Rabennacht

Rabennacht

Heute mal eine Kurzgeschichte für Kinder, so ab zehn Jahren vielleicht. Ich hatte kurz überlegt, sie mit in ‘Give me 5’ hineinzunehmen, es aber doch gelassen. Alle anderen Kurzgeschichten sind in diesem Buch für Erwachsene gedacht. Rabennacht entstand ursprünglich auch aus vorgegebenen Wörtern einer DWG. Die kam aber nie zustande, weil ich mit den 2400 Zeichen nicht hinkam. Jetzt ist sie um einiges länger und ich denke, das ist gut so.
Viel Spaß beim Lesen. Ausdrucken und privates Weitergeben an Kinder ausdrücklich erlaubt. Alle Rechte am Text vorbehalten.

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Rabennacht

„Was meinst du? Ob sie sich traut?“
Ben beobachtete Lea mit zusammengekniffenen Augen. Jan zuckte unschlüssig mit den Schultern.
„So wie sie in der letzten Zeit mit ihren angeblichen Vorfahren angegeben hat, bleibt ihr doch kaum etwas anderes übrig.“
„Raubritter!“ Ben lachte verächtlich. „Ich krieg schon die Namen meiner Großeltern nicht mehr auf die Reihe.“
„Aber wenn es stimmt, dass die Ruine von Burg Rabenstein mal ihrer Familie gehörte, dann haben die bestimmt auch eine Ahnengalerie.“
Die beiden Jungen sahen wieder zu Lea und Marie hinüber, die mit ihren Fahrrädern schon seit zehn Minuten vor der Apotheke „Zu den Sieben Raben“ standen und offenbar heftig diskutierten.

Die Schüler der 7a verbrachten die Woche vor den Herbstferien im Landschulheim von Klein-Rabenstein, einer idyllischen Gemeinde unterhalb einer alten Burgruine. Die Raben, um die sich manch schaurige Geschichte drehte, hatten nicht nur der Burg und dem Dorf den Namen verliehen, auch verschiedene Kneipen und sogar die Apotheke schmückten sich damit.
„Wir werden sehen. Heute Abend ist Vollmond. Entweder kommt sie oder …“ Ben ließ offen, was passieren würde, wenn Lea am Ende kneifen würde.

Es war schon dunkel, als sich Lea, Ben und mehrere ihrer Klassenkameraden hinter dem Landschulheim trafen. Die Jungs fröstelten in der kalten Nachtluft und schielten etwas neidisch zu den Mädchen, die mit Schals, Mützen und Handschuhen gut gerüstet waren. Der Vollmond stand am Himmel und beleuchtete den Weg zur Burg. Lea knipste ihre Taschenlampe wieder aus. Wer weiß, wie lange die Batterie noch halten würde.
„Auf geht’s, Jungs. Oder hat euch der Mut verlassen? Heute Nacht werdet ihr die Ritter von Rabenstein kennenlernen.“

Lea grinste in sich hinein. Ben immer mit seinem Getue und den dämlichen Mutproben! Glaubte der wirklich, er könnte ihr mit seinen Sprüchen imponieren? Heute würde sie es ihm zeigen. Sie hatte die Burgruine im Sommer mit ihrer Familie besucht und ihre älteren Brüder hatten ihr einen geheimen Zugang zum alten Friedhof gezeigt, von dem man in die Ruine gelangen konnte, wenn die Pforte abgesperrt war. Tom und Lukas waren selbst schon mit ihren Klassen im Landschulheim gewesen und hatten die Reste der Burg ausgiebig erkundet. Die beiden waren für jeden Streich zu haben.

Die Jugendlichen machten sich an den Aufstieg. Jan blieb wie üblich auf der Hälfte des Weges keuchend stehen.
„Ich glaube, wir sollten umkehren, Leute. Mir ist saukalt, und wir kriegen auch jede Menge Ärger, wenn jemand entdeckt, dass wir weg sind.“
Ben stöhnte nur, Lea betrachtete den dicken Jungen mit einem eher mitleidigen Blick.
„Geh zurück, wenn du willst. Du kennst ja den Weg und dunkel ist es auch nicht.“
Einige der Mädchen kicherten.
„Reiß dich zusammen“, knurrte Ben. „Wir gehen alle weiter, verstanden?“ Er sah sich um.
„Wo steckt eigentlich Marie?“
„Ach, Marieee …“, Lea schmunzelte, was Ben im Dunkeln nicht sehen konnte. „Die Arme hat sich den Magen verdorben. Sie liegt im Bett.“
„Ha, ha“, höhnte einer der anderen Jungs. „Das glaubst du doch selbst nicht. Die ist nur cleverer als unser Jan.“
„Blödmann!“ Auch wenn Lea sich selbst oft genug über Jan und die anderen Jungs ärgerte, mochte sie es nicht, wenn über Jan hergezogen wurde. Sie mochte den Jungen irgendwie.

Kurz darauf kam die alte Mauer in Sicht, die Friedhof und Burgruine umgab. Die Gespräche verstummten. Schließlich fragte Ben: „Und jetzt, Miss Oberschlau, wie willst du da überhaupt hineinkommen?“
Eines der anderen Mädchen meinte: „Ich finde, das reicht doch jetzt. Ihr seht doch, dass hier außer Jan niemand Schiss hat, Lea jedenfalls bestimmt nicht.“
Lea richtete ihre Taschenlampe auf die Mauer.
„Kommt gar nicht in Frage. Aber ich habe dummerweise keinen Schlüssel für die Pforte.“
„Nee – oder?“ Ben sah sie empört an.
„Na, dann ist doch gut.“ Jan war die Erleichterung anzuhören. „Dann war’s das jetzt.“
„Aber ich weiß, wie wir auf jeden Fall in die Burg kommen.“ Lea legte eine bedeutungsschwangere Pause ein. „Schaut mal da vorne an der Friedhofsmauer, da ist etwas weggebrochen. Ich glaube, das war mal eine Schießscharte oder so was. Wir müssen nur durch die Lücke steigen und dann gehn wir durch den Friedhof …“
„Durch den Friedhof? Spinnst du? Nicht mit mir. Niemals!“ Jan drehte sich um und begann den Weg zurückzulaufen.
„Jan, du Feigling. Das ist doch jetzt nicht dein Ernst. Kneifen gilt nicht.“

Ben war stinkwütend, obwohl er zugeben musste, dass auch ihm der Friedhof bei Nacht nicht unbedingt geheuer war. Aber wenn die Mädchen das schafften, würde er sich garantiert nicht davor drücken. In diesem Moment flog ein schwarzer Schatten über ihre Köpfe hinweg und sie hörten einen lauten Schrei, dem ein Stöhnen folgte. Er zuckte zusammen. Lotte, eine von Leas Freundinnen, klammerte sich an ihm fest.
„Was zum Teufel war das?“
Ein weiterer Schatten folgte, dann noch einer und noch einer. Sieben schwarze Vögel.
„Die Raben, die Rabengeister“, brüllte Jan, der keuchend zurückgerannt kam, und sich Dreck von den Hosen klopfte. „Sie greifen an. Ich, ich …“
„Ich will zurück“, jammerte Lotte.

Lea bekam langsam ein schlechtes Gewissen. So viel Angst hatte sie nicht verbreiten wollen. Aber schließlich hatte man sie oft genug geärgert. Strafe musste sein. Sie stand schon vor der Mauerstelle, an der etliche der alten Steine herausgebrochen waren.
„Blödsinn! Ben, mach mal ‘ne Räuberleiter. Das ist die richtige Stelle. Ich geh zuerst.“
Der Junge sah sie mit unverhohlenem Respekt an. Die traute sich wirklich was. Konnte er das zulassen? Er räusperte sich, konnte aber nicht verhindern, dass seine Stimme mitten im Satz in ein zittriges Quieken umschlug. Ihm blieb aber auch nichts erspart.
„Nee du, lass mich mal. Männer zuerst.“
Einer nach dem anderen kletterten sie über die Mauer. Nur Jan blieb übrig, der es selbst mit Räuberleiter nicht hinüberschaffte.
„Wartet mal“, flüsterte Lea. „Das können wir nicht machen. Ben, ich weiß, wo eine Leiter liegt.“
Verblüfft sah der Junge, wie Lea einige Meter weiter eine alte Holzleiter aufhob und zur Mauer schleifte.
„Los. Reich Jan die Leiter rüber. Das müsste funktionieren.“
Jan ächzte und stöhnte, aber schließlich schaffte er es, sich durch den Spalt zu quetschen. Der Gedanke, auf der anderen Seite allein zurückzubleiben, war alles andere als verlockend gewesen.

Fröstelnd stand die kleine Gruppe dicht an dicht gedrängt zusammen, und Ben sah sich neugierig um.
„Nach einem Friedhof sieht das eigentlich gar nicht aus“, meinte er. „Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.“
Lea leuchtete mit ihrer Taschenlampe einige umgestürzte Grabsteine an.
„Viel ist hier wirklich nicht mehr zu sehen“, wisperte sie. „Überlege mal, wie viele Jahrhunderte schon vergangen sind. Und überhaupt hat man hier nur die einfachen Leute verscharrt.“
Sie senkte unheilverkündend die Stimme. „Und natürlich diejenigen, die man gehenkt, geköpft oder gevierteilt hat.“
„Aufhören“, riefen Jan und Lotte gleichzeitig. Ben fand allmählich Vergnügen an der Sache. Er glaubte Lea kein Wort mehr.
„Habt euch nicht so. Das ist doch Quatsch. Verbrecher wurden im Mittelalter gar nicht auf dem Friedhof begraben.“
„Stimmt“, gab Lea zu. „Und außerdem müssen wir in die alte Kapelle. Die Ritter wurden selbstverständlich in einer Gruft beigesetzt.“
Gruft! Lea mochte das Wort. Klang das nicht schon wundervoll schaurig? Der Strahl ihrer Lampe zeigte auf Reste eines rechteckigen Gemäuers, das noch gut erkennbar eine halbrunde Apsis aufwies.
„Also los, Leute“, kommandierte Ben entschlossen.

In diesem Moment hörten sie ein seltsames metallisches Klirren. Vor den Mauern der Kapelle erschien eine weiße Frauengestalt, die von zwei finsteren Gestalten in Kapuzenmänteln verfolgt wurde. Einer zog ein Schwert aus der Scheide seines Gürtels und …
„Scheiße“, schrie Jan. „Ich will hier weg, sofort.“
Lotte wollte sich erneut an Ben klammern. Doch der zog Lea an sich und fing an zu lachen.
„Du bist so was von durchtrieben, Lea. Also ehrlich.“ Er gab ihr einen Kuss, der ihn mindestens ebenso überraschte wie Lea.
„Was soll das?“, schimpfte Lotte empört. Statt einer Antwort richtete Ben seine Taschenlampe auf die Füße der drei Gespenster. Sneakers fluoreszierten im Strahl der Lampe.
„Oh Mann,“ schimpfte Lea. „Wie blöd kann man denn sein? Marie, Tom, Lukas, ihr seid enttarnt.“
Die drei Gespenster hielten in ihrem Treiben inne. Lea leuchtete nun ihrerseits mit ihrer Taschenlampe ihren Brüdern ins Gesicht.
„Aus der Spuk! Ihr seid doch selten dämlich.“ Aber insgeheim war sie auch ein bisschen froh, dass sie mit dem Schwindel aufhören konnte. Und was den Kuss eben anging … Lea warf Ben einen forschenden Blick zu.
„Was ist?“ Ben starrte an ihr vorbei in die Luft.
„Ach nichts.“

 

Und dann war da noch die Printversion …

Und dann war da noch die Printversion …

Arbeit ohne Ende. Und es sind immer wieder die gleichen Probleme. Bin ich nicht genau genug, oder warum finde ich erst in der Druckvorschau (immerhin!) die leere Seite zwischen zwei Geschichten? Oder warum habe ich nicht gleich den Untertitel in einer kleineren Schrift eingefügt? Bei der Vorschau stelle ich fest, dass der letzte Buchstabe möglicherweise beim Buchschnitt auf der Strecke bleiben könnte. Also wieder rein in Photoshop und das Cover noch mal abgeändert. Und irgendwie ist es auch witzig, dass mir nach dem Kontrolldurchlauf von KDP erzählt wird, man hätte keine Probleme entdeckt. Darauf kann man sich also nicht verlassen. Egal – es wird korrigiert, bis die Tasten qualmen. Nein, so wie es nun ist, bin ich einigermaßen zufrieden. Und ich schwöre hoch und heilig, dass ich mir bis zum nächsten Buch noch ein bisschen mehr Wissen und Können in WORD und PAPYRUS AUTOR aneignen werde.

Bei der ganzen Formatiererei für das Taschenbuch ist mir natürlich auch in der E-Book Version noch ein Fehler aufgefallen. Also wenn ich ganz große Lust habe, dann wird der auch noch ausgemerzt und das E-Book entsprechend aktualisiert. Irgendwo bin ich ja schon ein kleiner Perfektionist. Aber bei 1,99 Euro Verkaufspreis (nicht Verdienst) fragt man sich schon mal, ob man solche Kleinigkeiten nicht einfach belässt.

Jetzt habe ich mir mal einen Probedruck bestellt und den Verkaufspreis auf 5,99 Euro festgelegt. Ob sich das Taschenbuch überhaupt verkaufen lässt, wird sich weisen. Ich hoffe da ein bisschen auf Weihnachten. Ist doch eine hübsche kleine Geschenkidee für alle, denen man sonst vielleicht Pralinen oder ein paar Socken schenken würde 😉

Beim Autorenfoto auf der Coverrückseite habe ich dann doch wieder zum selben Bild gegriffen, dass ich auch schon bei den Krimis verwendet habe. Irgendwie ist es wie ein Logo. Davon mag ich mich nicht trennen 🙂

Aha – gerade ist die Bestätigung für den Probedruck eingegangen. Die gibt es anders als bei CreateSpace in den USA sehr günstig, sind aber auch entsprechend kenntlich gemacht, damit man sie nicht verkauft.

Give me 5 – Das E-Book ist erhältlich!

Give me 5 – Das E-Book ist erhältlich!

Juhu! – geschafft! Zeitweise sah es aus, als würde ich an der Formatierung mit dem neuen Kindle Creator von KDP verzweifeln, aber nun ist

‘Give me 5’- Die magische Welt der Kurzgeschichten

bei Amazon erhältlich. Und auf meinem Kindle sieht es wirklich brauchbar aus.

Zwar sind die Formatierungen, die ich mit dem Kindle Creator vorgenommen habe, alles andere als eins zu eins übernommen worden, aber dafür andere vorhanden, die ich nicht hinbekommen habe. Oder anders ausgedrückt, der Text sieht auf dem Smartphone anders aus als auf dem E-Reader! Schon allein das ist magisch *lol*. Und – JA! – man kann die Kurzgeschichten supergut auf dem Smartphone lesen. Da verspreche ich nicht zu viel. Ich selbst käme nie auf die Idee, einen Roman auf meinem Handy zu lesen, aber Kurzgeschichten sind dafür perfekt.
Das Buch gibt es für kleines Geld. Das E-Book kostet 1,99 Euro. Das Taschenbuch wird vermutlich irgendwo bei fünf Euro liegen. Eigentlich der Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit darin steckt. Aber so ist der Markt nun mal.
Wie immer hoffe ich, dass mein Buch Gefallen findet. Und wie immer freue ich mich über Rezensionen auf Amazon, denn die braucht man als Selfpublisher nun mal unbedingt.
Jetzt werde ich mich noch an die Formatierung und das Cover für die Taschenbuchausgabe machen. Gut, dass ich schon graue Haare habe, denn ich bin sicher, dass ich auch daran wieder zu knabbern haben werde.

Für das Headerfoto habe ich ein Motiv (den Drink) von Olivier Guillard by Unsplash.com benutzt. Danke.

DWG – Was muss, das muss

DWG – Was muss, das muss

Damit ich hier nicht nur übers Publizieren und meine Vorhaben schreibe, kommt mal wieder eine Ultrakurzgeschichte, die ihren Weg sicher nicht in einen Sammelband finden wird. Aber im Forum der Schule des Schreibens ist sie immerhin ganz gut angekommen, deshalb darf sie hier in meinen Blog. Die drei zu verbastelnden Wörter waren Messe, Zauber(in) und Coladose.
Viel Spaß!

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Was muss, das muss

Ich muss aufs Klo! Ich muss immer aufs Klo, wenn ich aufgeregt bin. Und heute bin ich aufgeregt, aber sowas von. Endlich auf der Buchmesse und zum ersten Mal nicht einfach nur als Besucherin. Da stehe ich nun auf dem Podest, hinter mir dieses wundervolle Regal mit meinen Büchern und vor mir meine Freunde, Bekannte und LeserInnen. Alle stehen geduldig Schlange, um das von mir signierte Buch zu bekommen. Das Buch ist aber auch wirklich schön geworden. Auf dem Cover die kleine Zauberin mit der niedlichen Stubsnase und der Cola-Dose … Moment, wieso Cola-Dose?

„Mara, steh endlich auf! Du bist schon wieder viel zu spät dran.“
Mutter kommt ins Zimmer und zieht mir die Bettdecke weg.
„Wie sieht es denn hier aus!“

Ich reiße die verklebten Augen auf. Mist aber auch! Habe ich schon wieder den Wecker überhört? Mein Schädel brummt. Ausgeschlafen fühlt sich anders an. Und heute ist Matheprüfung. Mein Abitur steht sowieso schon auf der Kippe. Mein Blick fällt auf den Schreibtisch. Kippen, Coladosen und eine fleckige Kaffeetasse – das übliche Szenario der letzten Wochen. Vergebliche Versuche, die blöden Exponentialgleichungen zu kapieren. Dazwischen lacht mich das Heft mit der Zeichnung der kleinen Zauberin auf der ersten Seite an. Warum kann ich nicht einfach nur schreiben und malen? Wer braucht schon Mathe? Ich will auch nicht studieren. Das wollen bloß meine Eltern. Seufzend greife ich nach der Jeans. Es hilft ja alles nichts. Aber erst … ich muss wirklich aufs Klo.

* * *

„Mama, mach endlich! Andre Leute müssen auch mal.“

Meine Teenagertochter trommelt wütend an die Tür.
„Ja doch, bin gleich fertig.“
Ein letzter Blick in den Spiegel. Die Frisur sitzt. Ich presse kurz die Lippen aufeinander. Habe ich zu viel Lippenstift aufgetragen? Ach wo, alles gut. Ich atme tief durch. Es wird Zeit zu gehen. Heute ist mein großer Tag. Ich darf auf der Buchmesse „Die kleine Zauberin Kunigunde“ vorstellen. Zwanzig Jahre hat sie in der Schublade geschmort, bis Jan sie dort entdeckte und heimlich an einen Verlag geschickt hat. Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich einen Vertrag bekommen habe und eine Option für drei weitere Bilderbücher. Es fühlt sich an wie ein Sechser im Lotto.

„Mamaaa, mach, ich muss in die Schule!“
„Gleich mein Schatz. Bin schon fertig.“
Ich sollte nochmal aufs Klo. Ich muss immer aufs Klo, wenn ich aufgeregt bin.

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Für das Headerbild habe ich zwei Unsplashfotos benutzt: https://unsplash.com/@ravinepz (Coladose) und https://unsplash.com/@apsprudente (Kindergesicht). Danke dafür!

 

Give me 5 – Kurzgeschichten jederzeit & überall

Give me 5 – Kurzgeschichten jederzeit & überall

Ja, ich denke, der Titel meiner Kurzgeschichtensammlung steht damit fest. Die letzten Tage habe ich die Dystopie ruhen lassen und mich voll und ganz auf die Kurzgeschichten gestürzt. Es haben sich reichlich Texte angesammelt. Nicht alle sind gut, aber viele können sich nach etwas Überarbeitung sehen lesen lassen. Seitdem ich mich wieder intensiv dem Schreibprogramm Papyrus Autor anvertraue, fällt so manches leichter. Auch den Blogtexten würde es wahrscheinlich guttun, wenn ich sie durch Stilanalyse und Dudenkorrektur von Papyrus laufen ließe, aber ich will nicht päpstlicher sein als der Papst.

Ich habe jetzt schon mal damit angefangen, das Buchlayout zu erstellen. Wenn ich dachte, dass es mir nach den beiden Krimis leicht fallen würde, dann war das ein Irrtum. Ich müsste vermutlich mindestens vier Bücher im Jahr mit KDP und CreateSpace erstellen (oder einem anderen Distributor), um darin Routine zu bekommen. Jetzt mache ich das Ganze mal mit einer Papyrus Vorlage, die mir zumindest die Titelei und die Inhaltsangabe fast automatisch erstellt. Hat zwar auch gedauert, bis ich mich da reingefuchst habe, aber nun läuft es. Ob ich das Ganze, sofern irgendwann mal fertig, dann wirklich problemlos bei Amazon hochladen kann, wird sich weisen. Noch bin ich mir nicht darüber im Klaren, ob es nur ein E-Book werden wird oder auch eine Printausgabe. Die Printausgabe müsste ich vielleicht etwas aufwändiger gestalten, dann wär’s ein gutes Geschenkbüchlein. Weihnachten ist ja auch irgendwann wieder *lol*.

Vermutlich werde ich die nächsten vier Wochen damit verbringen, Geschichten wieder rauszunehmen und durch andere zu ersetzen, hin und her zu überlegen, welche gut sind oder doch eher nicht, aber irgendwann … Wann ist eigentlich Buchmesse? Ich glaube, die ist immer Anfang Oktober. Dann wäre September sicher nicht schlecht. Am Cover bin ich auch schon dran. Aber auch da kann es gut sein, dass ich noch mal alles ändere. Irgendwie bin ich ja nie zufrieden 🙁 Auf jeden Fall war die Teilnahme am Julicamp vom NaNoWriMo eine gute Sache. Damit bin ich wieder ins Schreiben gekommen. Ich hoffe mal, dass ich meinen dystopischen Roman vielleicht fertigbekommen kann, wenn ich auch im November wieder am NaNo teilnehme. Mit ihm hat die Sache im letzten Jahr schließlich angefangen.

Draußen kommt Sturm auf. Ein ordentlicher Regen wäre das, was wir mal brauchen würden. Es ist alles viel zu trocken. Ein Gewitter wird’s wohl werden, es grummelt schon. Na, schaun wir mal.

 

Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Hier mal wieder eine der Ultrakurzgeschichten mit den Wortvorgaben: Kornfeld, Ouijabrett und Ghostwriter. Was für eine Zusammenstellung! Und plötzlich hatte ich dann doch eine Eingebung. Ich sag nur: Vorsicht Satire! Viel Spaß beim Lesen.

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Der Geist des Alten

Die schwere Limousine glitt gemächlich über die von hohen, alten Bäumen flankierte Allee dahin. Der junge, afghanische Chauffeur hatte auf Autopilot gestellt und beobachtete im Rückspiegel das müde Gesicht seiner Chefin.
Hin und wieder blitzten zwischen den Bäumen die goldgelben Kornfelder ihrer uckermärkischen Heimat auf. Angie dachte an das Verlagsgespräch zurück, das sie gerade geführt hatte. Sie hatten mit Sicherheit einen perfekten Ghostwriter für ihre Memoiren gefunden. Angie kannte und schätzte die spitze Feder des Mannes. Sie hatte Physik studiert und jahrzehntelang die Politik des Landes bestimmt. Schreiben war nicht ihre Sache. Aber zu erzählen hatte sie eine Menge.

Der Innenminister wird sich noch wundern.
Bei diesem Gedanken machte sich ein ungewohnt sardonisches Grinsen in ihrem Gesicht breit. Sie freute sich schon jetzt auf die Präsentation des Buches. Doch bis dahin gab es noch viel zu tun.
Angie kicherte. Morgen würde sie als erstes den Dorffriseur aufsuchen. Ihr graues Haar bestand auf seinem Recht, sich der Öffentlichkeit ohne jede Scham zu zeigen. Einen frechen Pixie würde sie sich schneiden lassen. Und dann vor allem Schluss mit den dämlichen Hosenanzügen. Unwillkürlich nahm sie die Hände weg von dem Brett, das auf ihrem Schoß lag. Sie betastete die Falten, die an ihrem Kinn seit Jahren an eine dieser hölzernen Marionetten erinnerten. Der Termin mit Professor Mang war schon vereinbart.
Oh, ihr alle werdet euch noch wundern!

Die Finger wanderten zurück auf das alte, abgegriffene Quijabrett. Zahlen und Buchstaben waren dort eingebrannt. Sonne, Mond und Sterne. Wörter wie Ja und Nein, Danke oder Ende. Kaum noch zu ertasten war der kurze Satz „Ich warte“. Warten war in ihren Augen immer die beste Alternative gewesen. Den kleinen Zeiger, die Planchette aus reinem Bergkristall, hatte sie sich zur Halskette umarbeiten lassen. Sie brauchte ihn schon lange nicht mehr. Der Geist führt ihre Finger auch ohne dieses Hilfsmittel. Der Geist! Dankbar erinnerte sie sich an ihren Ziehvater. Der Alte aus Oggersheim hatte sie immer gut beraten. Sie beschloss, ihm zu Ehren heute Abend einen Pfälzer Saumagen auf den Tisch zu bringen. Nur dieses eine Mal noch. Danach würde sie sich sofort bei Weight Watchers anmelden.
Über der Allee ballten sich dunkle Wolken zusammen. Ein Blitz erhellte die Landschaft. Sein Widerschein traf das Ouijabrett über dem Wort ENDE.

©EHeinze/2018 – Bildquelle https://unsplash.com/@stephenleo1982