Plötzlich wieder schreiben …

Plötzlich wieder schreiben …

… und was dabei herauskommt *lach*. Es ging um die nächste Drei-Wort-Geschichte. Drei ziemlich verrückte Wörter waren vorgegeben: Gefängnis, Schwester und Straußen-Ei. Dann kam mir die Idee für’s Straußen-Ei. Nach Mitternacht habe ich mit dem Schreiben losgelegt und war schließlich richtig zufrieden mit meiner kleinen Geschichte, bis … tja, bis ich feststellen musste, dass ich das “Gefängnis” nicht drin hatte. Bestimmt hätte ich es noch unterbringen können, weil es auch im Alten Ägypten sicher Gefängnisse gab, aber der Begriff kam mir dafür seltsam vor. Also habe ich meine Geschichte in der Schule des Schreibens nicht unter DWGs eingestellt sondern schlicht unter Textkritik. Gefallen hat sie trotzdem. Mal schaun, ob sie auch hier ankommt. Viel Spaß beim Lesen.

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Das Straußen-Ei

„Herrin.“ Die junge Sklavin hatte den Raum leise betreten. Mit niedergeschlagenen Augen wartete sie furchtsam auf die Reaktion der Pharaonentochter.
Neferwaty, die den Nachmittag wie sooft auf der Liege im Innenhof verbrachte, während ihr Tänzerinnen und Knaben die Zeit vertrieben, drehte sich unwillig nach ihr um.
„Warum störst du? Siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin.“ Sie griff nach der Schale mit den Datteln, die ihr ein Knabe reichte. Die goldenen Reifen, die ihre Arme schmückten, klirrten leise.

Asra näherte sich ihr zögerlich. Wie schön es hier doch war! Leise plätscherte Wasser in ein marmornes Becken und kühlte die Luft.
„Herrin, Marik der Händler ist eingetroffen. Er hat die Seidenstoffe mitgebracht, die Euch versprochen wurden. Und Federn von Pfauen und Straußen in den schönsten Farben. Und …“ Asras Gesicht glühte nun vor Begeisterung, obwohl sie kaum einen Blick auf die Waren hatte erhaschen können.

Neferwaty sprang auf. „Was? Wieso erfahre ich erst jetzt davon. Wann ist Marik gekommen?“ Mit einer herrischen Geste verscheuchte sie die beiden schwarzen Knaben, die ihr mit Palmwedeln Kühlung zugefächelt hatten.
Asra trat zwei Schritte zurück. „Ich weiß es nicht, Herrin. Aber die Herrin Satamany hat befohlen, dass er erst ihr die Waren vorzulegen habe.“

Neferwatys Gesicht verzerrte sich vor Zorn. Sie dachte an das vergoldete Straußenei, das ihr der Händler mitbringen sollte. Magische Kräfte versprach sein Besitz, Fruchtbarkeit und unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Mann, den sie liebte. Sie konnte jede Hilfe brauchen, um Ramses für sich zu gewinnen, der nur Augen für ihre jüngere Schwester zu haben schien.

„Dummes Ding, du kommst wie immer zu spät“, herrschte sie das Mädchen an und verpasste ihr eine Ohrfeige. „Ich sollte dich auspeitschen lassen. Geh mir aus den Augen. Nein, warte, hole mir sofort Sherin, damit sie mir beim Ankleiden hilft.“
„Ja, Herrin.“ Asra wagte es nicht sich umzudrehen. So schnell sie konnte, verließ sie rückwartslaufend den Raum.

In feinste Seide gekleidet, einen hauchdünnen Schleier vor dem Gesicht, betrat sie wenige Minuten später den Bereich, in dem sie Marik mit seinen Waren vermutete. Sie wusste, dass ihr Vater dieses Verhalten niemals geduldet hätte. Doch hatte sich nicht auch bereits Satamany darüber hinweggesetzt?
Als sie den Hof betrat, wusste sie, dass sie zu spät kam. Es war Ramses, der Satamany ein wundervolles Straußenei aus purem Gold überreichte.

©EHeinze / Juni2018 – Bildquelle:https://unsplash.com/@dermanuskript

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Schnell noch eine Buchvorstellung. Da ich Krimis derzeit über habe, bin ich mal wieder bei den historischen Romanen gelandet. Und weil ich inzwischen davon überzeugt bin, dass sich unter den Kindle unlimited Kostenlosbüchern selten echte Perlen finden (Ausnahmen bestätigen die Regel), suche ich mir nun wieder Bücher aus, die was kosten 😉  Vor ein paar Tagen bin ich auf  “Die Frauenburg” von Marita Spang gestoßen. Der Titel war nun nicht so überzeugend, aber die Bewertungen. Das Buch ist bei Knaur erschienen und kostet schon in der Kindle Version 6,99 Euro. Also habe ich mich getraut und war vollauf zufrieden. Es ist wirklich erstaunlich, dass es doch auch schon im 14.Jahrhundert Frauen gab – historisch belegt – die als Burgherrinnen der Männerwelt erfolgreich trotzten. Loretta von Starkenburg-Sponheim dürfte eine der interessantesten  Frauen des Mittelalters auf deutschem Boden gewesen sein. Erstaunlich, dass ich von ihr vorher noch nichts gehört hatte. Der Roman verknüpft historische Ereignisse mit Fiktion und liest sich spannend, unterhaltsam und lebendig. So müssen historische Romane sein. Eine echte Leseempfehlung meinerseits.

Das mit der Wahl eines Buches, das es nicht als Kindle unlimited Buch gibt, klappt aber nicht immer. Ich habe gerade noch einen weiteren “historischen” Roman zur Rückerstattung eingereicht, der neben seinen 5-Sterne-Bewertungen auch noch allen Ernstes von einer Germanistin und Historikern geschrieben wurde: Die Magd und die Königin – selten so einen unrealistischen Unsinn gelesen. Allerdings nur angefangen und schnell wieder zugeklappt. Lasst die Finger davon.

Lisas Garten – Frühlingserwachen

Lisas Garten – Frühlingserwachen

Hier kommt eine Geschichte, die ich schon vor etlichen Jahren geschrieben habe. Heute ist sie mir mal wieder in die Hände gefallen. Und irgendwie finde ich sie immer noch nett. Eigentlich sollte es mal ein Buch werden, zwölf Geschichten aus Lisas Garten, eine für jeden Monat. Irgendwann blieben mir aber die Ideen aus und ich hatte damals auch keine Ahnung, wie ich so etwas illustrieren und veröffentlichen sollte. Vielleicht nehme ich die Idee mal wieder auf.

Lisas Garten – Der März

Lisas Papa sagte immer: „Im März, Lisa, da riecht es nach Frühling.“ Und wenn Lisas Mutter dann nachfragte, wie denn der Frühling genau rieche, dann schauten sich Papa und Lisa nur ungläubig an. Die beiden wussten genau, wie der Frühling riecht.

Als Lisa am einundzwanzigsten März aus dem Kindergarten nach Hause kam, wäre sie am liebsten gleich in den Garten hinausgegangen. Unterwegs hatte sie schon ihre dicke Jacke ausgezogen. Die Sonne schien herrlich warm. Das Mittagessen fand sie furchtbar überflüssig, aber natürlich bestand Mama darauf, dass erst einmal gegessen wurde. Am Tag zuvor hatte Lisa schon eine Menge Gänseblümchen auf der Wiese entdeckt, und die Krokusse und Osterglocken mussten doch heute endlich aufblühen! Und außerdem hatte sie ja gestern ein Gespräch belauscht, ein Gespräch von dem sie niemandem erzählt hatte, noch nicht mal dem Papa.

Lisa hatte am Rande eines Blumenbeetes in der Sonne gesessen und mit Mäxchen gespielt. Dem kleinen Kater gefiel es eindeutig, sich die Sonne auf das Fell scheinen und gleichzeitig von Lisa kraulen zu lassen. Er wälzte sich genüsslich im Gras, blieb auf dem Rücken liegen und gähnte herzhaft. Lisa zauste und streichelte sein dickes weißes Bauchfell, das so unglaublich weich und gemütlich war, und Mäxchen fand das toll, jedenfalls für eine Weile. Plötzlich aber spitzte er die Ohren, drehte sich auf seine vier weißen Pfoten, schüttelte irritiert den Kopf und trabte davon. Und auch Lisa hörte plötzlich etwas, ganz feine Stimmen, die aus dem Blumenbeet kamen oder genauer gesagt aus der Erde.

„Mama, ich will endlich an die Sonne“, klang es aus der Tiefe.
„Ja mein Schatz, bald ist es soweit, aber hab noch ein bisschen Geduld.“
„Und außerdem mag ich das grüne Mäntelchen nicht mehr tragen, mein rotes Kleid ist doch so schön.“
„Ach Nana, das musst du aber noch tragen, wenigstens bis du oben über der Erde bist.“
„Mama, das Ding juckt und es sieht hässlich aus. Und schau mal, Familie Glöckchen ist schon ganz weit oben.“
„Mein Schatz, das ist nicht unbedingt von Vorteil. Es ist noch kalt dort oben, manchmal liegt noch Schnee.“
„Mama, ich will aber …“

Lisa hatte inzwischen ihr Ohr ganz dicht an die Erde gepresst und fuhr erschrocken zusammen, als sie plötzlich ein silberhelles Lachen hörte.
Neben ihr stand eine winzige Wiesenelfe und zupfte an Lisas Hosenbeinen.
„Oh“, sagte Lisa, „seid ihr endlich wach?“ Sie nahm die kleine Elfe vorsichtig auf ihre Hand. „Wer bist du denn, ich habe dich noch nie gesehen?“
„Und wer bist du?“ gab die Elfe keck zurück, drehte sich einmal im Kreis herum, sodass sich ihr blaues Glockenkleid bauschte und die blonden Haare nur so flogen.
„Na gut, ich zuerst. Ich heiße Lisa und wohne hier. Und jetzt du.“
„Ich heiße Viola und bin eine Wiesenelfe. Ich wohne dort, wo das Gras am dichtesten wächst und die kleinen blauen Veilchen blühen. Aber was machst du mit deinem Ohr auf der Erde? Das wird doch ganz schmutzig.“
Viola schob sich die feinen Haare hinter ihre spitzen Ohren.

Lisa sah die Elfe voller Bewunderung an. Warum wurden Elfen niemals schmutzig, hatten niemals aufgeschlagene Knie und immer so hübsche Kleider an?

Dann besann sie sich und sagte: „Viola, ich habe da eben Stimmen gehört. Aus der Erde. Das klang, als ob sich Blumen in der Tiefe unterhalten.“
Lisa war etwas unsicher. Ob die kleine Elfe sie jetzt auslachen würde? Aber Viola fand es völlig normal, was Lisa ihr erzählte.
„Ach so, das sind bestimmt die Tulpenkinder, die es wieder mal nicht abwarten können“, kicherte sie. „Es ist doch jedes Jahr das Gleiche. Kaum hören sie, dass die Sprösslinge der Schneeglöckchen zur Erde rausgucken, wollen sie unbedingt auch nach oben. Dabei hat doch jede Blume ihre Zeit zum Blühen.“
Dann stutzte Viola plötzlich.
„Sag mal, Lisa, wieso kannst du die Blumen hören? Wieso können wir uns verstehen?“
Lisa zuckte mit den Schultern. Darüber hatte sie noch nie nachgedacht.
„Können das denn nicht alle Kinder?“ fragte sie.
„O nein“, antwortete ihr die kleine Elfe. „Das können nur wenige. Das ist eine ganz besondere Gabe. Oder kennst du andere Kinder, die auch mit Elfen und Blumen sprechen? Und je älter sie werden, umso schwieriger wird es für sie.“

Lisa dachte einen Augenblick nach. Es stimmte, sie kannte niemanden, der so war wie sie. Sie erzählte es auch niemandem mehr, denn dann wurde sie doch nur ausgelacht. Nur Papa lachte sie nicht aus, sondern hatte ihr erzählt, dass ihre Oma auch immer mit den Blumen gesprochen habe.
„Dann will ich am besten gar nicht älter werden“, sagte sie schließlich.
„Das geht nicht“, antwortete ihr Viola und lachte ihr silberhelles Lachen. „Aber solange du weiter hier in diesen Garten kommst, Augen und Ohren aufsperrst, mit deinen Händen das Gras und die Bäume berührst, solange wirst du uns finden und verstehen. So, aber jetzt muss ich fort und nach den anderen aus meiner Familie sehen.“
„Kommst du wieder?“, wollte Lisa noch fragen, aber sie hörte nur noch ein leises Schwirren von zarten Flügeln, ein Klingeln wie von kleinen Glöckchen aus Glas, und Viola war verschwunden.
Lisa sah wieder zum Blumenbeet, und dort wo vorher nur Erde gewesen war, schob sich doch tatsächlich ein grüner Trieb mit einem trockenen braunen Mäntelchen nach oben. Lisa musste lachen. Da hatte es Nana, die kleine Tulpe, also doch noch geschafft. Hoffentlich würde es nicht noch einmal kalt werden.

©Elke Heinze/2018

Fröhliche Weihnachten

Fröhliche Weihnachten

Liebe Freunde,
liebe Leserinnen und Leser meiner Bücher und meiner Blogs,

nun ist es fast soweit – es ist mal wieder Weihnachten. Zeit, um euch allen “Danke” zu sagen – danke, dass ihr hier lest, kommentiert und euch für meine Bücher und für die kleinen Geschichten hier im Blog interessiert.

In diesen Tagen vor Weihnachten freue ich mich darüber, dass auch der Verkauf meiner Bücher noch einmal einen Aufschwung nimmt. Das ist zwar alles sehr überschaubar, gibt mir aber doch das Gefühl, nicht für den Reißwolf geschrieben zu haben. Vielen Dank also an alle, die meine Bücher lesen. Damit verbunden möchte ich zaghaft aber doch, noch mal den Wunsch nach Rezensionen auf Amazon äußern. Vor allem “Vergangen heißt nie ganz vorbei” könnte noch die eine oder andere Rezension gebrauchen. Ich sehe allerdings gerade, dass mir mal wieder mit einer aktuellen Beurteilung “viele, viele Fehler” unterstellt werden. Komisch, dass mich “Lesekater” an die “Miezekatze” von “Mord in der Schwanheimer Düne” erinnert. Diesmal werde ich den Teufel tun und darauf reagieren. Mit sowas muss man einfach leben.

Auch im neuen Jahr wird es mit dem Schreiben weitergehen. Neben der Gesellschaftsutopie, die mir im Moment als Vorhaben schon fast wieder ein bisschen zu groß vorkommt, denke ich auch an einen dritten Bea Baumann Krimi. Ideen habe ich viele, einige davon werde ich sicher umsetzen.

Und ja – einen Lesetipp habe ich auch noch. Wer gerne historische Romane liest, die ein bisschen mehr Tiefgang haben, dem sei “Die Protestantin” von Gina Mayer empfohlen.

Viele der dort handelnden Personen haben tatsächlich gelebt und die Gesellschaft im Deutschland des 19. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Mir war bis dahin gar nicht klar, dass ich vermutlich mehr über die französische Revolution weiß, als darüber, was sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland abgespielt hat.
Drei starke Frauen (fiktiv) begleiten den Weg des protestantischen Pastors Theodor Fliedner, dem Gründer der deutschen Diakoniebewegung. Die Gesellschaft befand sich damals an der Schwelle zu einem Umbruch, der einerseits eines Tages das Kaiserreich beenden würde, andererseits die Anfänge der Frauenbewegung erwarten lässt.
Das Buch hat bei Amazon viele positive Bewertungen bekommen, nur einige Leser fanden es langweilig, konnten keine emotionale Beziehung zu den handelnden Personen aufbauen. Diesen Punkt finde ich sehr spannend, weil wir zumindest im Belletristikkurs sehr stark auf die Notwendigkeit vom Zusammenspiel zwischen einem Protagonisten und einem Antagonisten getrimmt wurden. In einem Roman, der weder einen herausragenden Protagonisten noch einen ebenbürtigen Antagonisten kennt, mag das für manchen Leser tatsächlich zum Problem werden. Mich hat es nicht gestört, da ich alle Personen interessant fand und das große Ganze einfach stimmig ist. (Dieser Lesetipp enthält einen Affiliatelink)

 

NaNo – Rückblick & Ausblick

NaNo – Rückblick & Ausblick

Höchste Zeit, dass ich mich mal wieder melde. Ich weiß, auch mein Dezember-Newsletter lässt auf sich warten. Aber es gibt im Grunde keine News, deshalb ist mir noch nicht nach dem Letter. Unser E-Mail Postfächer laufen im Dezember sowieso meistens über, also lasse ich das mal langsam angehen.

Den NaNoWriMo habe ich mit ~44.000 Wörtern abgeschlossen. Zu den Gewinner zähle ich also nicht, jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Aber für mich selbst habe ich immerhin an Erfahrung gewonnen. Sollte ich noch einmal am NaNo teilnehmen, werde ich ganz sicher den Preptober  – also den Oktober davor – intensiver zur Vorbereitung nutzen. Ich kann einfach drauflosschreiben und das auch täglich, aber es macht für mich keinen Sinn. Ich verzettele mich, komme von einem Nebenschauplatz zum nächsten und weiß nach 150 Seiten plötzlich nicht mehr, was ich eigentlich am Anfang geschrieben habe. Außerdem muss ich für wärmere Pantoffeln sorgen . Ja, das meine ich im Ernst. Ende November wurde es nämlich richtig kalt, dass ich mich nur noch ungern an meinen PC gesetzt habe. Unsere großen, ineinander übergehenden Räume im Erdgeschoss sind nämlich ziemlich fußkalt und auch nicht gerade überheizt. Mein Scheibtisch steht vor einer Fensterfront, die noch aus dem Jahr 1980 stammt. Sind zwar Thermofenster, aber halt nach dem damaligen Standard. Und der war noch nicht so dolle.

Aber: Ich habe jetzt jede Menge Stoff, um einen Roman zu schreiben, der gerne auch erst in einem oder zwei Jahren fertig werden darf. Mal kein Krimi, sondern eine Gesellschafts-Utopie (oder auch Dystopie), für die ich mir die Zeit auch nehmen werde. Ich werde mal den Bestseller anvisieren (kleiner Scherz!). Und jetzt mache ich mich mit dem vorhandenen an meine BB12, das ist die Abschlußarbeit für die Schule des Schreibens.

Kleine Neuerung: Ich werde ab sofort auch in diesem Blog ebenso wie im Newsletter wieder zum “Du” übergehen. Ich werde sonst einfach schizophren. Das “Du” ist überall im Netz derart üblich, dass es keinen Sinn macht, hier weiterhin das “Sie” zu benutzen. Ich glaube nicht, dass ich damit bei meinen Lesern professioneller rüberkomme. Einverstanden?

Ich wünsche euch allen eine schöne, stressfreie, gemütliche Adventszeit.

Und wer noch einen spannenden Krimi sucht, dem empfehle ich “Böser Ort” von meiner Freundin und Autorenkollegin Fiona Limar. Habe ihn gerade selbst gelesen. Für mich bislang einer ihrer besten Krimis.

Der NaNoWriMo und meine Grenzen

Der NaNoWriMo und meine Grenzen

Ich hätte es locker schaffen können, aber kurz vor dem Ende des NaNoWriMo nehme ich es in Kauf, dass ich die 50.000 Wörter vermutlich nicht erreichen werde. Ich habe fleißig getippt und es hat viel Spaß gemacht. Und plötzlich kamen die Kopfschmerzen, überstrapazierte Augen und außerdem das Gefühl, dass ich einen großen Teil des Geschriebenen doch wieder werde löschen oder zumindest gewaltig werde überarbeiten müssen. Die Geschichte hat sich verselbständigt, ist aus dem Ruder gelaufen. Vielleicht bietet sie ja tatsächlich Stoff für mehrere Bände. Aber ich muss mir erst einmal darüber klar werden, ob ich das überhaupt will. Dieses Drauflosschreiben – auch wenn es tatsächlich läuft – ist nicht mein Ding. Das habe ich von vornherein gewusst. Ich bin eher der Typ, der ein, zwei Seiten schreibt und dann sofort anfängt, das Geschriebene zu überarbeiten, zu hinterfragen. Nun auf einmal täglich sechs bis acht Seiten und das 30 Tage lang – es geht mir gegen den Strich. Am Anfang habe ich alles ausgedruckt und mich abends hingesetzt und es wieder und wieder gelesen – verrückt! Denn die Muse, es dann am nächsten Tag zu korrigieren hatte ich ja nicht. Also habe ich nun doch die Notbremse gezogen. Wenn ich nun dem Ende zu täglich eine oder zwei Seiten schreibe, dann reicht mir das. Im Dezember werde ich aus dem bisherigen Stoff hoffentlich so viel herausziehen können, dass ich damit meine Abschlußarbeit für die Schule des Schreibens einreichen kann. Und dann wird das Ganze gesichtet, verändert und … weitergeschrieben.

Der NaNo war eine tolle Erfahrung, und ich bereue es nicht, dass ich mich darauf eingelassen habe, aber es ist nicht mein Stil. Gelernt habe ich immerhin, dass ich es schaffen kann, mich täglich hinzusetzen und dieses “Sich-Hinsetzen” etwas durchaus Positives ist. Auch wenn man denkt, heute krieg ich nicht eine Zeile aufs Papier, läuft es dann meistens trotzdem.

Zwischendrin habe ich zwei total unterschiedliche Romane gelesen bzw. gehört, die beide irgendwie unter das Genre Dystopie fallen. Zunächst war es die Trilogie “Die Tribute von Panem“, die mir besser gefallen hat, als ich anfangs dachte. Die Story war spannend, die Helden sympathisch, obwohl sie andere Menschen umbringen mussten. Man konnte absolut mit ihnen fühlen. Es gab immer wieder originelle Überraschungen und mit dem Spott-Tölpel (Mockingjay) hat Suzanne Collins auch gleich noch ein interessantes Symbol geschaffen.

In den letzten Tagen habe ich mir den Klassiker der Dystopien “1984” Von George Orwell als Hörbuch angehört. Der Roman schildert die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaats. Zunächst war ich von der bildgewaltigen Sprache Orwells ziemlich begeistert. Das hat sich aber schnell gelegt. Der Autor verliert sich bald in endlosen, sich immer wiederholenden Beschreibungen und theoretischen Erörterungen. Als dann im zweiten Teil das Buch des angeblichen Untergrundführers Goldstein verlesen wird, war ich schon kurz davor, aufzuhören. Dann kommen die Schilderungen der Folterungen des Protagonisten Winston – endlos. Ich kann’s nicht anders sagen: Es ist kaum zu ertragen und zudem zeitweise stinklangweilig. Sicher muss man den Roman aus der Zeit heraus verstehen, er wurde 1948 herausgegeben. Viele vergleichen inzwischen die USA unter Donald Trump mit “Big Brother” und so manches, was der Roman schildert, ist sicher auch heute aktuell. 1984 ist der meistgelesene Science-Fiction-Roman der Weltliteratur, aber gefallen hat er mir nicht. Nach den Regeln des Schreibens, die ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, hätte der Inhalt gut und gerne auf die Hälfte gestrafft werden können. Insofern kann ich auch nur vor dem Hörbuch warnen. In einem gedruckten Buch kann man wenigstens vorblättern 🙁 .