Buchempfehlung: Gelebt, Erlebt, Überlebt

Buchempfehlung: Gelebt, Erlebt, Überlebt

Mal kurz ganz weg vom eigenen Buch – auch wenn es schwerfällt *g*.

Eine Autorenkollegin – Stefanie Hohn – hat vor einiger Zeit auf ihrer Webseite das Buch “Gelebt – Erlebt, Überlebt” von Gertrude Pressburger vorgestellt und empfohlen. Ihre Empfehlung war so überzeugend, dass ich mir das Buch sofort gekauft habe. Es ist die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden. Nun habe ich schon viel über dieses Thema gelesen – oder auch filmisch aufbereitet – gesehen, sodass ich eigentlich dachte – naja, warum eigentlich noch ein Buch? Ich kann nur sagen, es war kein Fehler. Dieses Buch hat mich aufgewühlt. Ich habe es fast am Stück gelesen. Frau Pressburger ist heute neunzig Jahre alt und hat ihre Lebensgeschichte von einer Journalistin aufschreiben lassen. Sie war noch ein Kind an der Schwelle zum Teenager als sie mit ihrer Familie vor den Nazis aus Wien flüchten musste. Das Buch beginnt sehr ruhig. Es ist ein Familienleben mit Höhen und Tiefen, eine eher arme Familie, die aber das Beste aus ihrem Leben macht. Die jüdische Abstammung ist den Kindern zunächst nicht bewusst, wurden sie doch sogar katholisch getauft. Dann beginnt das Grauen. Erst langsam und doch schon beeindruckend, wenn man liest, wie oft die Familie weiterziehen musste, weil die SS überall in Europa gegenwärtig war. Und dann kam Auschwitz …

Gertrude Pressburger erzählt mit einer ungeheuren Distanz. Vermutlich für sie die einzige Möglichkeit überhaupt darüber zu sprechen. Und genau das macht das Buch so eindringlich. Nach wie vor ist es für mich unbegreiflich, wie Menschen mit anderen Menschen so umgehen konnten, wie es in den Konzentrationslagern geschah. Und genauso unbegreiflich, wie man das überleben konnte.
In einer Zeit, in der es uns so gut geht und doch so viel gejammert wird, in einer Zeit, in der die AfD plötzlich gesellschaftsfähig wird, kann man nur sagen: Leute, lest dieses Buch!

Gelebt, Erlebt, Überlebt, von Gertrude Pressburger, aufgezeichnet von Marlene Groihofer, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2018