Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Mal wieder in die WordPress Daily Prompts reingeschaut. Gestern hieß der Begriff „conversant“. Das musste ich erst einmal nachschlagen.  Es bedeutet vertraut, erfahren, bekannt. Eine spannende Vorgabe, die bei mir sofort jede Menge Assoziationen freigesetzt hat. Beispielsweise den Spruch:

Was der Bauer nicht kennt, (fr)-isst er nicht.

Kaum eine andere Redewendung macht uns so deutlich, wie wichtig Vertrautes für uns Menschen ist. Und vermutlich auch für die meisten anderen Lebewesen. Vertrautes bedeutet Sicherheit. Entweder weil man weiß, dass man nichts zu befürchten hat, oder weil man gelernt hat, mit einer bereits einmal erfahrenen gefährlichen Situation umzugehen. Der Urzeitmensch, der noch nie zuvor einem Mammut gegenüberstand, musste ganz sicher gegen maßlose Angst ankämpfen, egal mit wie vielen Jagdgefährten er unterwegs war. Beim zweiten Mal war es kaum ungefährlicher, aber er hatte inzwischen gelernt, dass man das Tier erlegen konnte. Wenn der moderne Mensch heute fastet, weil er längst keine Angst mehr haben muss zu verhungern, wenn er sein Mammut nicht erlegt, sondern sich viel eher mit Übergewicht herumschlägt, dann wird er trotzdem dieses merkwürdige Gefühl kennen, wenn er zum ersten Mal vor der Herausforderung steht, ein paar Tage ohne Nahrung auszukommen. Im nächsten Jahr weiß er, dass es funktioniert.

Auf der politischen Ebene erleben wir ständig diese Angst vor dem  Unbekannten, gepaart mit der Angst etwas abgeben zu müssen. Wie sonst wäre der grassierende Populismus, wie die AfD zu erklären? Der deutsche Michel will keinen Syrer als Wohnungsnachbarn, aber er liebt längst seinen Griechen oder Italiener um die Ecke. Der deutsche Tourist, der im Urlaub sein Jägerschnitzel auf dem Teller braucht, ist zwar Klischee aber dennoch wahr.

Vertrauen erreicht man aber nur über Erfahrung. Dazu muss man sich auch mal etwas zutrauen. Klar, das kann auch schiefgehen. Aber ohne das Ausprobieren von etwas Neuem können wir uns nicht weiterentwickeln. Da macht es Sinn, mal kleine Kinder zu beobachten. Sie probieren sich ständig aus. Und sind unendlich stolz, wenn endlich etwas funktioniert, was gerade noch furchtbar schwierig erschien.

„Wer Vertrauen hat, erlebt jeden Tag Wunder.“ Peter Rosegger (1843 – 1918)

Seltsamerweise gibt es aber bei uns mehr Sprichwörter, in denen Vertrauen negativ besetzt ist, als solche, die das Postive am Vertrauen herausstellen.