Der Fluch der Neugier

Der Fluch der Neugier

Manchmal kommt mir urplötzlich etwas in den Sinn, das ich dann auch sofort umsetzen muss. So ging es mir in dieser Woche mit der Idee eine Kurzgeschichte zu schreiben, die etwas mit Halloween zu tun haben sollte. Obwohl ich selbst Halloween nicht feiere, wird es doch auch bei uns immer populärer und man denkt im Oktober zwangsläufig daran. Ich weiß nicht, wieso ich dann plötzlich Stoff für eine Romantasy-Story im Kopf hatte: Ein bisschen was Übersinnliches und ein bisschen Erotik. Sonst ist das ja eher nicht mein Genre, aber gut, warum nicht? Der nächste Gedanke war dann der, die Geschichte als E-Book über Amazon zu veröffentlichen. Kann das funktionieren? Wird das jemand für 0,99 Euro downloaden? Ich bin selbst gespannt. Natürlich musste dafür auch wieder ein Cover erstellt werden. Die Mühe ist also doch um einiges größer, als wenn man eine Kurzgeschichte nur hier auf der Webseite veröffentlicht.

Nicht erheiternd, aber typisch war heute die Erkenntnis: Du kannst dir beim Korrekturlesen so viel Mühe geben, wie du willst, die letzten Fehler findest du erst, wenn du das Buch freigegeben und auf deinen Reader hochgeladen hast. Ich rede hier selbstverständlich nur von einem E-Book. Etwas Gedrucktes lohnt sich bei so geringer Seitenzahl nicht. Also erneut korrigiert und erneut hochgeladen. In dieser Phase hofft man dann, dass das Buch noch von niemandem gekauft wurde. Nun ist alles in Ordnung und das E-Book ist erhältlich:
Der Fluch der Neugier

Und so sieht die Buchbeschreibung aus:

Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen,
woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art!

(Lohengrin)

Buchbeschreibung: Romantasy – Kurzroman
Eine Nacht im Oktober. Dr. Ralph Winter beschließt, den Abend mit einem Absacker an der Hotelbar zu beenden. Da taucht wie aus dem Nichts eine Frau auf, die ihn auf seltsame Weise anzieht, irritiert, erregt.  Er verfällt ihrer erotischen Anziehungskraft ebenso wie ihrer rätselhaften Weigerung, ihn zu küssen. Je hartnäckiger sie ihm eine Erklärung für ihr Verhalten verweigert, desto größer wird sein Verlangen das Rätsel zu lösen.


Fällt das Ganze eventuell unter Prokrastination? Besser bekannt als Aufschieberitis? Gut möglich. Mein dritter Bea Baumann Krimi hat inzwischen den dritten oder vierten Anfang bekommen und ich kann mich nicht entscheiden. Vermutlich sollte ich zunächst einfach die zentrale Story schreiben und erst am Ende auf den Anfang zurückkommen *lol*. Nun ja, die nächsten Wochen werden es zeigen. Der NaNoWriMo ruft. Dann muss ich ran.

Das Grab unter dem Ätna

Das Grab unter dem Ätna

Und weil Ankündigungen allein nicht unterhaltsam sind, gibt es heute mal wieder eine ganz kurze Kurzgeschichte. Also die bekannte DWG (Drei-Wort-Geschichte), diesmal mit den Vorgaben: Vulkaninsel, Dudelsack und Schuhputzer.
Vor ein paar Tagen erst habe ich gelesen, dass Forscher herausgefunden haben, dass die Südflanke des Ätna langsam ins Meer abrutscht. Das war die Initialzündung für meine Geschichte.

Viel Spaß beim Lesen.

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Das Grab unter dem Ätna (Schuhputzer, Dudelsack, Vulkaninsel)

„Dann hör gut zu, mein Sohn.“ Der alte Gaetano legte das abgenutzte Poliertuch, das längst in allen Farben schillerte wie seine Geschichten, zur Seite. Ein Lächeln stahl sich in das runzlige Gesicht, als er die Menschen bemerkte, die sich um ihn und den jungen Iren versammelten.
Wann immer Sean den Boden der Vulkaninsel betrat, besuchte er den Schuhputzer auf dem Quattro Canti di città und es sprach sich herum wie ein Lauffeuer. Nur seinen engsten Freunden erzählte Sean, dass er im ersten Jahr Quattro Canti fälschlicherweise mit „Vier Lieder“ übersetzt hatte. Er hatte sich mit seinem Dudelsack neben den alten Mann gestellt, der verwundert bemerkte, dass es plötzlich auch in seiner Schachtel klingelte. Als Dank erzählte er Sean eine seiner Geschichten. Dieser lauschte dem Klang seiner Stimme, ohne ein Wort zu verstehen, bis Giulia und Yaro auftauchten und übersetzten.

„Typhon war ein Riese mit hundert Drachenköpfen. Er stammte von den Göttern ab. Gaia selbst war seine Mutter, Tartaros sein Vater. Typhon war Gaias Rache an Zeus, der ihre ersten Kinder, die Titanen entmachtet hatte.“
Gaetano erzählte von Kronos, Hyperion und den anderen Göttern, und die Menschenmenge lauschte ihm ebenso fasziniert, wie Sean es tat. Immer wenn der Alte eine Pause einlegte, nahm Sean seine sizilianische Zampogna auf, die er inzwischen so gut beherrschte wie den Dudelsack. Während Gaetano seine Stimmbänder mit einigen kräftigen Schlucken Rotwein von den Hängen des Ätna stärkte, gab Sean irische und sizilianische Weisen zum Besten, begleitet vom willkommenen Klang klimpernder Münzen.

„Und Typhons Gebrüll aus hundert Kehlen verängstigte die Götter im Olymp dermaßen, dass sie bis nach Ägypten flohen und sich in Tiere verwandelten. Auch Zeus nahm die Gestalt eines Widders an, bis ihn Athene so sehr verspottete, dass er sich Typhon zum Kampf stellte. Verraten von den Schicksalsgöttinnen floh der Riese schließlich nach Sizilien, wo Zeus den Ätna auf Typhon warf. Seitdem ist er unter ihm gefangen. Doch wir alle spüren, dass er noch immer lebt. “

Erschöpft schloss der Schuhputzer von Palermo die Augen. Während die Menge ihm applaudierte, dachte Sean darüber nach, dass Typhon noch längst nicht besiegt war. Es schien, als stemme sich der Riese mit aller Macht gegen sein Grab. Der Ätna drohte ins Meer abzurutschen.

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Das fantastische Foto, mit dem ich den Beitragheader gestaltet habe, stammt von Julien Millet by Unsplash.com Vielen Dank dafür.

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Making of:  Unberechenbar

Making of: Unberechenbar

Wie entstehen eigentlich Geschichten? Manchmal ist es ziemlich einfach, nämlich immer dann, wenn man eine spontane Idee hat und keine Vorgaben umsetzen muss. Mit bestimmten Vorgaben wie bei unseren Drei-Wort-Geschichten ist das schon schwieriger. Aber auch dabei gibt es Unterschiede. Zu manchen Wörtern fällt mir relativ schnell etwas ein, bei anderen habe ich zunächst das Gefühl ‘boah nee’ das geht überhaupt nicht. Was dann? Nehmen wir die gerade aktuellen Wörter: Wildfang als Protagonist oder zumindest Person, Kapelle als Ort und Koffer als Gegenstand. Als ich diese drei Wörter gelesen habe, war die erste Reaktion: Geht gar nicht. Wie soll ich bitte Wildfang unterbringen? Das ist ein Begriff, den man vor einhundert Jahren vielleicht noch benutzt hat, den aber heute praktisch niemand mehr kennt. Gemeint ist ein ungewöhnlich wildes, lebhaftes Kind.

Nach einigem Nachdenken fiel mir dann ein, dass es in meiner Kindheit tatsächlich einmal ein Buch gegeben haben muss, das den Titel ‘Der Wildfang’ trug. Ich habe keine Ahnung mehr, was in diesem Buch stand, aber vom Gefühl her passte es für mich ins neunzehnte oder frühe 20. Jahrhundert und in Richtung ‘Der Trotzkopf’ – auch ein Buchtitel – abgelöst später von den Hanni und Nanni Bänden etc. Um den Begriff auf eine moderne Geschichte zu übertragen, musste ich also eine Verbindung zu diesem Buch schaffen. So langsam kam dann eins zum anderen und DAS ist daraus geworden. Viel Spaß!

Unberechenbar

Puuh! Geschafft! Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schloss ich die Tür hinter Kindern und Enkelkindern. Wie ein Wirbelsturm waren sie vor drei Tagen zu meinem fünfundsiebzigsten Geburtstag über mich hereingebrochen. Ich liebte sie alle und war glücklich, dass wir wieder zueinander gefunden hatten. Es war nicht immer leicht gewesen, als ich vor zwölf Jahren noch einmal geheiratet hatte. Vor allem Kirsten war mit meiner Wahl nicht einverstanden gewesen.
„Dass du ausgerechnet diesen Hinterwäldler heiraten musst! Der hat nichts und kann nichts. Und das in deinem Alter!“

Auch mein Sohn hatte den Kopf geschüttelt, aber mehr Verständnis dafür gezeigt, dass ich für eine späte Liebe meine Frankfurter Praxis verkaufte, um für Bernhard und mich ein kleines Haus auf dem Land zu finanzieren. Unsere Trauung in der kleinen Kapelle von Hinter-Seelbach fand in einem sehr kleinen Kreis statt. Und ich muss zugeben, dass ich mich über mich selbst wohl am meisten gewundert hatte. So viele Jahre vernünftig, konservativ, abwägend, auf Sicherheit bedacht. Und nun?

Bernhard war vor zwei Jahren gestorben.
Es war auf einmal sehr still. Da fiel mir der Koffer wieder ein. Rainer hatte ihn mitgebracht. Er hatte ihn bei der Renovierung unseres alten Hauses auf dem Dachboden gefunden.
„Mama, ich glaube, das gehört alles dir. Uralte Bücher und sowas. Schau es dir mal an. Ich wollte es nicht so einfach wegwerfen.“

Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür war. Ich machte mir einen großen, heißen Kakao und öffnete den Koffer.
„Du lieber Himmel“, entfuhr es mir. „Das ist wirklich uraltes Zeugs.“ Karl May Bücher, Hanni und Nanni, Hedwig Courts-Mahler, Der Trotzkopf – hatte ich so etwas noch gelesen? Schließlich mit einem völlig verblichenen Einband ‘Der Wildfang’. Als ich das Buch vorsichtig aufschlug, fiel ein dünnes Heft heraus. Ich spürte sofort, wie mein Herz schneller schlug. Ein Tagebuch meiner Mutter, in dieser ganz speziellen Mischung aus Sütterlin und moderner Schrift.
30. April 1950
Wie sind Richard und ich nur zu dieser Tochter gekommen? Clara ist ein Wildfang, wie er im Buche steht. Oh ja, ich glaube, ich könnte über meine Kleine ein eigenes Buch schreiben. Das Kätzchen, das sie gestern nach Hause brachte – und das sie selbstverständlich nicht behalten durfte – hat heute in Richards Hausschuhe gepinkelt. Clara macht einfach nie, was man ihr sagt. Was soll aus diesem Kind nur werden?

(Tief berührt aber auch mit einem Schmunzeln schloss ich das Buch nach einer Weile. Ein Wildfang war ich nach Ansicht meiner Mutter gewesen. Da waren sie also, meine aufmüpfigen Wurzeln, die sich im Alter wieder gemeldet hatten. Was war nur zwischenzeitlich geschehen?)

In der ersten Fassung habe ich auf die letzten Sätze verzichtet. Was gefällt euch besser?

Nachtrag: Sehr spannend, aber letzten Ende eindeutig. Im Forum der Schule des Schreibens haben alle dafür gestimmt, die letzten Sätze wegzulassen. Das zeigt mir mal wieder, dass ich dazu neige, zu viel erklären zu wollen und vermutlich meine Leser zu unterschätzen. Ich werde in Zukunft daran denken.


Headerfoto: Danke an https://unsplash.com/@kyleunderscorehead


 

DWG & Copyright

DWG & Copyright

Zwischenzeitlich sind wieder einige Drei-Wort-Geschichten entstanden. Heute präsentiere ich euch eine davon. Falls ihr euch beim Lesen an einen bestimmten Song erinnert fühlt, dann geht es euch so, wie mir beim Schreiben 😉 Die vorgegebenen Wörter, die wieder in 2400 Zeichen gepackt werden sollten, waren echt schräg: Luxusliner, Nudist, Mikroskop. Das hat mir schon Kopfzerbrechen bereitet. Herausgekommen ist dann etwas in Richtung Dystopie. Na, lest selbst.

Asche zu Asche

Das Raumschiff setzte zur Landung an. Das große Gefährt, seit Lichtjahren im All unterwegs, hatte nichts von seiner Eleganz verloren. Sachte, so als ob man vermeiden wolle, möglicherweise überlebende Erdenbewohner aufzuschrecken, streckte seine Landestelzen wie Fühler aus, bevor es schließlich auf der großen Sanddüne aufsetzte. Der Luxusliner, wie ihn sein Pilot Major Tom CXI. im Andenken an Vergnügungsschiffe aus grauer Vorzeit nannte, war ein technisches Meisterwerk. Die Stelzen waren mit allem erdenklichen wissenschaftlichen Gerät ausgestattet, vom Geigerzähler zur Ermittlung vorhandener Strahlenbelastung, über Mikroskope zur Analyse von Mikroorganismen, bis hin zu hochempfindlichen Antennen, die in der Lage waren, jedwede Radiofrequenzen aufzuspüren.

Major Tom CXI. war erst vor einigen Jahren aus dem Kälteschlaf erwacht, als feststand, dass die Lebenszeit von Tom CX. in Kürze ablaufen würde. Alles Wissen seiner Vorgänger war stetig in sein Gehirn eingespeist worden. Was allerdings die Erde betraf, war das nicht viel. Tom CXI. war wie seine Vorgänger und voraussichtlichen Nachfahren aus der Erbsubstanz weniger Erdflüchtlinge geklont worden, die vor Jahrhunderten dem alles zerstörenden nuklearen Krieg der Religionen durch Auswanderung auf einen entfernten Erdtrabanten entkommen waren. Nun schien es an der Zeit zu ergründen, ob man die Erde wiederbesiedeln könne.
Tom verbrachte Tage damit, alle Daten, die ihm die Geräte lieferten, am Computer auszuwerten. Schließlich – überzeugt, dass er das Schiff würde gefahrlos verlassen können – brach er zu einem ersten Erkundungsgang auf. Ein warmer Sommerwind strich über seine nackte Haut, als er die Düne überquerte und auf das Meer zulief. Kleidung hatte er nie kennengelernt. Offenbar gab es da einen kleinen Fehler im Programm.

Hinter ihm brachen Löcher im Sand auf. Zuerst waren es nur einzelne vermummte Köpfe, die sich langsam an die Oberfläche bohrten. Gestalten, eingehüllt in bodenlange, sandfarbene Gewänder schoben sich nach draußen. Einige trugen Stöcke in den Händen, andere etwas, das Toms Computer als altertümliche Gewehre identifiziert hätten. Ein Zischeln erfüllte die Luft.
Nudistenschwein! Macht ihn nieder! Schützt unsere Kinder vor dieser Ausgeburt der Hölle!“
Ein Schuss krachte, Tom stürzte.

Hinter der Düne zog das Raumschiff seine Stelzen ein und hob ab. Major Tom CXII. erwachte aus dem Kälteschlaf.

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Jemand hat mich gefragt, ob in dieser Geschichte wirklich “unsere freizügige Kultur beim Religionskampf untergegangen ist”?  Ja, in dieser Geschichte schon. Das heißt aber nicht, dass ich für die Zukunft damit rechne. Noch glaube ich fest daran, dass auf dieser Erde Platz für alle Religionen ist.

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Früher habe ich unter meine Geschichten im Blog oft einen Copyrightvermerk gesetzt: © Dr. Elke Heinze – oder so in der Art. Das ist nicht wirklich nötig. Jeder von mir veröffentlichte Text unterliegt grundsätzlich meinem Urheberrecht. Und im Allgemeinen auch meinem ausschließlichen Nutzungsrecht. Es sei denn, ich bestimme etwas anderes, wie neulich bei der Rabengeschichte. Für euch privat dürft ihr alle Geschichten kopieren. Das ist kein Problem. Weil ich aber durchaus vorhabe, irgendwann wieder einen Band mit neuen Kurzgeschichten zu veröffentlichen, gibt es hier auch nicht alles zu sehen, was ich so schreibe. Dafür bitte ich um Verständnis.

 

 

Danke – Neue Rezension – neue Funktion

Danke – Neue Rezension – neue Funktion

Ich freue mich heute über eine weitere 5-Sterne Bewertung für mein Buch “Give me 5” auf Amazon. Das ist erstaunlich, denn Kurzgeschichten haben ja nach wie vor den Ruf, dass sie eher weniger gelesen werden. Ich finds toll, dass offenbar doch mehr Interesse besteht, als ich annehmen durfte. Also danke fürs Kaufen, Lesen und natürlich für die Rezensionen.

Da ich die ‘Give me 5’ Bücher nicht mehr aus den USA bestellen muss, habe ich jetzt auch immer einige vorrätig oder kann sie schnell besorgen. Falls also jemand ein Bändchen mit oder ohne Widmung – vielleicht auch als kleines Weihnachtsgeschenk – über mich beziehen will, dann lasst es mich bitte wissen (nur an Leute, die ich kenne!).

Amazon bietet jetzt eine Youtube ähnliche Funktion zum Einbetten einer ‘Blick ins Buch’-Funktion. Das finde ich sehr praktisch und werde das gleich mal ausprobieren. Funktioniert! Die erste Geschichte (sehr kurz) könnt ihr also gleich hier auf der Seite lesen.