Heute würde ich mich immer für eine lebende Sprache entscheiden, das wäre alternativ damals Französisch gewesen. Wie auch immer, die Grundlagen haben mir durchaus im Französischen und Spanischen weitergeholfen, wobei ich es in diesen Sprachen nie über ein paar Urlaubssätze hinaus gebracht habe. Na ja, im Französischen verstehe ich zumindest Gedrucktes ganz gut. Warum ich hier darüber schreibe?
In meinem augenblicklichen Roman (NaNoWriMo) gibt es einen kleinen Anhänger, der neben den Apothekersymbolen den Spruch “Gib niemals auf” auf lateinisch trägt. Ich habe also mal ein bisschen im Internet recherchiert und festgestellt, dass ich da nicht die erste war. Nach einer Weile hat sich dann Folgendes herauskristallisiert: Ne umquam desieris. Fand ich vom Klang her toll, aber wirklich sicher war ich mir nie. Vor ein paar Tagen habe ich in Photoshop rumgespielt und mir überlegt, wie der Anhänger aussehen könnte. Als ich dann auf die Idee kam, man könnte das irgendwann als Buchtitel nehmen und den Anhänger mit aufs Cover bringen, dachte ich, dass ich das dann aber doch besser erst mal abklären müsste. Und – Facebook sei Dank! – ich habe eine nette Lehrerin gefunden, die heute ihren Lateinkollegen dazu befragt hat und nun habe ich die angeblich korrekte Übersetzung: “Ne umquam desperaverio” . Bin aber immer noch nicht sicher. Kann in den Konjugationstabellen diese Form nicht finden. Meinen Entwurf zeige ich trotzdem mal:
Da muss man sich nun noch einen golden Reif drumherum vorstellen und eine Öse für die Kette. Wenn ich das tatsächlich auf dem Cover haben möchte – irgendwann mal, ist ja noch lange nicht spruchreif – werde ich das wohl von einem Grafiker/Grafikerin umsetzen lassen. Und dann kommt auch der korrekte Spruch mit hinein oder die deutsche Variante. Das wäre entschieden gefahrloser. Mit komischen Sachen muss man sich aber auch rumschlagen …

 

 

Der NaNoWriMo und meine Grenzen

Der NaNoWriMo und meine Grenzen

Ich hätte es locker schaffen können, aber kurz vor dem Ende des NaNoWriMo nehme ich es in Kauf, dass ich die 50.000 Wörter vermutlich nicht erreichen werde. Ich habe fleißig getippt und es hat viel Spaß gemacht. Und plötzlich kamen die Kopfschmerzen, überstrapazierte Augen und außerdem das Gefühl, dass ich einen großen Teil des Geschriebenen doch wieder werde löschen oder zumindest gewaltig werde überarbeiten müssen. Die Geschichte hat sich verselbständigt, ist aus dem Ruder gelaufen. Vielleicht bietet sie ja tatsächlich Stoff für mehrere Bände. Aber ich muss mir erst einmal darüber klar werden, ob ich das überhaupt will. Dieses Drauflosschreiben – auch wenn es tatsächlich läuft – ist nicht mein Ding. Das habe ich von vornherein gewusst. Ich bin eher der Typ, der ein, zwei Seiten schreibt und dann sofort anfängt, das Geschriebene zu überarbeiten, zu hinterfragen. Nun auf einmal täglich sechs bis acht Seiten und das 30 Tage lang – es geht mir gegen den Strich. Am Anfang habe ich alles ausgedruckt und mich abends hingesetzt und es wieder und wieder gelesen – verrückt! Denn die Muse, es dann am nächsten Tag zu korrigieren hatte ich ja nicht. Also habe ich nun doch die Notbremse gezogen. Wenn ich nun dem Ende zu täglich eine oder zwei Seiten schreibe, dann reicht mir das. Im Dezember werde ich aus dem bisherigen Stoff hoffentlich so viel herausziehen können, dass ich damit meine Abschlußarbeit für die Schule des Schreibens einreichen kann. Und dann wird das Ganze gesichtet, verändert und … weitergeschrieben.

Der NaNo war eine tolle Erfahrung, und ich bereue es nicht, dass ich mich darauf eingelassen habe, aber es ist nicht mein Stil. Gelernt habe ich immerhin, dass ich es schaffen kann, mich täglich hinzusetzen und dieses “Sich-Hinsetzen” etwas durchaus Positives ist. Auch wenn man denkt, heute krieg ich nicht eine Zeile aufs Papier, läuft es dann meistens trotzdem.

Zwischendrin habe ich zwei total unterschiedliche Romane gelesen bzw. gehört, die beide irgendwie unter das Genre Dystopie fallen. Zunächst war es die Trilogie “Die Tribute von Panem“, die mir besser gefallen hat, als ich anfangs dachte. Die Story war spannend, die Helden sympathisch, obwohl sie andere Menschen umbringen mussten. Man konnte absolut mit ihnen fühlen. Es gab immer wieder originelle Überraschungen und mit dem Spott-Tölpel (Mockingjay) hat Suzanne Collins auch gleich noch ein interessantes Symbol geschaffen.

In den letzten Tagen habe ich mir den Klassiker der Dystopien “1984” Von George Orwell als Hörbuch angehört. Der Roman schildert die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaats. Zunächst war ich von der bildgewaltigen Sprache Orwells ziemlich begeistert. Das hat sich aber schnell gelegt. Der Autor verliert sich bald in endlosen, sich immer wiederholenden Beschreibungen und theoretischen Erörterungen. Als dann im zweiten Teil das Buch des angeblichen Untergrundführers Goldstein verlesen wird, war ich schon kurz davor, aufzuhören. Dann kommen die Schilderungen der Folterungen des Protagonisten Winston – endlos. Ich kann’s nicht anders sagen: Es ist kaum zu ertragen und zudem zeitweise stinklangweilig. Sicher muss man den Roman aus der Zeit heraus verstehen, er wurde 1948 herausgegeben. Viele vergleichen inzwischen die USA unter Donald Trump mit “Big Brother” und so manches, was der Roman schildert, ist sicher auch heute aktuell. 1984 ist der meistgelesene Science-Fiction-Roman der Weltliteratur, aber gefallen hat er mir nicht. Nach den Regeln des Schreibens, die ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, hätte der Inhalt gut und gerne auf die Hälfte gestrafft werden können. Insofern kann ich auch nur vor dem Hörbuch warnen. In einem gedruckten Buch kann man wenigstens vorblättern 🙁 .

NaNoWriMo – Halbzeit und 49%

NaNoWriMo – Halbzeit und 49%

Wir haben in der Tat beim NaNoWriMo die erste Hälfte erreicht. Und ich bin zu meinem eigenen Erstaunen immer noch in der Spur. Mit exakt 24.678 Wörtern habe ich die 50% knapp verfehlt. Ein einziger Tag, der gestrige, hat mich etwas aus der Bahn geworfen. Aber da hatte wunderschönes Wetter dem hässlichen, nassen und November mal wieder eine etwas freundlichere Note verpasst, und ich musste einfach raus ins Freie. Ich weiß nicht, ob es der Spaziergang an der frischen, kalten Luft war, die intensive Sonneneinstrahlung oder was auch immer, später war ich so müde, dass ich mich erst mal hingelegt habe und anschließend gerade noch 600 Wörter zustande gebracht habe.

Maritimer Herbst

Mein Roman schreibt sich zwar nicht von selbst, aber ein Gedanke reiht sich an den anderen – es läuft. Wird dabei allerdings immer epischer, sodass ich gespannt bin, wie viele Seiten es am Ende einmal werden. Mehr als 50.000 Wörter ganz gewiss. Aber ich muss ja auch mit dem 30. November nicht zwangsläufig das Ende erreicht haben. Ich merke, dass ich für das “Raunen der Wälder” (Arbeitstitel) viel recherchieren muss. Ich brauche Hintergrundwissen über Dinge, die mich bislang eher abgeschreckt haben: Totalitäre Systeme, Das Dritte Reich, Militär, Technik. Das alles wird zwar nur angeschnitten werden, aber es darf auch nicht völlig meiner Phantasie entspringen. Gestern habe ich mir auf arte eine Dokumentation über Heinrich Himmler angesehen. Und ich kann nur sagen, ich bin froh, dass meine Phantasie nicht an das herankommt, was sich in der Realität schon längst abgespielt hat. Gelesen habe ich in den letzten Tagen auch “Die Tribute von Panem”, einen Bestseller, der mich vorher nicht unbedingt interessiert hatte. Aber wenn man sich dann selbst an eine Gesellschaftsdystopie macht, in der eine Jugendliche eine Hauptperson ist, muss man halt auch wissen, was es auf dem Markt schon gibt. Es wäre schlimm, wenn man meinem Roman irgendwann vorwerfen würde, dass ich etwas Anderes kopiert habe. Aber da kann ich schon jetzt sagen, auf die Tribute wird das nicht zutreffen.

Ja, dann geht es nun an die zweite Hälfte des NaNoWriMo und ich bin selbst gespannt, was sie bringen wird.

Gedanken über das Schreiben

Gedanken über das Schreiben

Manchmal, aber nur manchmal, frage ich mich ja schon, warum wir uns so viele Gedanken über “gutes Schreiben” machen. Warum wir Kurse belegen, Handbücher über das Schreiben lesen, unsere Texte immer und immer wieder Korrektur lesen, Lektoren hinzuziehen und so weiter, wenn man dann feststellt, dass sich oft der größte Schund am besten verkauft. Man muss ja nur mal gucken, was sich bei Amazon so auf den Bestsellerlisten herumtreibt. Heute hat mir ein Facebookbeitrag mal wieder das entsprechende Grinsen ins Gesicht gezaubert, als jemand dort schrieb, dass wohl das neuste Werk des Herrn Fitzek stilistisch alles andere als ein Hochgenuss ist. Aber wie ist das mit den Schreibregeln? Manchmal denke ich, wir Schreiberlinge machen uns nur dann so viele Gedanken darüber, weil man uns beigebracht hat, nicht so viele Adjektive zu benutzen, nicht so oft: “xxx”, sagte er, lachte er, nickte er etc. zu schreiben. Nein, man kann einen Satz nicht nicken. Das ist einfach nicht korrekt. Aber der Leser weiß, was gemeint ist. Wird er sich daran stören? Vermutlich nicht, wenn die Geschichte spannend genug ist. Würde sich mein Lektor daran stören, sofern ich einen hätte? Vermutlich. Wenn sich der Lektor des Herrn Fitzek daran nicht stört, dann vermutlich deshalb, weil er weiß, dass sich ein Fitzek immer verkauft. Das ist die Realität.

Ich stecke in der Klemme. Wenn ich ab morgen beim NaNoWriMo tatsächlich täglich 1.600 Wörter schreiben will, muss ich meinen inneren Lektor abstellen – rigoros. Kann ich das? Ich fürchte, das wird die eigentliche Herausforderung. Oder soll ich weitermachen wie bisher, auch wenn ich dann täglich nur auf 500 Wörter komme? Wäre im Prinzip auch nicht schlimm – oder? So oder so beschäftigt mich der NaNoWriMo jetzt schon seit Tagen so intensiv, dass es mir einen neuen Schub gibt. Und das ist gut so. Der dritte Bea Baumann Krimi, der durchaus noch kommen soll, liegt auf Eis. Ich muss mich tatsächlich mal wieder an einem neuen Genre ausprobieren.

Worum wird es gehen?

Wir befinden uns am Ende des 21. Jahrhunderts. Seit der letzten Bundestagswahl 2032 haben es eine deutsch-nationale und eine Öko-Partei geschafft, Deutschland vom übrigen Europa zu isolieren. Dichte Wälder umschließen das Land und schirmen es nach außen ab. Innen lebt es sich ganz gesund, weil alles darauf ausgerichtet ist, Umweltverschmutzung zu vermeiden und Technologien zu entwickeln, die einen gehobenen Lebensstandard möglich machen. Gleichzeitig sind die ursprünglichen Parteien in einer einzigen Partei des “Herrn” aufgegangen, die alles kontrolliert und dirigiert. Frauen haben viele ihrer Rechte verloren und haben nur Aufstiegschancen in einer patriarchalischen Gesellschaft, wenn sie einem der “Herren” gefallen. Doch da ist Emma, eine Vierzehnjährige mit ganz besonderen Gaben und vor allem mit dem Willen, sich gegen das System aufzulehnen. Sie hat Verbündete, die sich noch an die alte Zeit erinnern und dem gegenwärtigen Reich entrinnen wollen. Diese Menschen leben in den Wäldern und müssen sich vor der Regierung verbergen. Aber wenn sie etwas erreichen wollen, dann können sie das nicht nur im Verborgenen tun.

Wie kann diese Welt am Ende unseres Jahrhunderts aussehen? Welche technischen Möglichkeiten kann es geben, Fortbewegungsmittel, Energiegewinnung etc. Spannende Fragen, die ich lösen muss. Die Geschichte selbst ist erst in groben Zügen in meinem Kopf vorhanden. So ist das bei mir immer. Ich bin ein “aus dem Bauch heraus”-Schreiber oder wie der Amerikaner sagt “writing by the seat of your pants”.  In den letzten Tagen lese ich ein Buch, das ich sehr spannend finde: “How to write a novel using the snowflake method” von Randy Ingermanson. Eigentlich wollte ich keine Schreibratgeber mehr lesen, weil es mir mit den letzten so ging, wie Goldilocks, der Protagonistin aus Randy Ingermansons Buch, mit den von ihr zunächst bei Papa Bear und Mama Bear belegten Vorlesungen. Runzelt hier gerade jemand die Stirn? Ja, der Autor des Buches hat sich bei der alten englischen Kindergeschichte von “Goldilocks und den drei Bären” bedient und mit diesen Figuren eine hübsche neue Geschichte mit einem Schreibratgeber verquickt. Und das ist ihm, soweit ich es bisher beurteilen kann, wunderbar gelungen. Er lässt Baby Bear seine durch ihn (Ingermanson) erfundene Schneeflockenmethode erklären. Im Grunde kommt auch er schließlich auf das Plotten und die altbekannte Heldenreise zurück, aber auf eine wirklich nachvollziehbare und gut verständliche Weise. Ich habe das Buch noch nicht ganz durch – es ist in Englisch geschrieben, aber gut verständlich. Einiges davon habe ich nun gedanklich schon ein bisschen umgesetzt und es gibt mir tatsächlich ein bisschen Halt, um nicht mehr nur aus dem Bauch heraus zu schreiben. Das führt nämlich meistens dazu, dass ich unglaublich viel wieder und wieder neuschreiben muss. Also – ich bin gespannt, ob mir die Schneeflockenmethode auch beim NaNoWriMo weiterhelfen wird.
Plotten: Hat beim Schreiben nichts mit einem Drucker (Plotter) zu tun! Der Plot ist das Handlungsgerüst eines Romans oder einer Erzählung. und sollte, so wird es normalerweise gelehrt – im Kopf des Autor vorhanden sein (oder – noch besser – schriftlich niedergelegt sein) bevor er den ersten Satz schreibt.

Heldenreise: Die Heldenreise ist sowas wie der Leitfaden des Plots. Sie beginnt damit, dass der Protagonist (Held) aus seinem gewohnten, meistens langweiligen Leben ausbrechen muss, weil er einen “Ruf” erhält. Dem möchte er zunächst nicht unbedingt folgen, weil das mühsam und oder gefährlich ist. Dann trifft er auf einen Helfer (Mentor), der ihn schließlich doch davon überzeugt, dem Ruf zu folgen. Wer “Der Herr der Ringe” kennt, hat jetzt sicher bereits Frodo und Gandalf vor Augen. Der Held macht sich auf den Weg, begegnet den ersten gefährlichen Abenteuern und erkennt, dass es kein Zurück mehr gibt. Oft erkennt er auch, dass er ein gewisses Erbe in sich trägt, dem er nicht entkommen kann. Trifft in HdR zum Beispiel besonders auffällig auf Aragorn zu. Oft begegnet er auch einer Frau, die einen großen Einfluss auf ihn ausübt (vice versa, wenn wir es mit einer Heldin zu tun haben) und seine Reise beeinflusst. Nach der letzten, entscheidenden Prüfung hat er sein Ziel erreicht und ist gereift. Oder er schafft es nicht mehr, in seine alte Welt zurückzukehren. Im Herr der Ringe z.B. Frodos Abgang an den Grauen Anfurten, während Aragorn die Königswürde annimmt. “Der Herr der Ringe” ist ganz sicher auf der typischen Heldenreise aufgebaut. Aber selbst, wenn man mal einen Film wie “Pretty Woman” analysiert, wird man eine ganze Reihe dieser Aspekte wiederfinden.

Schneeflockenmethode: Randy Ingermanson spricht bei seiner Methode deshalb von der Schneeflockenmethode, weil er Goldilocks zeigt, dass man Schritt für Schritt ein einfaches Dreieck in ein Schneeflocken ähnliches Fraktal verwandeln kann, während es praktisch nicht möglich ist, dieses Bild frei aus der Hand zu zeichnen.

(Das Foto, das ich als “Coverfoto” benutzt habe, stammt von  https://unsplash.com/@onelast, wer auch immer sich hinter T.L. verbirgt.)

So viel für heute. Während des NaNoWriMos werde ich mich immer mal wieder melden.