Welchen Anspruch habe ich an das, was ich schreibe?

Welchen Anspruch habe ich an das, was ich schreibe?

Dieser Beitrag wurde einfach mal nötig. Dass ich ihn heute schreibe, liegt an einer Diskussion – wenn man das überhaupt so nennen will – die gestern in einer Facebookgruppe geführt wurde. Dass die Gruppe auf den ironischen Namen hört „Es wird gelesen, was auf den Tisch kommt“, finde ich in diesem Zusammenhang fast schon bezeichnend. Ausgangspunkt war der Artikel einer anderen Bloggerin über die Akzeptanz und Wertschätzung des Selfpublishings. Ich will mich darüber hier nicht weiter auslassen. Facebook ist halt Facebook. Wobei das keine Geringschätzung dieser Gruppe an sich sein soll. Ich fand direkt unter dem angesprochenen Beitrag einen anderen, den ich ausgesprochen lesenswert fand. So weit, so Facebook.

Im Prinzip prallten in dieser Diskussion die immer wieder gleichen Argumente aufeinander, die man folgendermaßen umschreiben kann: Wie professionell sollte ein von einem Selfpublisher verfasstes Buch sein? Kann es mit einem Buch mithalten, das einen Verlag mit Lektorat und Korrektorat hinter sich hat? Zum Beispiel werden immer wieder endlose Diskussionen geführt, ob man ein Buch ohne Lektorat überhaupt veröffentlichen darf, oder ob es notwendigerweise eines professionellen Designers für das Buchcover bedarf usw.

Ich selbst habe mit meinem ersten Krimi (Mord in der Schwanheimer Düne) die unangenehme Erfahrung gemacht, dass sich eine Lektorin aus sehr persönlichen Gründen die Mühe machte, mir sämtliche Grammatik- und Rechtschreibfehler aufs Butterbrot zu schmieren. Das war ausgesprochen peinlich und Anlass genug, dass ich mir vornahm, beim nächsten Buch sorgfältiger vorzugehen (und habe eine zweite Auflage mit den entsprechenden Korrekturen herausgegeben). Inzwischen weiß ich, dass es gerade auf Amazon jede Menge Leute gibt, die Bücher offenbar nur dann rezensieren, wenn sie über solche Fehler herziehen können. Der Inhalt gerät dabei völlig ins Hintertreffen.

Ich selbst lege als Leser mehr Wert auf den Inhalt und – jetzt kommt das Problem – auf Schreibstil, Logik und korrekte Hintergrundinformationen, (wenn diese in der Geschichte eine Rolle spielen). Wenn ein Buch in miserablem Deutsch verfasst ist – das gibt es reichlich – schreckt mich das allerdings auch ab. Ich vermute, die kritische Beurteilung von eigenen und fremden Texten kann nicht ausbleiben, wenn man einmal ein Fernstudium an der Schule des Schreibens absolviert hat. Es wäre traurig, wenn diese zweieinhalb Jahre so gar nichts bewirkt hätten. Das bedeutet aber auch, dass ich heute so manches Buch nach den ersten Seiten wieder zuklappe, wenn ich merke, dass der /die VerfasserIn herzlich wenig Ahnung vom Schreiben hat. Veröffentlichen kann heute fast jeder alles. Was mit Books on demand seinen Anfang nahm, hat sich inzwischen vor allem durch Amazon zu einer Lawine ausgewachsen. Hier findet jeder Topf sein Deckelchen, und bei bestimmten Genres wird vom größten Teil der Leser vermutlich nicht auf solche Nebensächlichkeiten wie Rechtschreibung und vernünftige Story geguckt. Ich nehme an, ich muss die entsprechenden Kategorien nicht beim Namen nennen. Aber leider gibt es auch viele Bücher, die auf Anhieb mehr als seichte Unterhaltung anzubieten scheinen und dann nicht nur vom Inhalt her enttäuschen. Und die gibt es bei Selfpublishern öfter als bei Verlagsbüchern. Was schon an der schieren Menge des Angebots liegt. Als Schnell- und Querleser mache ich mir ab und zu den Spaß und lade mir willkürlich Bücher aus Kindle unlimited auf meinen Reader. Es ist teilweise erschreckend, was man da vorfindet.

Immer wieder liest man in Foren und Facebookgruppen „aber das (langweilige Story, Rechtschreibfehler etc.) gibt es bei Verlagsbüchern doch auch“. Ja, gibt es. Aber es hat schon seinen Grund, warum es so schwer ist, eine Verlagsveröffentlichung zu bekommen. Schon die Suche nach einem Agenten, der sich dann auf die Suche nach dem passenden Verlag macht, ist nicht einfach. Die sind nämlich entweder selbst Lektoren oder beschäftigen solche.

Ich vermute, dass die Diskussion um die Wertschätzung oder eben Geringschätzung von Selfpublishern so bald nicht enden wird. Jeder Autor, der seine Bücher selbst verlegt, stellt sich der öffentlichen Kritik und wird sich zwangsläufig mit Verlagsautoren vergleichen lassen müssen. Ist es da nicht sinnvoll, dass man sich bemüht, sein Bestes beim Schreiben zu geben? Letzten Endes kann man nur darauf vertrauen, dass sich Qualität durchsetzt. Ein Problem haben wir Selfpublisher aber sicher: Man geht schnell in der Masse unter, wenn man nicht die Werbetrommel für die eigenen Bücher schlägt. Dieser ganze Apparat, den Verlage auffahren können (sie tun es nicht immer), steht uns leider nicht zur Verfügung.

Was mache ich nun selbst? Noch habe ich aus finanziellen Gründen auf Lektorat oder Coverdesigner verzichtet. Meine Bücher schreibe ich inzwischen mit Papyrus Autor, einem Schreibprogramm, das viele Fehler erkennt, wenn auch nicht alle. Oft lese ich, dass es ein sauteures Programm sei. Im Vergleich zu einem professionellen Lektorat ist es das nicht (derzeit 179 Euro / 149 Euro für Schüler und Studenten). Es ist ein umfangreiches und mächtiges Schreibprogramm. Einige Leute wird vermutlich die Einarbeitungszeit abschrecken, aber es lohnt sich. Trotz des Belletristikstudiums an der Schule des Schreibens lese ich auch nach wie vor Schreibratgeber, die mir aus den unterschiedlichsten Gründen sinnvoll erscheinen. Man lernt nie aus. Und ich lasse mir Zeit. Seitdem ich an meinem dystopischen Roman schreibe (Arbeitstitel „Ne umquam desiveris), hatte ich immer wieder Aha-Momente, in denen ich neue Erkenntnisse gewonnen habe, von denen der Roman hoffentlich profitieren wird. Dieser heiße Sommer 2018 mit seinen Problemen gehört ebenfalls dazu.

Auch das Coverdesign wird immer wieder diskutiert. Das ist sicher ein Problem, weil heute die Verlagsbücher oft beeindruckend aussehen. Diese Oberflächenveredelungen der Einbände, die oft noch einen haptischen Genuss vermitteln, kann mir ein Amazonpaperback nicht bieten. Ich bin auch kein Designer, obwohl ich mit Photoshop & Co ganz gut kann. Aber ist das ausschlaggebend? Ich rate jedem jungen Autor ohne viel Geld im Portemonnaie dazu, lieber auf den Inhalt als aufs Cover zu achten. Machen wir uns einen Namen, indem wir gute Bücher schreiben. Wenn die ihr Publikum finden, dann kann man sich vielleicht irgendwann den Coverdesigner leisten. Bevor ihr allerdings selbst irgendwelche Strichmännchen malt, nehmt lieber ein einfaches Cover mit einem Titel in einer ausgefallenen Schrift und – fertig!

Nachtrag: Ich gebe zu, im Eifer des Gefechts habe ich tatsächlich das Thema etwas verfehlt. Man hat mich darauf aufmerksam gemacht und deshalb möchte ich hier noch eines anfügen: Alle Punkte, die ich hier angesprochen habe, wie sorgfältiges Arbeiten, Beachten von Logik in einer Geschichte, gründliche Recherche, Rechtschreibfehler möglichst vermeiden  und vor allen Dingen ein guter Inhalt, das sind alles Punkte, die ich selbstverständlich auch an meine eigenen Geschichten und Bücher stelle. Dafür, dass es in diesen Beitrag mit dem sorgfältigen Arbeiten nicht so ganz funktioniert hat, möchte ich mich entschuldigen.

Für das Coverfoto: Danke an Unsplash und Jaz King

 

 

 

 

Über Emanzipation und Freiräume beim Schreiben

Über Emanzipation und Freiräume beim Schreiben

Ich habe mir ein Abonnement der Magazine Federwelt und Der Selfpublisher gegönnt. Beide erscheinen im Uschtrin-Verlag, den ich schon länger kenne. Bevor ich das Studium an der Schule des Schreibens aufgenommen habe, war ich durch die Schreibratgeber “Heute schon geschrieben” von Diana Hillebrand (Link zu Amazon) auf den Verlag und auf Autorenwelt.de aufmerksam geworden. Ich habe das Abo rückwirkend zum Jahresanfang abgeschlossen und auf diese Weise gleich mehrere Hefte bekommen. Ich habe ja sonst nichts zu tun *lol*. Ich mag diese Magazine. Es gibt doch eine Menge Information für (angehende) Autoren und auch immer wieder Interviews mit denen, die es schon geschafft haben. Die meisten sind interessant und der Mensch dahinter erscheint sympathisch. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Spannend finde ich es, dass man den meisten Interviews sofort ansehen kann, ob da ein Mann oder eine Frau interviewt wird. Gut  – man weiß es vorher schon, aber es gibt doch einige interessante Auffälligkeiten. Weibliche Autoren haben ziemlich häufig das Problem, dass ihre Arbeit nicht anerkannt wird. Sie müssen sich die Zeit zum Schreiben regelrecht freikämpfen. Nach dem Motto “Wenn du doch sowieso zu Hause bist, dann …”  Mir fiel das heute Mittag wieder auf, als ich Knall auf Fall mitten im Schreiben aufgehört habe, weil ja das Mittagessen gekocht werden musste. Nun bin ich sowieso immer noch ein schlecht organisierter Mensch, aber darum geht es hier nicht. Es gibt da in einem der Magazine ein Interview mit einem männlichen Autorenkollegen, der sich sogar einen Coach geleistet hat, um seinen Schreiballtag straff zu organisieren. Am Anfang habe ich noch gegrinst und gedacht, dass mir hier eigentlich nur die Zeiten fehlen, in dem der Mann mal aufs Klo geht. Dann fiel mir aber etwas völlig anderes auf. Da ist von Zeiten für’s Schreiben die Rede, vom Fitnessstudio und Joggen zum Ausgleich der sitzenden Tätigkeit, von Recherchezeiten etc. Aber da steht nirgends: Zeit für Einkaufen und Kochen, Zeit für Wäschewaschen und Bügeln, Zeit für Fensterputzen und Staubsaugen …  Interessant – oder? Der Mann muss das nicht einplanen. Er hat dafür seine Frau. Genial. Ich schätze, dass der Wochenplan einer mit einer Familie gesegneten Autorin doch etwas anders aussieht. Oder haben die alle einen Hausmann?

 

Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Wochenend-Kolumne: Vertrauen

Mal wieder in die WordPress Daily Prompts reingeschaut. Gestern hieß der Begriff „conversant“. Das musste ich erst einmal nachschlagen.  Es bedeutet vertraut, erfahren, bekannt. Eine spannende Vorgabe, die bei mir sofort jede Menge Assoziationen freigesetzt hat. Beispielsweise den Spruch:

Was der Bauer nicht kennt, (fr)-isst er nicht.

Kaum eine andere Redewendung macht uns so deutlich, wie wichtig Vertrautes für uns Menschen ist. Und vermutlich auch für die meisten anderen Lebewesen. Vertrautes bedeutet Sicherheit. Entweder weil man weiß, dass man nichts zu befürchten hat, oder weil man gelernt hat, mit einer bereits einmal erfahrenen gefährlichen Situation umzugehen. Der Urzeitmensch, der noch nie zuvor einem Mammut gegenüberstand, musste ganz sicher gegen maßlose Angst ankämpfen, egal mit wie vielen Jagdgefährten er unterwegs war. Beim zweiten Mal war es kaum ungefährlicher, aber er hatte inzwischen gelernt, dass man das Tier erlegen konnte. Wenn der moderne Mensch heute fastet, weil er längst keine Angst mehr haben muss zu verhungern, wenn er sein Mammut nicht erlegt, sondern sich viel eher mit Übergewicht herumschlägt, dann wird er trotzdem dieses merkwürdige Gefühl kennen, wenn er zum ersten Mal vor der Herausforderung steht, ein paar Tage ohne Nahrung auszukommen. Im nächsten Jahr weiß er, dass es funktioniert.

Auf der politischen Ebene erleben wir ständig diese Angst vor dem  Unbekannten, gepaart mit der Angst etwas abgeben zu müssen. Wie sonst wäre der grassierende Populismus, wie die AfD zu erklären? Der deutsche Michel will keinen Syrer als Wohnungsnachbarn, aber er liebt längst seinen Griechen oder Italiener um die Ecke. Der deutsche Tourist, der im Urlaub sein Jägerschnitzel auf dem Teller braucht, ist zwar Klischee aber dennoch wahr.

Vertrauen erreicht man aber nur über Erfahrung. Dazu muss man sich auch mal etwas zutrauen. Klar, das kann auch schiefgehen. Aber ohne das Ausprobieren von etwas Neuem können wir uns nicht weiterentwickeln. Da macht es Sinn, mal kleine Kinder zu beobachten. Sie probieren sich ständig aus. Und sind unendlich stolz, wenn endlich etwas funktioniert, was gerade noch furchtbar schwierig erschien.

„Wer Vertrauen hat, erlebt jeden Tag Wunder.“ Peter Rosegger (1843 – 1918)

Seltsamerweise gibt es aber bei uns mehr Sprichwörter, in denen Vertrauen negativ besetzt ist, als solche, die das Postive am Vertrauen herausstellen.