Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Mal wieder in die WordPress Daily Prompts reingeschaut. Gestern hieß der Begriff „conversant“. Das musste ich erst einmal nachschlagen.  Es bedeutet vertraut, erfahren, bekannt. Eine spannende Vorgabe, die bei mir sofort jede Menge Assoziationen freigesetzt hat. Beispielsweise den Spruch:

Was der Bauer nicht kennt, (fr)-isst er nicht.

Kaum eine andere Redewendung macht uns so deutlich, wie wichtig Vertrautes für uns Menschen ist. Und vermutlich auch für die meisten anderen Lebewesen. Vertrautes bedeutet Sicherheit. Entweder weil man weiß, dass man nichts zu befürchten hat, oder weil man gelernt hat, mit einer bereits einmal erfahrenen gefährlichen Situation umzugehen. Der Urzeitmensch, der noch nie zuvor einem Mammut gegenüberstand, musste ganz sicher gegen maßlose Angst ankämpfen, egal mit wie vielen Jagdgefährten er unterwegs war. Beim zweiten Mal war es kaum ungefährlicher, aber er hatte inzwischen gelernt, dass man das Tier erlegen konnte. Wenn der moderne Mensch heute fastet, weil er längst keine Angst mehr haben muss zu verhungern, wenn er sein Mammut nicht erlegt, sondern sich viel eher mit Übergewicht herumschlägt, dann wird er trotzdem dieses merkwürdige Gefühl kennen, wenn er zum ersten Mal vor der Herausforderung steht, ein paar Tage ohne Nahrung auszukommen. Im nächsten Jahr weiß er, dass es funktioniert.

Auf der politischen Ebene erleben wir ständig diese Angst vor dem  Unbekannten, gepaart mit der Angst etwas abgeben zu müssen. Wie sonst wäre der grassierende Populismus, wie die AfD zu erklären? Der deutsche Michel will keinen Syrer als Wohnungsnachbarn, aber er liebt längst seinen Griechen oder Italiener um die Ecke. Der deutsche Tourist, der im Urlaub sein Jägerschnitzel auf dem Teller braucht, ist zwar Klischee aber dennoch wahr.

Vertrauen erreicht man aber nur über Erfahrung. Dazu muss man sich auch mal etwas zutrauen. Klar, das kann auch schiefgehen. Aber ohne das Ausprobieren von etwas Neuem können wir uns nicht weiterentwickeln. Da macht es Sinn, mal kleine Kinder zu beobachten. Sie probieren sich ständig aus. Und sind unendlich stolz, wenn endlich etwas funktioniert, was gerade noch furchtbar schwierig erschien.

„Wer Vertrauen hat, erlebt jeden Tag Wunder.“ Peter Rosegger (1843 – 1918)

Seltsamerweise gibt es aber bei uns mehr Sprichwörter, in denen Vertrauen negativ besetzt ist, als solche, die das Postive am Vertrauen herausstellen.

My way – neu und auch wieder nicht

My way – neu und auch wieder nicht

Was mach ich nur mit diesem Blog, oder anders gefragt, wo will ich eigentlich noch hin? Als ich das letzte Mal diese schriftstellerische Schaffenskrise hatte, habe ich den vorherigen Autorenblog einfach gelöscht. Im Nachhinein fand ich die Idee nicht mehr ganz so super, weil ich doch etliche Texte eingebüßt habe, die ich gerne behalten hätte. Das wieder zu tun, ist also keine Option. Dennoch bin ich seit einiger Zeit wieder an diesem Punkt, an dem ich daran zweifle, dass mir das Schreiben von Büchern so furchtbar wichtig ist. Wenn ich bei Anderen lese, dass sie fürs Schreiben brennen, muss ich zugeben, dass das bei mir nicht so ist. Wenn ich für etwas “brenne”, dann eher fürs Fotografieren und ganz generell dafür, mich auszuprobieren und meine Erfahrungen zu teilen.

Ich hatte gerade wieder eine Einladung zu einer Lesung und habe abgelehnt. Ich fühle mich einfach nicht als “Autorin”. Es ist mir eine zu gewichtige Bezeichnung. Wenn ich Lust habe zu schreiben, dann schreibe ich. Wenn nicht, dann eben nicht. Ich werde im April fünfundsechzig, Rentenalter also, wobei das schon seit einigen Jahren keine Rolle mehr für mich spielt. Aber ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen. Das ist es, was ich gerne lernen möchte. Nur noch Dinge tun, die mir wichtig sind (und anderen nicht schaden.). Es ist doch ein Geschenk, wenn man nichts mehr “muss”, sondern stattdessen “darf”. Das gilt auch für Kontakte, beispielsweise im Internet. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zum Beispiel auf Facebook heimisch gefühlt habe. Erst habe ich mir dort “Freunde” sehr sorgfältig ausgesucht, aber plötzlich immer mehr und schneller irgendwelchen Freundschaftsanfragen zugestimmt. Inzwischen habe ich in meiner immer noch bescheidenen Freundesliste aber längst Leute, deren Namen mir eigentlich gar nichts sagen.  Ein Unding. Und ich bin in Gruppen, die ich vom Thema her interessant finde, in denen aber Leute den Ton angeben, deren Meinungen mir im Grunde gegen den Strich gehen. Das muss sich wieder ändern. Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich meinen Facebook-Account nicht wieder lösche. Von Instagram und Pinterest etc. gar nicht zu reden. Das sind alles Zeitfresser. Und je älter ich werde, um so weniger habe ich davon. Also sollte ich meine Zeit sinnvoll nutzen.

Um auf den Blog zurückzukommen. Ich werde ihn diesmal behalten, aber einfach als “ElkeHeinze”-Blog weiterführen. An der URL muss ich ja glücklicherweise nichts verändern 👍. Fürs erste habe ich ihm mal wieder ein neues Aussehen gegeben und ihn etwas umgestrickt. Und dann wird es hier halt alles geben, was mich gerade beschäftigt und nicht so ganz in den Mainzauber-Blog passt. Es gibt so viel, was mich früher mal beschäftigt und interessiert hat, und das ich wieder aus der Versenkung holen kann. Auch weil es vielleicht für andere Menschen interessant sein könnte. Allein die vielen Themen aus dem Bereich Gesundheit und Ernährung. Ich war Zahnärztin, Heilpraktikerin, Gesundheitsberaterin, Reiki-Meisterin  … Nun ist die zertifizierte Autorin hinzugekommen. Ich glaube, ich sammle Zertifikate wie andere Frauen Schuhe . Es gibt Themen ohne Ende, über die ich schreiben kann. Es müssen also nicht immer Krimis sein.

Und warum steht da oben nun “My way”? Anstoß war irgendwie das neue Weight Watchers Programm, das sich “Your way” nennt. Ich habe zum ersten Mal einen mentalen (?) Zugang auch zur WW-Online Community bekommen. Bislang konnte ich mit der Onlinepräsentation von Weight Watchers nie etwas anfangen. Das hat sich geändert, weil dort inzwischen viele Leute ganz lustige und motivierende Sachen posten, aber auch jede Menge Missmut verbreiten. In der kurzen Zeit, die ich dort jetzt dabei bin, ist mir aufgefallen, wie viele Teilnehmer nur über das neue Programm meckern und dabei erkennen lassen, dass sie sich überhaupt nicht mit gesunder Ernährung beschäftigen wollen. Da sollen nur die Kilos möglichst über Nacht verschwinden, aber bitte ohne Sport und eigentlich will ich doch einfach wie immer essen und hinterher soll meine Krankenkasse auch noch die Bauchstraffung bezahlen. Das und andere Erlebnisse unreflektierten Anspruchdenkens gaben mir in letzter Zeit einige Anstöße zum Grübeln. Und ich denke immer noch … My way? Habe ich einen? Und wenn ja, wohin soll er mich noch führen? Erstmal weg von allem, was mir nicht gut tut. Was mir gut tut, wird sich hoffentlich finden und diesen Blog füllen.

Ups, das war nun eine Menge Text. Ich mach hier erst einmal Schluss. Sicher möchte auch schon jemand wissen, wie es für mich bei Weight Watchers so läuft. Dazu kommen wir ein anderes Mal. Vorab nur so viel: Ich bin ganz zufrieden .

DWG – Mit Frack & Brille

DWG – Mit Frack & Brille

Und schon wieder eine Minigeschichte aus der Serie “Drei-Wort-Geschichten” mit ~2.400 Zeichen. Die Vorgaben Antarktis, Honig und Gärtner(in) fand ich einigermaßen schwierig, und im Forum der Schule des Schreibens ging die Tendenz in Richtung Sci-Fi oder Krimi. Deshalb wollte ich unbedingt etwas anderes schreiben. Also habe ich mich mal an einer (Sach-)Geschichte für Kinder versucht.
Viel Spaß beim Lesen.

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Mit Frack und Brille

Elsa stand der Schweiß auf der Stirn. Sie war gerne mit ihrem Enkel im Kronberger Zoo unterwegs, aber das Auf und Ab in der Julihitze war heute eindeutig zu viel des Guten. Hier oben bei den Apfelbäumen hatten sie immerhin den höchsten Punkt des Geländes erreicht.
„Kommt hier überhaupt noch was, Oma? Apfelbäume finde ich echt langweilig.”
„Klar. Schau mal da vorn. Siehst du das Insektenhotel und die Bienenstöcke? Hier gibt es gleich eine Honigverkostung. Heute sind die Imker da.“
„Ach, Oma, ich will aber lieber ein Eis“, maulte Sascha. Geduld war eindeutig nicht seine Stärke. Zu oft hatten sie heute schon an den großen Gehegen gestanden und vergebens nach den Tieren Ausschau gehalten, die sich lieber in den Schatten verzogen hatten.
„Und außerdem hast du mir versprochen, dass wir noch zu den Pinguinen gehen.“
Auch Elsa fand die Aussicht auf ein Eis und Besuch bei den Pinguinen verlockend. Vielleicht konnte sie sich dabei zur Abkühlung gedanklich ein bisschen in die Arktis versetzen. Oder leben Pinguine in der Antarktis? Wie war das nochmal? Zu dumm, dass sie sich nicht schlaugemacht hatte. Wenn sie Pech hatte, würde Sascha es genau wissen wollen.

Von den Apfelbäumen ging es zügig abwärts. Auch die Roten Pandas waren nicht zu entdecken und Sascha grinste erst wieder über das ganze Gesicht, als sie die Eisbude erreichten. Mit zwei großen Eistüten folgten sie dem Rundgang, bis das Becken mit den Brillenpinguinen in Sichtweite kam. Schon von weitem konnten sie sehen, dass die ganze Pinguinfamilie im Wasser unterwegs war. Offenbar hatten sie vor den Gärtnern, die nebenan das Freigehege säuberten, die Flucht ergriffen.
„Oma, wieso heißen die eigentlich Brillenpinguine?“
„Tja, ich denke mal, das ist wegen der Fellzeichnung rund um die Augen.“ Hm, hieß das bei Pinguinen überhaupt Fellzeichnung? Während Elsa noch grübelte, kam es, wie es kommen musste.
„Oma, leben die eigentlich am Nordpol oder am Südpol?“
Elsa trat erneut der Schweiß auf die Stirn. Einer der Tierpfleger, der direkt neben ihnen stand, erkannte ihr Dilemma und kam ihr mit einer Antwort zuvor.
„Weder noch, junger Mann. Die leben in Afrika.“
Sascha verdrehte die Augen. „So ein Quatsch. In Afrika leben Löwen und Elefanten, aber keine Pinguine. Das weiß doch jedes Baby.“
Aber Elsa hatte bereits ihre Lesebrille auf der Nase und studierte das kleine Schild am Becken.
„Du das stimmt! Der Mann hat recht. Brillenpinguine sind tatsächlich die einzigen Pinguine, die an Afrikas Küsten leben.“
Doch Sascha hatte seine Frage schon vergessen und drückte sich die Nase an der Glasscheibe des großen Beckens platt.

Soweit die Geschichte. Für junge Leser – obwohl ihr es vermutlich besser wisst als Oma Elsa: Die meisten Pinguine leben in der Antarktis. Die Arktis ist dagegen das Reich der Eisbären. Brillenpinguine leben aber tatsächlich an den Küsten Südafrikas. Das Federkleid der Pinguine – es sind ja Vögel, keine Säugetiere – wirkt fast haarähnlich, weshalb Oma Elsa auf die Idee mit der Fellzeichnung kam. Brillenpinguine haben am Kopf nackte Haut mit einer schwarz-weißen Färbung und einem rosa Fleck rund um das Auge. Daher der Name.

 

Daily prompts – Inspiration durch WordPress

Daily prompts – Inspiration durch WordPress

Früher war ich regelmäßig auf der WordPress.com Seite mit den Daily prompts – Anregungen zum Schreiben – unterwegs. Habe ich gerade mal wieder aufgegriffen. Das heutige Wort heißt: bewildert (engl.), also verwirrt, verblüfft. Es hat mich so kurz vor Mitternacht noch zu einem Minigedicht inspiriert. Vielleicht sollte ich die Daily Prompts mal wieder aufgreifen. Eine ähnliche Seite hat mir gestern zur aktuellen DWG verholfen, zu der mir erst gar nichts einfallen wollte.

Spiegelbild

Ich schau in den Spiegel.
Seh ich mein ICH?
Ich sehe Verwirrung.
So alt schon?
Nicht ich.

Und hier die DWG mit den drei vorgegebenen Wörtern: Quarantäne, Caddie und Implantat. Schreckliche Vorgaben – oder? Und natürlich die Sache mit den 2.400 Zeichen.

Havana

Die Gänge des Krankenhauses erschienen ihr endlos. Eigentlich hatte sie es sich schon lange angewöhnt, Anrufer, die sich nicht mit ihrem Namen meldeten, sofort wieder wegzudrücken. Doch diesmal hatte sie es nicht verhindern können, dass sie der seltsam näselnden Stimme zuhörte.
“Helfen Sie Ihrem Mann. Fahren Sie zum St. Vincent Hospital.“

Wieso hatte Sie das Gespräch angenommen? Für den Bruchteil einer Sekunde sah sie ihr Handy wieder vor sich und es durchzuckte sie wie ein elektrischer Schlag: Natürlich, das Display hatte Ralfs Nummer und Profilfoto angezeigt. Das Englisch hatte holprig geklungen, die Stimme war eindeutig verstellt mit spanischem Akzent. Ralf hatte sich drei Stunden zuvor zum Golfplatz aufgemacht. Der exklusive Club war nur Mitgliedern zugänglich. Aber ihr Ehemann hatte am Abend zuvor die Bekanntschaft eines einheimischen Chirurgen gemacht. Roberto hatte dem Kollegen nach einigen Runden Havana Mojito angeboten, ihn am nächsten Tag als Caddie einzuschleusen.

Wo zum Teufel waren hier die Ärzte, Pfleger, Angestellten? Die Rezeption des St.Vincent war unbesetzt. Irgendetwas stimmte hier nicht. Schon der Taxifahrer hatte sie so merkwürdig angesehen, als sie ihr Fahrtziel genannt.
„St. Vincent Hospital? You’re sure, Lady?“
Ja, sie war sich sicher gewesen. Dass der Bau von außen so marode aussah, war auf Kuba nicht ungewöhnlich. Jetzt wurde ihr schlagartig klar, dass dieses Krankenhaus völlig verlassen war. Sabrina ließ sich auf einen der alten Stühle fallen, die entlang der Wände standen, von denen die grüne Farbe abblätterte. Ihr brach der Schweiß aus. Sabrina holte ihr Handy aus der Umhängetasche. Vielleicht war das alles nur ein saudummer Scherz! Ja, ganz sicher hatten sich Ralf und Roberto nur einen Scherz auf ihre Kosten geleistet. Sie wurde wütend und tippte Ralfs Kurzwahlnummer ins Handy. Sie hörte das Klingel aus einem Raum schräg gegenüber. Sabrina sprang auf und prallte gegen die geschlossene Tür. Das leicht verrostete Schild war auch für sie verständlich: Stop! Quarantänestation – kein Zutritt. Das Handy klingelte nicht mehr. Dafür öffnete sich plötzlich die Tür. Sabrina sah in einen OP-Saal. Ralf im grünen OP-Kittel beugte sich gerade über … sie?

„He, Schatz, was ist los, Liebling?“ Jemand rüttelte an ihrer Schulter. „Hast du schlecht geträumt?“
„Oh Gott, Ralf.“ Sabrina war schweißgebadet. Unwillkürlich tastete sie nach den neuen Brustimplantaten. Alles gut. Nur ein Albtraum. Endlich hatte sie die perfekte Bikinifigur und sich den Urlaub redlich verdient.

Danke an Jon Butterworth bzw. Unsplash für das Foto: https://unsplash.com/@jonjons

Kein Winter, wenig Inspiration (Kleine DWG)

Kein Winter, wenig Inspiration (Kleine DWG)

Komisch ist das schon: Es gibt sicher reichlich Autoren, die um diese Jahreszeit schreiben können, was das Zeug hält. An sich logisch, denn man hat ja kaum mal eine Ablenkung durch schönes Wetter. Bei mir ist das anders. Mir schlägt das Dauergrau, das uns jetzt schon seit Dezember verfolgt, aufs Gemüt. Sobald sich mal die Sonne ansatzweise blicken lässt, bin ich draußen. Und am Schreibtisch mag ich einfach nicht sitzen. Dafür lese ich im Moment wieder sehr viel. Da kommen mir dann zwar Ideen, aber die Muse küsst mich dennoch nicht. Also habe ich der Webseite mal wieder ein neues Erscheinungsbild verpasst, ein winterliches, das im Grunde so gar nicht dem Blick aus dem Fenster entspricht. Im Garten blüht es bereits wie wild: Schneeglöckchen, Lenzrosen, die Zaubernuss, ein Schneeballstrauch … geradezu unglaublich. Und natürlich lasse ich mich auch gerne von den kleinen Geflügelten vor dem Fenster ablenken. An den Futterstellen ist immer was los. Ich schätze, ich weiß momentan auch nicht, ob ich weiter Krimis schreiben oder mit der Dystopie weitermachen soll … oder etwas ganz anderes. Ich werde mich heute mal wenigstens an die nächste kleine Drei-Wort-Geschichte machen. Die letzte fand ich selbst nicht so gelungen. Einigen Leuten hat sie aber doch gefallen, deshalb – bitteschön – stelle ich sie hier mal rein.

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Eingeölt und angeschmiert (Werkstatt, Praktikantin, Zeitung)

In der Autowerkstatt sah es aus, als müsse jeden Moment einer der Monteure unter einem Wagen hervorrollen. Werkzeuge lagen auf dem Boden, ein SUV stand aufgebockt über einer Grube. Im angrenzenden Büro klingelte das Telefon.
„Entschuldigung“, Frau Bernau sah Kommissarin Rimbach nervös an. „Ich …“
„Lassen Sie es klingeln. Sie sollten mir einige Fragen beantworten. Können wir uns irgendwo setzen?“

Auto-Bernau befand sich am Ortsrand von Maibach. Im angrenzenden Wäldchen hatte am frühen Morgen ein Spaziergänger die Leiche der siebzehnjährigen Praktikantin Isabel Reichert entdeckt.
Frau Bernau deutet auf eine kleine Sitzgruppe außerhalb der Werkstatt. „Hier bitte.“ Hektisch räumte sie einige herumliegende Zeitungen zur Seite.

„Wo könnte sich Ihr Mann aufhalten, Frau Bernau? Ist es normal, dass er verschwindet, ohne Ihnen eine Nachricht zu hinterlassen?“
Die Frau schüttelte den Kopf. „Nein, überhaupt nicht. Wir führen eine gute Ehe, müssen sie wissen. Peter – es muss ihm etwas passiert sein.“
Kommissarin Rimbach verzog kurz das Gesicht. Wie oft hatte sie diesen Satz schon gehört.
„Wäre das nicht ein Zufall zu viel? Ihre Praktikantin wird ermordet und dann soll auch Ihrem Mann etwas passiert sein? Wie stand denn ihr Mann zu Isabel Reichert?“
Für einen Moment blitzte ein zorniges Funkeln in Frau Bernaus Augen auf, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Was heißt, wie stand er zu Isabel? Sie war Praktikantin, sonst nichts.”
„Und Sie selbst? Einer Ihrer Monteure hat erzählt, Sie hätten sich gestern Abend mit Frau Reichert gestritten.“
„Blödsinn! Das heißt, ja, wir hatten eine kleine Auseinandersetzung , weil das Flittchen immer wieder zu spät kam.“ Die Frau knetete nervös ihre Finger. Kein Ehering, stellte Rimbach fest. Aber schwarze Ränder unter einigen Fingernägeln.
„Das Flittchen?“
Frau Bernau lief rot an. „Na, war doch so. Sie machte allen Männern schöne Augen.“
„Frau Rimbach!“ Aus der Halle kam ein Polizeibeamter auf die beiden Frauen zugelaufen. „Kommen Sie mal. Das müssen Sie sich ansehen.“

Unter dem SUV zwängten sich zwei Männer der Spusi aus der Grube, die weißen Anzüge voller Motorenöl.
„Da unten liegt einer“, bemerkte der Ältere der beiden. „Sieht ganz nach Bernau aus. Und schaun Sie mal.“ Er reichte der Kommissarin einen ölverschmierten Ehering.
Rimbach hörte einen halbunterdrückten Aufschrei und sah Frau Bernau davonlaufen.
„Dachte ich es mir doch. Los, hinterher, festnehmen!“

Jahresrückblick-Virus

Jahresrückblick-Virus

Der Jahresrückblick-Virus hat auch mich erwischt. An sich ist sowas für Bullet Journal Schreiberinnen sowieso Pflicht, aber mein BuJo habe ich in der zweiten Jahreshälfte ziemlich vernachlässigt. Es muss also andere Gründe haben, warum ich mich nun doch fast gezwungen sehe, mich mit einem Jahresrückblick zu befassen. Aber keine Sorge, das mache ich nicht hier, sondern doch lieber im stillen Kämmerlein und in meinem Bullet Journal. Es ist zumindest interessant zu sehen, dass dieses Jahr 2017 von mir insgesamt die Wertung “gut bis ganz okay” bekommen muss. Mein “Jahr in Pixeln” habe ich nämlich tatsächlich konsequent durchgehalten. Die dunklen Kästchen für schlechte Tage sind nur wenige, die leuchtend gelben allerdings genauso. Dennoch: Vom Gefühl her hätte ich mit mehr dunklen Kästchen gerechnet. Das bedeutet, dass ich wie sooft die eher schlechten Zeiten stärker in Erinnerung behalte als die guten. Und dass ich daran arbeiten sollte, dass das neue Jahr mehr Highlights bekommt.

Deshalb werde ich mit dem Bullet Journaling auch weitermachen. Das erste Halbjahr 2017 habe ich noch im Filofax sehr schön und mit viel Hingabe notiert, mit dem Umzug in den Leuchtturm wurde es dann spartanischer. Das hat aber nichts mit dem Notizbuch an sich zu tun, denke ich. Ich werde auch im neuen Jahr am gebundenen Notizbuch festhalten. Ich weiß, dass ich das aufheben werde, die Blätter aus dem Ringbuch werden irgendwann entsorgt werden. Ist seltsam, aber ein Ringbuch stelle ich mir einfach nicht in das Bücherregal. Trotzdem ist das Filofax nicht überflüssig geworden. Ich benutze es noch immer für die Dinge, die sich nicht verändern oder lose Kleinigkeiten wie Briefmarken. Obwohl ich auch in mein Ledercover für den Leuchtturm Klarsichthüllen einfügen kann, ist mir das Ringbuch da bislang noch immer praktischer.

Was bringt mir das Bullet Journaling nun am Jahresende tatsächlich? Ich finde den Rückblick spannend. Seit gestern gehe ich die einzelnen Monate noch einmal durch und mach mir so meine Gedanken über alles, was passiert ist und wofür ich mich interessiert habe. Ich habe auch ganz praktische Sachen notiert wie den Tag, an dem wir unseren Corsa bekommen haben oder die neue Spülmaschine fällig war. Und natürlich meine Gedanken zu den Menschen, die ich kannte und die 2017 gehen mussten. Miss Lu, Minibar-Bärbel und dann Blechi – alle drei innerhalb weniger Wochen. Das war ein trauriger Jahresbeginn. Aber auch meine Bücher kommen nicht zu kurz, meine Lesung im September, unser Urlaub – leider nur der eine kurze in Andalusien – und vieles mehr. Ziemlich konsequent habe ich das Wetter notiert. Da der Inhalt meiner Bea Baumann Krimis sehr zeitbezogen ist, kann ich immer gut nachschlagen und mich rückversichern, wie das Wetter in einem bestimmten Zeitraum tatsächlich war. Ich weiß ja inzwischen, dass es immer Leser gibt, die auch den kleinsten Irrtum aufdecken 🙁

In diesem Sinne werde ich das Bullet Journal auch im Jahr 2018 weiterführen, manches verändern, anderes beibehalten, aber es ist ein treuer Begleiter durch das Jahr und es macht Spaß, nach Wochen, Monaten und sicher auch nach Jahren wieder reinzuschaun. In meinem aktuellen Jahresrückblick habe ich mir ein paar Seiten aus dem Filofax in den Leuchtturm übertragen und entsprechende Zusammenfassungen geschrieben, so dass die erste Jahreshälfte 2017 nicht verloren geht.

Nun bleibt mir noch eins: Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs und meiner Bücher und den Anderen*** (am 08.11.2017 hat das Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass es neben Mann und Frau auch ein drittes Geschlecht gibt) einen schönen Jahresausklang und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018.

*** Das mit den Anderen muss noch diskutiert werden. Wie soll die Anredeformel denn in Zukunft bitte lauten?

Gerade eben, kurz vor siebzehn Uhr. Heute war es sehr warm und auch sehr hell. Da konnte man fast schon an Frühling denken. Ist natürlich Unsinn, der Winter kommt bestimmt noch.