(Dieser Text enthält Affiliatelinks zu Amazon)

Den Spruch kennt vermutlich jeder: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Gemeint ist ganz klar, dass man vorsichtig mit Kritik sein sollte, wenn man möglicherweise die gleichen Fehler machen könnte. Man sollte niemandem etwas vorwerfen, was man selber tut. So weit, so gut. Aber wie ist das, wenn man als Schreiberling die Werke anderer beurteilt? Auf Amazon habe ich mich schon sehr zurückgenommen, nachdem mir vor Jahren mal eine erboste Kollegin sogar mit dem Anwalt gedroht hat. Dort bewerte ich nur noch sehr selten und eigentlich nur noch, wenn mir ein Buch wirklich sehr gut gefallen hat. Gerade eben wieder beim neuesten Krimi von Nika Lubitsch “11 Stufen”. Nachdem ich mir in der letzten Zeit jede Menge Schrott auf den Kindle geladen hatte – das passiert leider häufig, wenn man Kindle Unlimited benutzt – war ich nun von “11 Stufen” wirklich begeistert.

Aber ich finde es auch absolut schrecklich, dass man sich im Grunde auf die Bewertungen bei Amazon kaum verlassen kann. Allerdings – jeder hat einen anderen Geschmack. Diese Dauerdiskussion hat mir momentan auch die Teilnahme am Forum der Schule des Schreibens verleidet. Es ist natürlich ein Problem, dass man als Absolvent eines Fernstudiums, das sich mit dem Schreiben beschäftigt, irgendwann einen anderen Blickwinkel auf Bücher bekommt als der “normale” Leser. Und im Forum hat ein Teilnehmer, der schon länger dabei ist, auch wieder einen anderen Blick auf Texte als ein Anfänger. Ich kann es nur schwer in Worte fassen, worum es mir dabei geht. Stil zum Beispiel. Aber was ist Stil? Es gibt Romane, die sind nicht nur inhaltlich sondern auch von der Sprache her einfach mitreißend. Da entstehen sofort Bilder im Kopf, man wird in die Situationen hineingezogen, lebt, liebt und leidet mit den Figuren und möchte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Da wird ein Spannungsbogen erzeugt und bis zum Ende durchgehalten, auch wenn es durchaus sein kann, dass man als Leser ahnt, was passieren wird. Aber eben nur ahnt.

Ein Beispiel: Fackeln im Sturm kennt sicher auch so ziemlich jeder. Ein mitreißender Südstaatenroman, der alles mitbringt, was man sich als Leser nur wünschen kann. Es ist sicher schwer, nach solchen Bestsellern im gleichen Genre etwas anzubieten. Da hilft es eigentlich nur, eine Story zu finden, die ganz neue Aspekte hat. Ich weiß, ich habe inzwischen andere Südstaatenromane gelesen, die das geschafft haben. Titel weiß ich leider nicht mehr. Aber dann kommt so ein Buch daher, bei dem ich nach den ersten Seiten weiß, worauf es hinausläuft. Weiße Frau aus den Nordstaaten kommt auf eine Baumwollplantage in den Süden, ist natürlich selbst gegen die Sklaverei und sieht – hurra! – den schweißglänzenden, muskulösen Rücken eines Schwarzen bei der Arbeit. Na, wie wird das wohl weitergehen? Genau! Die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, ist mehr als schlicht, wobei sich gerade die Sklaven merkwürdigerweise ausgesprochen gewählt ausdrücken. Spannung? Null! Alles ist vorhersehbar und zum Gähnen langweilig. Tja – das Buch hat durchweg 5 Sterne bekommen. Da kribbelt es mich doch, meinen Senf dazuzugeben. Aber nein. Was brächte es denn? Denn es muss ja tatsächlich den Geschmack der Leserinnen getroffen haben, die die 5 Sterne vergeben haben. Es werden hoffentlich nicht alles gekaufte oder Gefälligkeitsbewertungen sein.

Das mit den Gefälligkeitsbewertungen ist auch so ein Ding. Und da kommen wir wieder zum Glashaus. Ja, ich bitte meine Leser auch um Rezensionen bei Amazon. Denn das ist wichtig. Vor allem für uns Selfpublisher. Ein Buch ohne jede Bewertung hat keine Chancen. Aber ich will ehrliche Bewertungen. Nur dann kann ich mich verbessern. Zähneknirschend habe ich bei “Mord in Schwanheimer Düne” diese Kritik mit den Rechtschreibfehlern entgegengenommen. Aber sie war okay. Ich hatte und habe nach wie vor Probleme mit der “neuen” Rechtschreibung. Aber es gibt ja Möglichkeiten, das in den Griff zu bekommen. Ideal wären Korrektorat und auch ein Lektorat, das weiß ich. Ist mir aber nach wie vor zu teuer. So viel verdiene ich mit meinen Büchern nicht. Deshalb setze ich auf Schreibprogramme wie Papyrus Autor und den Dudenkorrektor vom neuesten Word. Und da denke ich mir am Ende auch: Wenn der Inhalt stimmt, dann darf mir auch mal ein Rechtschreibfehler durchrutschen. Nicht zu viele, das ist schon richtig. Aber ich stelle den Inhalt und den Schreibstil nach wie vor über die Rechtschreibung. Und was ich manchmal an angeblich korrigierten und lektorierten Büchern lese, das lässt mich oftmals an der Qualität der angeblich professionellen Überarbeiter zweifeln.

Warum ich überhaupt so viele zweifelhafte Romane lese? Man lernt daraus. Viele lese ich quer, viel beende ich nach ein paar Seiten. Das ist der Vorteil von Systemen wie Kindle Unlimited. Ich schicke einfach zurück, kostet ja immer nur meinen monatlichen Abo-Beitrag. Und manchmal findet man eben auch echte Perlen. Fast alle Selfpublisher, die über Amazon publizieren, nehmen an KU teil, die Guten ebenso wie die Schlechten. Man muss halt ein bisschen Glück haben.

So – und nach so viel Theorie sollte ich endlich mal wieder an meinem aktuellen Krimi weiterschreiben. Irgendwie drängt es mich langsam doch wieder dazu.

Für die Erstellung des Beitragsbildes habe ich Fotos der Fotografen Annie Spratt und Benjamin Davies – beide bei Unsplash – benutzt. Vielen Dank dafür.