Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Hier mal wieder eine der Ultrakurzgeschichten mit den Wortvorgaben: Kornfeld, Ouijabrett und Ghostwriter. Was für eine Zusammenstellung! Und plötzlich hatte ich dann doch eine Eingebung. Ich sag nur: Vorsicht Satire! Viel Spaß beim Lesen.

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Der Geist des Alten

Die schwere Limousine glitt gemächlich über die von hohen, alten Bäumen flankierte Allee dahin. Der junge, afghanische Chauffeur hatte auf Autopilot gestellt und beobachtete im Rückspiegel das müde Gesicht seiner Chefin.
Hin und wieder blitzten zwischen den Bäumen die goldgelben Kornfelder ihrer uckermärkischen Heimat auf. Angie dachte an das Verlagsgespräch zurück, das sie gerade geführt hatte. Sie hatten mit Sicherheit einen perfekten Ghostwriter für ihre Memoiren gefunden. Angie kannte und schätzte die spitze Feder des Mannes. Sie hatte Physik studiert und jahrzehntelang die Politik des Landes bestimmt. Schreiben war nicht ihre Sache. Aber zu erzählen hatte sie eine Menge.

Der Innenminister wird sich noch wundern.
Bei diesem Gedanken machte sich ein ungewohnt sardonisches Grinsen in ihrem Gesicht breit. Sie freute sich schon jetzt auf die Präsentation des Buches. Doch bis dahin gab es noch viel zu tun.
Angie kicherte. Morgen würde sie als erstes den Dorffriseur aufsuchen. Ihr graues Haar bestand auf seinem Recht, sich der Öffentlichkeit ohne jede Scham zu zeigen. Einen frechen Pixie würde sie sich schneiden lassen. Und dann vor allem Schluss mit den dämlichen Hosenanzügen. Unwillkürlich nahm sie die Hände weg von dem Brett, das auf ihrem Schoß lag. Sie betastete die Falten, die an ihrem Kinn seit Jahren an eine dieser hölzernen Marionetten erinnerten. Der Termin mit Professor Mang war schon vereinbart.
Oh, ihr alle werdet euch noch wundern!

Die Finger wanderten zurück auf das alte, abgegriffene Quijabrett. Zahlen und Buchstaben waren dort eingebrannt. Sonne, Mond und Sterne. Wörter wie Ja und Nein, Danke oder Ende. Kaum noch zu ertasten war der kurze Satz „Ich warte“. Warten war in ihren Augen immer die beste Alternative gewesen. Den kleinen Zeiger, die Planchette aus reinem Bergkristall, hatte sie sich zur Halskette umarbeiten lassen. Sie brauchte ihn schon lange nicht mehr. Der Geist führt ihre Finger auch ohne dieses Hilfsmittel. Der Geist! Dankbar erinnerte sie sich an ihren Ziehvater. Der Alte aus Oggersheim hatte sie immer gut beraten. Sie beschloss, ihm zu Ehren heute Abend einen Pfälzer Saumagen auf den Tisch zu bringen. Nur dieses eine Mal noch. Danach würde sie sich sofort bei Weight Watchers anmelden.
Über der Allee ballten sich dunkle Wolken zusammen. Ein Blitz erhellte die Landschaft. Sein Widerschein traf das Ouijabrett über dem Wort ENDE.

©EHeinze/2018 – Bildquelle https://unsplash.com/@stephenleo1982

 

 

Ausge”campt”

Ausge”campt”

Camp Nano
Es ist immer wieder interessant, welche Erfahrungen man macht, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat. Entgegen meinen eigenen Erwartungen läuft die Arbeit am Manuskript jetzt momentan ganz gut. Aus dem Camp Nano habe ich mich heute allerdings endgültig ausgeklinkt. Jedenfalls aus der “cabin”, wie das dort genannt wird, also einer Gruppe, die in meinem Fall aus lauter Leuten besteht, die ich aus der Schule des Schreibens kenne.  Irgendwie habe ich mir davon etwas völlig anderes erwartet. Nun ja, kann passieren. Ist vermutlich nicht mein Ding.

 

Neben dem Schreiben lese ich auch täglich. Erstanden – ja so richtig auf Papier, kein Kindle Download – habe ich den Schreibratgeber “Story Turbo” von L. C. Frey. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch gefällt mir sehr gut. Der Autor hat eine ungewöhnlich flotte Art zu schreiben und mit vielem spricht er mir aus der Seele. Was lag näher, als mir auch noch einen seiner Thriller zu kaufen? Den nun aber wieder im Download. Es gab den neuesten auch gerade bei Kindle unlimited für lau. Und das war gut so. Denn dieser Thriller (Todeszone: Tatort Malmö) ist sowas von fürchterlich, jedenfalls nach meinem Geschmack, dass ich nur noch den Kopf geschüttelt habe. Hier wird an die niedersten Instinkte appelliert, Rechtschreibung und vor allem die Ausdrucksweise lassen auch sehr zu wünschen übrig. Da ich nun mal weiß, dass der Mann es besser kann, ist eigentlich ganz klar, dass dieses Buch nur dazu dient, schnelles Geld zu verdienen, alles andere ist dem Autor offenbar völlig egal. Nun gut, der Erfolg gibt ihm Recht. Und das ist für mich das eigentlich Frustrierende an der Sache: Der Markt gibt es her, die Leser wollen diese Art Bücher offenbar. Ich habe mal wieder diagonal gelesen, nur um möglichst schnell durch zu sein. Irgendwo ja schon in der Hoffnung, dass ich von dem Buch noch einen besseren Eindruck gewinne. War aber nicht.
Dann bin ich noch auf eine Dystopie gestoßen, die eine ähnliche Zeit bedient wie mein Projekt. Das hat mich erst einmal erschreckt, denn es gibt mehr Parallelen, als mir lieb ist. Andererseits ist es gut, dass ich im Vorfeld weiß, was es schon gibt. Man möchte ja hinterher nicht als Plagiator dastehen. Aber trotz aller Ähnlichkeiten ist es doch eine völlig andere Geschichte, scheint mir. Ich habe mit dem Buch gerade erst angefangen, finde es aber ausgesprochen spannend ***. Mal schaun, wie es sich entwickelt. Das Buch heißt “Nordland Hamburg 2059 – Freiheit”, die Autorin Gabriele Ahlers. Und dieser Titel (nur der Titel)) hat nun eine schon extreme Parallele zu einer anderen Dystopiesammlung, die ich kurz angelesen habe: “Hamburg Rain 2084” von Rainer Wekwerth (und anderen). Da bin ich mal froh, dass meine Geschichte in Mainstadt vormals Frankfurt spielt. Aber beeilen sollte ich mich nun doch mal, bevor noch weitere Autoren ein ähnliches Thema beackern.
*** Das mit dem “spannend” hat sich nach einer Weile gelegt. Das Buch – es hat fast 700 Seiten – ist ausgesprochen langatmig. Da könnte viel gestrichen werden. Es gibt zu viele Namen, sowohl hinsichtlich Personen als auch hinsichtlich Hamburger Örtlichkeiten. Wer sich in Hamburg nicht auskennt, der kann damit sowieso nicht viel anfangen. Des weiteren gibt es für meinen Geschmack auch viel zu viele technische Erklärungen. Ich muss das nicht alles bis in Detail wissen. Spannung erzeugt das jedenfalls nicht. Und was das Erzählen an sich angeht … über Geschmack lässt sich streiten. Das Buch ist für mich keine Leseempfehlung.
Für das Foto: Thanks to Unsplash and Tommy Lisbin: https://unsplash.com/@tlisbin
Das Wunder des Camp NaNo

Das Wunder des Camp NaNo

Kaum zu fassen, aber es wirkt. Ich schreibe tatsächlich seit vier Tagen an meiner Dystopie weiter. Seit Ende November lag das Manuskript in der Schublade, mir fiel einfach nichts mehr dazu ein. Ich hatte den Eindruck, dass ich mich mit diesem Projekt übernommen hatte und irgendwie war nach dreißig Tagen Marathon-Schreiben die Luft raus. Meine Anmeldung zum Julicamp war auch nur halbherzig. Immerhin kann man sein Schreibziel diesmal selbst bestimmen. Und weil ich meine Korrekturwut kenne, habe ich mich nicht für Wörter, Zeilen, Seiten oder Anschläge entschieden, sondern für eine Stundenvorgabe. 31 Stunden, also eine Stunde pro Tag, das sollte drin sein. Obwohl ich dachte, dass ich mich dazu zwingen müsste, mich bei dieser Hitze überhaupt an den PC zu setzen. Nun bin ich seit vier Tagen am Schreiben – und natürlich Korrigieren – und es sind bereits zwölf (12) Stunden geworden.

Zunächst einmal muss ich überhaupt wieder in die Geschichte hineinfinden. Dazu ist das Korrekturlesen und Korrekturschreiben optimal. Inzwischen sind auch neue Ideen dazugekommen. Die Figuren verändern sich wieder. Es wird also noch eine Weile dauern, bis der Roman mal fertig ist. Aber das ist mir völlig egal. Hauptsache, es flutscht wieder und ich habe die Freude am Schreiben wiedergefunden. Diesmal gehe ich auch etwas planvoller vor. Nach und nach entsteht ein echtes Gerüst, die Charaktere werden besser ausgearbeitet und ihnen wird dadurch mehr Leben eingehaucht. Hoffe ich zumindest.

Ne umquam desieris – Verrate niemals deinen Traum – der Titel ist Programm! Mein Traum ist es, dieses Buch zu schreiben und ich werde das tun.

Selfpublishing mit BoD

Selfpublishing mit BoD

Heute gab es, von der Schule des Schreibens initiiert, ein Webinar zum Thema Ebook mit BoD (Books on Demand) veröffentlichen. Das war insofern recht interessant, als BoD einen Online Ebook Creator zur Verfügung stellt, der das Erstellen recht komfortabel erscheinen lässt. Da finde ich das Angebot bei Amazon schon ein bisschen rückständig. Allerdings beherrsche ich bis heute die Arbeit mit Papyrus Autor nicht wirklich, obwohl ich dieses Programm schon seit Jahren auf dem PC habe. Vermutlich sollte ich mich damit endlich mal richtig gründlich beschäftigen, bevor ich wieder ins Camp NaNoWriMo einsteige, wie ich es mir für den Juli vorgenommen habe. Allmählich reizt es mich doch wieder, meine im November mit viel Begeisterung und Schreibeinsatz begonnene Dystopie zu vollenden. Steht das Buch mit Papyrus, so sollte der Rest so schwierig nicht mehr sein, egal mit welchem Verein.

Reizen könnten mich an BoD allerdings die Vertriebswege. Amazon ist Amazon und Schluss. Und das ist doch ein bisschen wenig, wie ich auch hier immer wieder feststelle. Mit BoD wären die E-Books auf dem Tolino lesbar – dafür allerdings nicht auf dem Kindle – und die Printausgaben mit ordentlicher ISBN auch im Buchhandel verfügbar. Zumindest wenn sich dort jemand dafür interessieren würde. Bislang verkaufen sich eigentlich nur die E-Books gut. Aber was mache ich mir heute darüber Gedanken? Erstmal muss wieder was fertig werden.

Bildquelle: Danke an https://unsplash.com/@brookelark

Plötzlich wieder schreiben …

Plötzlich wieder schreiben …

… und was dabei herauskommt *lach*. Es ging um die nächste Drei-Wort-Geschichte. Drei ziemlich verrückte Wörter waren vorgegeben: Gefängnis, Schwester und Straußen-Ei. Dann kam mir die Idee für’s Straußen-Ei. Nach Mitternacht habe ich mit dem Schreiben losgelegt und war schließlich richtig zufrieden mit meiner kleinen Geschichte, bis … tja, bis ich feststellen musste, dass ich das “Gefängnis” nicht drin hatte. Bestimmt hätte ich es noch unterbringen können, weil es auch im Alten Ägypten sicher Gefängnisse gab, aber der Begriff kam mir dafür seltsam vor. Also habe ich meine Geschichte in der Schule des Schreibens nicht unter DWGs eingestellt sondern schlicht unter Textkritik. Gefallen hat sie trotzdem. Mal schaun, ob sie auch hier ankommt. Viel Spaß beim Lesen.

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Das Straußen-Ei

„Herrin.“ Die junge Sklavin hatte den Raum leise betreten. Mit niedergeschlagenen Augen wartete sie furchtsam auf die Reaktion der Pharaonentochter.
Neferwaty, die den Nachmittag wie sooft auf der Liege im Innenhof verbrachte, während ihr Tänzerinnen und Knaben die Zeit vertrieben, drehte sich unwillig nach ihr um.
„Warum störst du? Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin.“ Sie griff nach der Schale mit den Datteln, die ihr ein Knabe reichte. Die goldenen Reifen, die ihre Arme schmückten, klirrten leise.

Asra näherte sich ihr zögerlich. Wie schön es hier doch war! Leise plätscherte Wasser in ein marmornes Becken und kühlte die Luft.
„Herrin, Marik der Händler ist eingetroffen. Er hat die Seidenstoffe mitgebracht, die Euch versprochen wurden. Und Federn von Pfauen und Straußen in den schönsten Farben. Und …“ Asras Gesicht glühte nun vor Begeisterung, obwohl sie kaum einen Blick auf die Waren hatte erhaschen können.

Neferwaty sprang auf. „Was? Wieso erfahre ich erst jetzt davon. Wann ist Marik gekommen?“ Mit einer herrischen Geste verscheuchte sie die beiden schwarzen Knaben, die ihr mit Palmwedeln Kühlung zugefächelt hatten.
Asra trat zwei Schritte zurück. „Ich weiß es nicht, Herrin. Aber die Herrin Satamany hat befohlen, dass er erst ihr die Waren vorzulegen habe.“

Neferwatys Gesicht verzerrte sich vor Zorn. Sie dachte an das vergoldete Straußenei, das ihr der Händler mitbringen sollte. Magische Kräfte versprach sein Besitz, Fruchtbarkeit und unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Mann, den sie liebte. Sie konnte jede Hilfe brauchen, um Ramses für sich zu gewinnen, der nur Augen für ihre jüngere Schwester zu haben schien.

„Dummes Ding, du kommst wie immer zu spät“, herrschte sie das Mädchen an und verpasste ihr eine Ohrfeige. „Ich sollte dich auspeitschen lassen. Geh mir aus den Augen. Nein, warte, hole mir sofort Sherin, damit sie mir beim Ankleiden hilft.“
„Ja, Herrin.“ Asra wagte es nicht sich umzudrehen. So schnell sie konnte, verließ sie rückwartslaufend den Raum.

In feinste Seide gekleidet, einen hauchdünnen Schleier vor dem Gesicht, betrat sie wenige Minuten später den Bereich, in dem sie Marik mit seinen Waren vermutete. Sie wusste, dass ihr Vater dieses Verhalten niemals geduldet hätte. Doch hatte sich nicht auch bereits Satamany darüber hinweggesetzt?
Als sie den Hof betrat, wusste sie, dass sie zu spät kam. Es war Ramses, der Satamany ein wundervolles Straußenei aus purem Gold überreichte.

©EHeinze / Juni2018 – Bildquelle:https://unsplash.com/@dermanuskript

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Schnell noch eine Buchvorstellung. Da ich Krimis derzeit über habe, bin ich mal wieder bei den historischen Romanen gelandet. Und weil ich inzwischen davon überzeugt bin, dass sich unter den Kindle unlimited Kostenlosbüchern selten echte Perlen finden (Ausnahmen bestätigen die Regel), suche ich mir nun wieder Bücher aus, die was kosten 😉  Vor ein paar Tagen bin ich auf  “Die Frauenburg” von Marita Spang gestoßen. Der Titel war nun nicht so überzeugend, aber die Bewertungen. Das Buch ist bei Knaur erschienen und kostet schon in der Kindle Version 6,99 Euro. Also habe ich mich getraut und war vollauf zufrieden. Es ist wirklich erstaunlich, dass es doch auch schon im 14.Jahrhundert Frauen gab – historisch belegt – die als Burgherrinnen der Männerwelt erfolgreich trotzten. Loretta von Starkenburg-Sponheim dürfte eine der interessantesten  Frauen des Mittelalters auf deutschem Boden gewesen sein. Erstaunlich, dass ich von ihr vorher noch nichts gehört hatte. Der Roman verknüpft historische Ereignisse mit Fiktion und liest sich spannend, unterhaltsam und lebendig. So müssen historische Romane sein. Eine echte Leseempfehlung meinerseits.

Das mit der Wahl eines Buches, das es nicht als Kindle unlimited Buch gibt, klappt aber nicht immer. Ich habe gerade noch einen weiteren “historischen” Roman zur Rückerstattung eingereicht, der neben seinen 5-Sterne-Bewertungen auch noch allen Ernstes von einer Germanistin und Historikern geschrieben wurde: Die Magd und die Königin – selten so einen unrealistischen Unsinn gelesen. Allerdings nur angefangen und schnell wieder zugeklappt. Lasst die Finger davon.

DWG – Aufgestört

DWG – Aufgestört

Ich habe mir fest vorgenommen, das Schreiben nicht vollständig verkümmern zu lassen. Also gestern mal wieder in das Forum der Schule des Schreibens hineingeguckt und nach den drei Wörtern für die aktuelle DWG gesucht: Bahnhofsmission, Fan, DVD – du lieber Himmel, was für eine Zusammenstellung! Dann musste ich erst einmal Recherche betreiben. Ich hatte nur eine ungenügende Vorstellung von der Bahnhofsmission. Und ich muss sagen, das war wirklich interessant. Letzten Endes habe ich viel mehr erfahren, als ich brauchte, aber das macht ja nichts. Es passt zu meinem Vorhaben, mit den Heften der Schule des Schreibens auch nochmal von vorne anzufangen. Habe ich gestern auch getan und gerade in Heft 1 (GR01) geht es um Informationsbeschaffung und Archivierung. Man braucht als Autor Inspiration und Information gleichermaßen und muss auch mal auf “Eingemachtes” zurückgreifen können. Vieles habe ich am Anfang des Studiums (zu) schnell erledigt, wofür ich mir nun mehr Zeit nehmen möchte.
Gestern habe ich im Mainzauberblog auch kurz etwas über meine Rezensionen bei Amazon geschrieben, über die ich mir immer sehr viele Gedanken mache.

Im Studienheft fand ich ein Zitat von Michael Ende, das mich aufgerüttelt hat. Er schreibt: “Mir scheint, dass jene allzu große Selbstkritik, die manche daran hindert, jemals irgendetwas fertig zu schreiben, nichts anderes ist als eine faule Ausrede, mit der sie ihre Eitelkeit oder Unfähigkeit vor sich oder anderen kaschieren. Man setzt den Anspruch an sich selbst von vornherein so hoch, dass man ihm unmöglich genügen kann, und entschuldigt damit, dass man überhaupt nichts zuwege bringt. Damit ist  man der Kritik anderer entzogen und kann obendrein noch auf weniger Anspruchsvolle herunterblicken.”

Aua, das hat gesessen, und klar, den Schuh musste ich mir doch gleich wieder anziehen. Nun ist es ja nicht so, dass ich noch nie etwas zu Ende geschrieben hätte, aber ich gebe zu, dass ich für ein neues Projekt bei mir die Latte sehr hoch ansetze. Und andere Werke entsprechend bewerte. Zumindest Letzteres sollte ich besser lassen, Ersteres vielleicht auch 😉

Jetzt aber zur DWG (Bahnhofsmission, Fan, DVD)  – diesmal  sogar ziemlich genau die 2.400 Anschläge eingehalten. Viel Spaß beim Lesen.

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Aufgestört

„Greta, mach auf, verdammt!“
Wütend schlug Sascha gegen die Tür des Zimmers, das er sich in  der Wohngemeinschaft mit seiner Freundin teilte.
„Wenn du nicht gleich kommst, bin ich weg. Deinetwegen werde ich das Spiel bestimmt nicht verpassen.“
Sascha, eingefleischter Eintracht Fan, freute sich schon seit Tagen auf das Spiel gegen Schalke, für das er zwei Karten ergattert hatte. Warum zum Henker hatte er die zweite Karte nicht gleich einem Kumpel vertickt?

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Greta saß vor dem kleinen Fernseher und schaute gebannt auf die Bilder vor ihren Augen.
„Was guckst du denn da? Verdammt, wir müssen los.“
Sein Blick fiel auf die Hülle einer  DVD, die auf dem Boden herumlag.
„Das ist doch der Bahnhof. Und was ist daran so interessant?“
Greta hatte Tränen in den Augen, als sie sich zu ihm umdrehte.
„Das ist die Bahnhofsmission“, flüsterte sie. „Siehst du die Frau da am Tisch. Das ist meine Mutter.“
„Was?“ Sascha starrte entsetzt auf die verwahrloste Frau mit den wirren, grauen Haaren, die mit ihren Händen eine Teetasse umklammerte. Verstört ließ er sich neben Greta auf den Boden fallen.
„Aber wieso … hast du nicht gesagt, sie würde irgendwo auf Ibiza leben? Und wie kommst du überhaupt an diese DVD?“
Die Aufzeichnung begann zu rauschen, Greta drückte auf die Fernbedienung.

„Tobias hat mir das vorhin in die Hand gedrückt, samt Player. Und weißt du, was er gesagt hat? Wie die Mutter, so die Tochter.“ Greta machte nun keinen Versuch mehr, ihre Tränen zurückzuhalten.
„Dieser Scheißkerl!“ Sascha ballte die Fäuste.  Seitdem sich Greta von Tobias getrennt hatte, wurde sie unentwegt von ihrem Ex gemobbt. In der Firma, in der sie früher gejobbt hatte, hatte man ihr wegen seiner üblen Nachrede bereits gekündigt.  Aber das hier? Sascha runzelte die Stirn.
„Ist das wirklich deine Mutter? Wie kommt der Kerl zu diesen Bildern?“
„Ich habe keine Ahnung. Aber unsere Familien waren früher befreundet, bevor Papa …. Er muss sie zufällig gesehen und erkannt haben.“

Greta wischte sich wütend die Tränen aus den Augen, während die schwarze Mascara in kleinen Rinnsalen bis zum Kinn lief.
„Und jetzt verschwinde zu deinem Scheißfußballspiel. Ich will keinen von euch Kerlen mehr sehen.“
Sascha starrte sie einen Augenblick ratlos an, bevor er sich den Fanschal  vom Hals wickelte und Greta fest in die Arme nahm.
„Kommt gar nicht in Frage. Das Spiel kann ich mir auch noch später in der Sportschau ansehen.“

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Bildquelle: https://unsplash.com/@grohsfabian