Kein Winter, wenig Inspiration (Kleine DWG)

Kein Winter, wenig Inspiration (Kleine DWG)

Komisch ist das schon: Es gibt sicher reichlich Autoren, die um diese Jahreszeit schreiben können, was das Zeug hält. An sich logisch, denn man hat ja kaum mal eine Ablenkung durch schönes Wetter. Bei mir ist das anders. Mir schlägt das Dauergrau, das uns jetzt schon seit Dezember verfolgt, aufs Gemüt. Sobald sich mal die Sonne ansatzweise blicken lässt, bin ich draußen. Und am Schreibtisch mag ich einfach nicht sitzen. Dafür lese ich im Moment wieder sehr viel. Da kommen mir dann zwar Ideen, aber die Muse küsst mich dennoch nicht. Also habe ich der Webseite mal wieder ein neues Erscheinungsbild verpasst, ein winterliches, das im Grunde so gar nicht dem Blick aus dem Fenster entspricht. Im Garten blüht es bereits wie wild: Schneeglöckchen, Lenzrosen, die Zaubernuss, ein Schneeballstrauch … geradezu unglaublich. Und natürlich lasse ich mich auch gerne von den kleinen Geflügelten vor dem Fenster ablenken. An den Futterstellen ist immer was los. Ich schätze, ich weiß momentan auch nicht, ob ich weiter Krimis schreiben oder mit der Dystopie weitermachen soll … oder etwas ganz anderes. Ich werde mich heute mal wenigstens an die nächste kleine Drei-Wort-Geschichte machen. Die letzte fand ich selbst nicht so gelungen. Einigen Leuten hat sie aber doch gefallen, deshalb – bitteschön – stelle ich sie hier mal rein.

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Eingeölt und angeschmiert (Werkstatt, Praktikantin, Zeitung)

In der Autowerkstatt sah es aus, als müsse jeden Moment einer der Monteure unter einem Wagen hervorrollen. Werkzeuge lagen auf dem Boden, ein SUV stand aufgebockt über einer Grube. Im angrenzenden Büro klingelte das Telefon.
„Entschuldigung“, Frau Bernau sah Kommissarin Rimbach nervös an. „Ich …“
„Lassen Sie es klingeln. Sie sollten mir einige Fragen beantworten. Können wir uns irgendwo setzen?“

Auto-Bernau befand sich am Ortsrand von Maibach. Im angrenzenden Wäldchen hatte am frühen Morgen ein Spaziergänger die Leiche der siebzehnjährigen Praktikantin Isabel Reichert entdeckt.
Frau Bernau deutet auf eine kleine Sitzgruppe außerhalb der Werkstatt. „Hier bitte.“ Hektisch räumte sie einige herumliegende Zeitungen zur Seite.

„Wo könnte sich Ihr Mann aufhalten, Frau Bernau? Ist es normal, dass er verschwindet, ohne Ihnen eine Nachricht zu hinterlassen?“
Die Frau schüttelte den Kopf. „Nein, überhaupt nicht. Wir führen eine gute Ehe, müssen sie wissen. Peter – es muss ihm etwas passiert sein.“
Kommissarin Rimbach verzog kurz das Gesicht. Wie oft hatte sie diesen Satz schon gehört.
„Wäre das nicht ein Zufall zu viel? Ihre Praktikantin wird ermordet und dann soll auch Ihrem Mann etwas passiert sein? Wie stand denn ihr Mann zu Isabel Reichert?“
Für einen Moment blitzte ein zorniges Funkeln in Frau Bernaus Augen auf, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. „Was heißt, wie stand er zu Isabel? Sie war Praktikantin, sonst nichts.”
„Und Sie selbst? Einer Ihrer Monteure hat erzählt, Sie hätten sich gestern Abend mit Frau Reichert gestritten.“
„Blödsinn! Das heißt, ja, wir hatten eine kleine Auseinandersetzung , weil das Flittchen immer wieder zu spät kam.“ Die Frau knetete nervös ihre Finger. Kein Ehering, stellte Rimbach fest. Aber schwarze Ränder unter einigen Fingernägeln.
„Das Flittchen?“
Frau Bernau lief rot an. „Na, war doch so. Sie machte allen Männern schöne Augen.“
„Frau Rimbach!“ Aus der Halle kam ein Polizeibeamter auf die beiden Frauen zugelaufen. „Kommen Sie mal. Das müssen Sie sich ansehen.“

Unter dem SUV zwängten sich zwei Männer der Spusi aus der Grube, die weißen Anzüge voller Motorenöl.
„Da unten liegt einer“, bemerkte der Ältere der beiden. „Sieht ganz nach Bernau aus. Und schaun Sie mal.“ Er reichte der Kommissarin einen ölverschmierten Ehering.
Rimbach hörte einen halbunterdrückten Aufschrei und sah Frau Bernau davonlaufen.
„Dachte ich es mir doch. Los, hinterher, festnehmen!“

DWG – Der Blumenfreund

DWG – Der Blumenfreund

Vor Weihnachten noch eine letzte Drei-Wort-Geschichte mit den Vorgaben: Wohnzimmer, Moderatorin und Gummistiefel. – Nebenbei bin ich mit dem Dezember-Newsletter beschäftigt – jawohl! , der kommt tatsächlich noch. Ich kann schon mal verraten, dass ich meinen Abschluss an der Schule des Schreibens geschafft habe. Über den Newsletter wird es einen Link zu einer Leseprobe meiner Abschlussarbeit geben. Aber nun erst einmal zu unserem Blumenfreund.

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Ein Blumenfreund (Wohnzimmer, Moderatorin, Gummistiefel)

Herbert liebte feste Regeln und Ordnung über alles. Seine Ex hatte ihn deshalb gerne mal als Pedanten beschimpft. Aber was wusste die schon! Nun ruhte sie schon seit Jahren in Frieden unter einem Bankdirektor. Jeden Sonntagnachmittag schaltete Herbert pünktlich um 15:30 Uhr in seinem Wohnzimmer das Fernsehgerät ein. Wenn ihn Frauke Hellmich in ihren Gummistiefeln und der hübschen grünen Schürze in ihren Garten einlud, vergaß Herbert alles um sich herum, einschließlich seines trögen Jobs als Friedhofsgärtner. Akribisch notierte er die Pflanzpläne, die die blonde Moderatorin am Ende der Sendung einblenden ließ. Für jede Jahreszeit, für jeden Boden die richtigen Blumen, das war ihre Botschaft.

Von montags bis freitags ging er seinem Beruf nach und unterließ es nie, die trauernden Hinterbliebenen bei der Grabgestaltung zu beraten. Die älteren Damen nahmen seine Vorschläge meist gerne an, ließ es sich mit Herbert doch wunderbar plaudern. Nur manchmal war die eine oder andere unbelehrbar. Da wollten sie Efeu pflanzen, wo Herbert Funkien und Buschwindröschen empfahl. Efeu – weil der so praktisch war! Es war nicht zu fassen. Mit Bedauern dachte Herbert an Gerda Müller. Normalerweise eine wirklich nette Frau. Warum wollte sie einfach nicht verstehen, dass die Teerosen auf dem Grab ihres Gatten nicht gedeihen würden? Richtig wütend war sie sogar geworden. Er solle sich um seine Arbeit kümmern und sie mal machen lassen, hatte sie ihm an den Kopf geworfen. Sie wisse schon, was ihrem Robert gefallen hätte. Irgendwie hatte sie ihn in diesem Moment an seine Ex erinnert.

Herbert warf Spaten und Grabegabel auf seine Schubkarre und zog die Zeitung aus dem Papierkorb, die jemand unordentlich zusammengeknüllt hineingeworfen hatte. Auch so eine Unart, die er hasste. Warum konnten die Menschen mit den Dingen nicht achtsamer umgehen? Sorgfältig strich er die Seiten glatt und las die Schlagzeile, die ihm vom Titelblatt entgegensprang: Wer hat Gerda M. gesehen? Rentnerin kam vom Friedhofsbesuch nicht in die Seniorenresidenz zurück. Die Fünfundsechzigjährige trug bei ihrem Verschwinden eine dunkelblaue Hose, dunkelblaue Schnürschuhe und eine ebenfalls dunkelblaue Jacke. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen oder Tel. 069 ………

Herbert steckte die Zeitung in den Papierkorb zurück und sah auf die Uhr. 18 Uhr – Feierabend. Nun noch einen kleinen Abstecher zum hinteren Teil des Friedhofs, wo die abgeräumten Gräber der Wildnis überlassen wurden. Hierhin verirrten sich nur selten Besucher. Und die wenigen, die hier doch hin und wieder spazieren gingen, wunderten sich manchmal, dass sie zwischen Eselsdisteln, Brennnesseln und meterhohem Unkraut auf Beete stießen, die mit den schönsten Blumen bepflanzt waren. Seit vergangenem Dienstag blühten hier gelbe Rosen.
©EHeinze

 

 

Viel größer als ein Diamant (DWG)

Viel größer als ein Diamant (DWG)

Hallo liebe LeserINNen,
auch wenn ich bisher noch keinen neuen Newsletter*** auf die Reise geschickt habe, so ganz ohne Schreiben vergeht kaum ein Tag. Während des NaNoWriMo habe ich es mir verkniffen, an den Drei-Wort-Geschichten im Forum der Schule des Schreibens teilzunehmen. Nun habe ich den Kopf erst mal wieder ein bisschen frei und versuche mich an einigen Vorgaben. In dieser Woche habe ich mir vorgenommen: Regisseur, Krankenhaus, Thermomix®. Viel Spaß beim Lesen.

Viel größer als ein Diamant

„Weißde, Bertie“, sagte ich kürzlich nach dem vierten Bierchen zu meinem Freund Herbert, „weißt du, jeder ist nämlich der Reschi … der Reschisör seines eigenen Lebens.“
„Hä?“ Berti blickte mich durch den Kneipendunst verständnislos an.
„Der meint sicher, jeder ist seines Glückes Schmied“, grinste der Wirt.
„Oder so. Schieb mal noch zwei Bier rüber. Aber Reschisör klingt cooler.“
„Ja, un was meinsde jetzt genau damit?“
„Dass ich die Rosi heirade werd. Von der stammt des übrigens mit dem Reschisör. Verstehsde?“
„Nee.“ Bertie angelte sich das volle Bierglas.
„Also des is halt so. Die Rosi meint, es wär höchste Eisebahn, dass ich bei Muttern auszieh. Sonst würd nie en richtige Kerl aus mir wern.“
„Hm.“ Berti nickte und wischte sich den Schaum vom Mund. „Wo se recht hat, hat se recht.“

Nun war ich doch ein bisschen beleidigt. Hätte Berti nicht sagen können, dass ich trotzdem ein richtiger Kerl bin?
„Des Problem ist halt, meine Mutter ist eine fanta… eine fanta …also eine tolle Köchin. Die Rosi kann da net mithalte. Also sonst … wow, also du weißt schon, aber kochen kann sie nicht.“
„Hm.“
„Aber ich hab da schon ne Idee. Neulich, da stand so ein Kerl mit so einem Thermodings, so einem Wahnsinnstopf bei Muttern in der Küche. Du glaubst nicht, was das Ding alles kann. Das wiegt, das kocht, das – egal, alles, sag ich dir. Das kann alles! Mutter hat ihn allerdings ausgelacht. ‚Bei uns werd noch anständig gekocht. Mir brauche so en neumodische Kram net. Un was der kostet’, hat se gesacht. Aber wenn ich jetzt der Rosi so ein Teil schenke würd …“

Bertie knallte das Bierglas auf den Tresen. „Genau, dann kocht die Rosi wie dei Mutter – genial. Komm, darauf trinken wir noch eins.“

Also – das ist jetzt gut drei Wochen her. Ich habe der Rosi meine Liebe gestanden, geschworen, dass ich endlich zu Hause ausziehe und ihr zur Verlobung ein ganz tolles Geschenk versprochen.
„Du wirst Augen machen, meine Süße. Sowas hast du noch nicht gesehen.“
„Och sag’s mir doch. Ein Diamantring vielleicht?“ Rosi schmiegte sich hingebungsvoll an mich.
„Größer, mein Liebling, viel größer.“
„Doch nicht das Cabrio, Schatz?“
Ich hatte wohl doch ein bisschen übertrieben. „Lass dich überraschen.“

Und dann haben wir uns verlobt. In Mutters Küche habe ich Rosi das Paket überreicht, ganz in Goldfolie mit einer roten Schleife und einem roten Herz. Rosi sah zum Anbeißen aus in ihrem süßen neuen Fummel. Heute Abend würde sie für mich kochen und dann –

Gestern haben sie mich aus dem Krankenhaus entlassen. Zurücknehmen kann er den Thermomix nicht mehr, hat der Vertreter gesagt. Wegen der Delle.

©ElkeHeinze/2017
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Nachtrag: Ich weiß, dass Thermomix® ein geschützter Name der Firma Vorwerk ist. Er war als Begriff für die Geschichte vorgegeben. Deshalb habe ich das Wort beim ersten Mal mit dem ®-Zeichen versehen, im Text dann aber weggelassen. Im Forum wurde ich daraufhingewiesen, dass der Metallbehälter sehr widerstandsfähig sei – ich nehme an wegen der Delle 😉  Sorry, ich wollte die Wertigkeit des Produktes zu keiner Zeit infrage stellen. Aber wer weiß denn, was Rosi damit noch alles angestellt hat?
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*** Apropos Newsletter: Ich bekomme ja auch reichlich Newsletter ins Haus geschickt. Heute hat es der erste geschafft, dass ich mir spontan das darin beworbene Buch bestellt habe: Nika Lubitsch “Die 12. Nacht” – mit mystischen Sachen kriegt man mich fast immer. Ich bin gespannt.

Was den Verkauf meiner eigenen Bücher angeht, finde ich es gerade ganz spannend, dass “Mord in der Schwanheimer Düne” plötzlich die Nase wieder vorn hat. Aber es ist fast ein Kopf an Kopf Rennen mit “Vergangen heißt nie ganz vorbei”.  Ich würde mich übrigens nach wie vor über ein paar freundliche Rezensionen freuen.

 

 

NaNoWriMo & Der Zoll

NaNoWriMo & Der Zoll

Inzwischen bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das mit mir und dem NaNoWriMo wirklich etwas wird. Ich beschäftige mich tatsächlich jetzt jeden Tag damit und merke erneut, dass mir das Plotten nicht liegt. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, erkläre ich es mal so, wie ich es verstehe: Der Plot einer Geschichte oder eines Romans ist grob gesagt der Handlungsablauf. Man weiß also genau, worüber man schreiben will, bevor man den ersten Buchstaben anschlägt. Und das weiß man deshalb so genau, weil man die Idee bereits von Anfang bis Ende durchdacht hat. Wer anständig plottet, kennt das Ende seiner Geschichte, bevor er den Anfang geschrieben hat. Bei mir hat das bisher noch nie funktioniert. Ich bin eher der “Drauflos-Schreiber”, frei nach dem Motto “Gucken wir mal, was sich ergibt“. Das ist im Grunde mit dem NaNoWriMo nicht vereinbar. Rund 1660 Wörter am Tag zu schreiben, ist vermutlich schon für jemanden viel, der den Plot im Kopf hat. Soll ich deshalb aufgeben, bevor ich angefangen habe? Nein, auf keinen Fall. Aber ich kann mir vorstellen, dass bei mir am Ende etwas völlig anderes herauskommt, als das, was mir gerade noch vorschwebt.

Im Forum der Schule des Schreibens habe ich gerade eine neue Drei-Wort-Kurzgeschichte eingestellt, die dystopische Züge hat. Und alle waren plötzlich der Ansicht, ich solle daraus einen Roman machen. Und – ehrlich – es reizt mich wirklich. An sich wollte ich für den NaNoWriMo etwas völlig anderes schreiben: Eine spannende Rahmenhandlung für mehrere Kurzgeschichten, also sowas wie 1001 Nacht in modern. Doch wer liest heutzutage noch Kurzgeschichten? Und sage ich nicht immer, dass mir Kurzgeschichten auch gar nicht sonderlich liegen? Ich muss meine NaNoWriMo-Planung noch mal überdenken. Die neue DWG gibt es also erst einmal nicht zu lesen. Nur ein Appetithäppchen daraus:

Medita betrachtet die kleine Plastiktüte mit dem Symbol einer Apotheke der alten Zeit mit einem Ausdruck von Angst und Abscheu. Ihre Mutter Charlotte, die sich Zeit ihres Lebens geweigert hatte, den neuen, von der Regierung verordneten Namen zu tragen, hatte sich in die Wälder zurückgezogen, die als fast undurchdringliche Wildnis die Großraumstädte Lutumnas umgaben. Europa war eine längst vergessene Gemeinschaft. Medita erinnerte sich, dass sie die Gesetze der neuen Regierung zum Erhalt der Umwelt und der eigenen Rasse einst begrüßt hatte. Doch irgendwann war Lutumna zu einem großen Gefängnis geworden. Zumindest für die, die sich noch erinnerten. Medita wollte vergessen.

Manchmal fragt man sich ja, wo die Ideen eigentlich herkommen. Mein Unterbewußtsein wurde womöglich von der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood beeinflusst. Ich erinnerte mich an eine Verfilmung ihres Romans “The Handmaid’s Tale”  (deutsch: Der Report der Magd), der mich vor Jahren sehr beeindruckt hat. Es ist eine sehr düstere Dystopie. Auf der anderen Seite gibt es derzeit irgendwo eine Ausschreibung, für die positive Utopien gesucht werden. Das wäre so meine grundlegende Ausgangsidee, eine Dystopie zu schreiben, die am Ende zumindest eine positive Veränderung signalisiert. Ich werde das mal in meinem Herzen Kopf bewegen. Schaun wir mal, was dabei herauskommt.


Dann war da noch die Sache mit dem Zoll. Unglaublich aber wahr: Knapp drei Monate nachdem ich in den USA Autorenexemplare meiner Bücher bestellt hatte, wurde ich letzten Samstag vom Zoll benachrichtigt, dass ich sie dort abholen könne. Das waren die Bücher, die ich für meine Lesung am 29.September gebraucht hätte. CreateSpace hatte mir nach meiner Reklamation dann ja dankenswerterweise innerhalb von zwei Tagen per Luftfracht eine neue Sendung zukommenlassen. Aber wen hatte ich nicht alles kontaktiert, um den Verbleib der Sendung herauszufinden? Himmel und Hölle habe ich in Bewegung versetzt – aber ohne Ergebnis. Nun – am Ende gab es noch nicht einmal etwas zu verzollen *lol*. Auf meine Frage, was denn nun eigentlich passiert war, wurden  auch nur Vermutungen geäußert. Angeblich lag das Paket in der Schweiz. Klingt etwas seltsam, denn meine Adresse einschließlich GERMANY stand dick und fett auf dem Paketaufkleber. Andererseits ist die Schweiz halt nicht EU, sodass die Sache schon irgendwie stimmen könnte. Nun ja, vielleicht gibt es noch eine weitere Lesung, Bücher hätte ich jetzt genug. Ich hatte mir ja als Rückversicherung auch noch einige direkt von Amazon Deutschland kommen lassen. Jedenfalls werde ich den Weg über CreateSpace vermutlich nicht mehr nehmen. Inzwischen kann man die Taschenbücher auch über Amazon Deutschland drucken lassen. Oder ich suche mir für Lesungen und zum Verschenken eine Druckerei, die das – wenn auch ohne ISBN – auch erledigt. Vielleicht sogar besser. Mir gefällt die Qualität der amerikanischen Printausgaben sowie nicht, und dass die Bücher nicht eingeschweißt sind, finde ich auch nicht gut. Plastik ist zwar blöd, aber nützlich.

Das Herz des Löwen – DWG

Das Herz des Löwen – DWG

Und ich habe schon wieder eine neue Drei-Wort-Geschichte. Die Zeit vergeht wie im Flug. Dieses Mal habe ich mich wieder an die vorgegebenen 2400 Anschläge gehalten. Und als Wörter mussten benutzt werden: Untermieter, Gewächshaus, Hörgeräte(e). Die Geschichte kommt – was bei mir selten ist – ohne Dialoge aus, sogar fast ohne wörtliche Rede.

Das Herz des Löwen

Fast täglich verbrachte Julia die Zeit zwischen den Vorlesungen im weitläufigen Botanischen Garten. Und immer öfter stellte sie sich die Frage, ob sie mit dem Informatikstudium nicht total daneben gegriffen hatte. Dieser Wettbewerb zwischen Max und ihr war eigentlich ziemlich blödsinnig gewesen. Wer löste die Matheaufgaben schneller, wer brachte die besseren Noten nach Hause? Laut Max waren Mädchen für komplexe mathematische Lösungswege einfach unbegabt. Natürlich hatte sie immer gewusst, dass ihr Bruder sie nur aufzog. Aber seine Sticheleien hatten ihren Ehrgeiz und ihren Trotz geweckt. Nun studierte sie also Informatik, während Max sich kurzfristig für ein Sportstudium entschieden hatte. Vor einem Jahr war er zu Hause ausgezogen. Seitdem hatten sie einen Untermieter.

Firas, ein Flüchtling aus Syrien war bei ihnen eingezogen. Julias Vater hatte ihn eines Tages mitgebracht. Dr. Schauer arbeitete als HNO-Arzt an einem Tag in der Woche ehrenamtlich für die Versorgung kriegsgeschädigter Asylbewerber. Firas war fast ertaubt in Deutschland angekommen, das Innenohr durch ein massives Knalltrauma schwer beschädigt.
„Kümmere dich ein bisschen um ihn, Schatz“, hatte ihr Vater sie gebeten. „Das wird ihm helfen.“
Während Julia auf das hinterste Gewächshaus zulief, in dem sie Firas vermutete, erinnerte sie sich daran, wie schwer es anfangs gewesen war, sich mit ihm zu verständigen. Firas – son of a lion, Sohn eines Löwen, bedeute sein Name, hatte er ihr erklärt. Und wie ein Löwe kämpfte er darum, trotz Behinderung und Sprachschwierigkeiten seinen Platz in Deutschland zu finden. Firas besaß inzwischen Hörgeräte, die ihm einen Teil seiner Hörfähigkeit zurückgegeben hatten. Der junge Syrer studierte seit kurzem Biologie und Agrarökologie. Er träumte davon, eines Tages nach Syrien zurückzukehren, um beim Wiederaufbau seines Landes zu helfen.

Ein Herz wie ein Löwe. Julia war am Gewächshaus angekommen. Firas sprach mit den Pflanzen. Sie grinste. Das war so typisch für ihn. Und plötzlich wusste sie, dass Informatik auf keinen Fall ihre Zukunft war. Julia klopfte an die Glasscheibe, doch Firas hörte sie nicht. Wenn er mit seinen Pflanzen allein war, entfernte er die ungeliebten Hörgeräte. Vorsichtig trat Julia ein. Firas bemerkte sie erst, als ihn Julia umarmte. FIRAS, formten ihre Lippen seinen Namen, bevor sie ihn zum ersten Mal küsste.
©EHeinze – 2017


Schade, dass ich Kumar, den neuen Löwen aus dem Frankfurter Zoo, noch nicht fotografieren konnte. Das Löwenpärchen habe ich 2014 im Berliner Tiergarten fotografiert. Und ich mag das friedliche Bild.

 

Neue Kurzgeschichte: Sonntagmorgen mit Hindernissen

Neue Kurzgeschichte: Sonntagmorgen mit Hindernissen

Mal wieder eine neue Drei-Wort-Geschichte aus der Schule-des-Schreibens, die allerdings einen großen Fehler hat. Wer hier aufgepasst hat, weiß, dass unsere Drei-Wort-Geschichten eine Länge von ca. 2400 Zeichen haben sollen. Als ich “Sonntagmorgen mit Hindernissen” geschrieben habe, hatte ich wohl einen Zahlendreher im Kopf. Und so hat diese Geschichte nun die fast die doppelte Länge, fast 4200 Zeichen.  Ich wünsche trotzdem viel Spaß beim Lesen. Vorgabe: Künstler, Eierbecher, Kofferraum

Sonntagmorgen mit Hindernissen

Peter schloss die Tür zur Terrasse, die er wie immer sofort nach dem Aufstehen zum Lüften geöffnet hatte.
„Uuute“, rief er in Richtung Badezimmer, „sag mal, wo sind denn unsere Eierbecher hingekommen?“ Er hatte den sonntäglichen Frühstückstisch gedeckt und stand nun stirnrunzelnd vor den Küchenschränken.
Ute, ein Handtuch ums nasse Haar und eins notdürftig um ihren Körper geschlungen, kam kopfschüttelnd in die Küche.
„Wo sollen die schon sein, Schatz? Da wo sie immer sind.“ Sie reckte sich, um den Oberschrank zu öffnen. Abgelenkt vom rutschenden Badetuch sah Peter glücklicherweise nicht den leicht genervten Gesichtsausdruck seiner Gattin. Ute war nämlich grundsätzlich der Meinung, Peter habe Tomaten auf den Augen.
„Wo zum Teufel …“ Ute stellte sich auf die Zehenspitzen und griff mit beiden Armen nach oben, um einige Teller zur Seite zu schieben. Das Badetuch machte sich endgültig selbstständig.
„Sie sind wirklich nicht da“, bemerkte sie ungläubig, während sich Peters Blick begehrlich auf ihrem rosigen, vom Duschöl glänzenden Körper festsaugte.
„Vielleicht“, murmelte er, „könnten wir das mit dem Frühstück auch verschieben.“ Besitzergreifend legten sich seine Hände um Utes Taille. Er zog sie an sich.
„Bist du verrückt? Stell dir vor, die Kinder kommen runter.“
„Aber die sind doch …“ Es klingelte.

Ute schnappte sich das Handtuch und verschwand wieder ins Badezimmer, während Peter leicht frustriert die Haustür öffnete.
„Guten Morgen, Peter“. Perfekt frisiert und wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt stand Ellen Windhorst vor ihm.
„Sag mal, könntet ihr uns mal eben zwei Eierbecher leihen?“
Peter starrte sie entgeistert an.
„Nun guck nicht so. Unsere sind irgendwie verschwunden. Seltsame Sache. Also kannst du mir welche leihen?“
„Ellen, es tut mir leid. Ich – also die Sache ist die – unsere Eierbecher sind ebenfalls weg.“
„Wie, weg?“
„Na verschwunden.“
„Verarschen kann ich mich selber.“ Ellen war beleidigt. „Ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass du dich wegen zwei Eierbechern so anstellst. Ich hätte sie auch nach dem Frühstück gleich zurückgebracht. Gespült!“
„Ellen, nein. Sie sind wirklich verschwunden.“
Die Nachbarin tippte sich verachtungsvoll mit dem Finger an die Stirn, dreht sich um und stöckelte davon.

Peter seufzte. Er zog die Sonntagszeitung aus dem Briefkasten und holte schließlich zwei Espressotassen aus dem Schrank. Die waren fast so gut wie Eierbecher und würden es erst mal tun müssen.
Während die Kaffeemaschine zischend seine Tasse füllte, schlug Peter die Zeitung auf. Im Lokalteil sprang ihn eine fett gedruckte Schlagzeile an: Kaufhäuser im Moosbach Zentrum beklagen Eierbecherklau. Er wollte sich gerade in den Text vertiefen, als draußen ein Martinshorn ertönte. Gleich darauf hörte er Bremsen quietschen und dann einen lauten Schrei. Peter ließ die Zeitung sinken und lief zum Fenster.

Joey Meyrs, eigentlich Johann Meier, Alt-Hippie und selbst ernannter Performancekünstler, war mit seinem uralten Opel auf der gegenüberliegenden Straßenseite gegen eine der Linden gekracht. Hinter ihm hielt ein Streifenwagen. Während sich eine junge Polizistin um Joey kümmerte, der sich gerade wieder aufrappelte, öffnete ihr Kollege den Kofferraum und hielt triumphierend drei Eierbecher in die Luft.
„Finger weg!“, brüllte Joey wütend. Viel war ihm anscheinend nicht passiert.
Der Polizist entrollte inzwischen ein offenbar selbstgemaltes Plakat. Verblüfft las Peter die Ankündigung: Eierbecher für Alle. Kommt zum neuen, genialen Happening von Joey Meyrs am 9. September um 16 Uhr – Sportplatz Kuhaue, Moosbach. Eintritt frei!

Ute stand plötzlich hinter ihrem Mann. Sie duftet nach Parfüm und schmiegte sich an ihn.
„Hör mal Schatz, mir ist gerade eingefallen, dass Claudi und Sascha gar nicht zu Hause sind. Die sind doch gestern Abend mit ihrer Clique … He, was ist los?“
Peter starrte weiter aus dem Fenster. „Jetzt guck dir das an“, meinte er ohne sich umzudrehen. „Es war Joey. Der Kerl hat offenbar überall Eierbecher zusammengeklaut. Komm, lass uns endlich frühstücken. Ich habe Hunger.“

Copyright: Dr.Elke Heinze – 09-2017

Nachtrag: Mehrfach wurde ich inzwischen gefragt, wie denn der Eierbecherdieb an die Becher aus Küchenschränken gelangen konnte. Machen wir uns nichts vor: Viele Häuslebesitzer lassen frühmorgens zum Lüften die Terrassentüren offenstehen. Man ist ja im Haus, wohnt in einer “guten” Gegend,  was soll schon passieren? Aber es passiert. In der Geschichte ist der Dieb zudem ein Bekannter, einer dem man sicher auch eine schräge Ausrede abnehmen würde, wenn er plötzlich im Garten stünde. Also: Uffbasse! – wie der Frankfurter sagen würde. Aufpassen! für nicht Frankfurter 😉