Buchempfehlung: Die Sanduhr

Buchempfehlung: Die Sanduhr

Seit zwei Tagen bin ich hin und hergerissen zwischen Selberschreiben und Lesen. Fantasy Liebhaber aufgepasst: Ich habe eine Empfehlung für euch. Es geht um die Sanduhr- oder auch Krosann Trilogie von Sam Feuerbach. Ich bin wirklich per Zufall darauf gestoßen. Wer Kindle unlimited abonniert hat, bekommt dieses Lesevergnügen derzeit bei Amazon sogar umsonst. Und das ist bei mehr als 1000 Seiten wirklich der Hammer. Aber die Bücher sind es definitiv wert, auch zum Normalpreis erstanden zu werden. Ich überlege mir sogar ernsthaft, ob ich sie mir nicht noch als Printausgabe bestellen soll. Man kann sie über die Webseite des Autors mit einem Schmuckeinband bestellen. Wer Tolkien liebt und außerdem einen überraschend witzigen Schreibstil, kommt hier voll auf seine Kosten.

Worum geht es? Wir befinden uns im Königreich Toladar, wo ein kleiner dicklicher Prinz an Regierungsgeschäften wenig Interesse zeigt. Von Kriegen und Training an den Waffen hält er schon gar nichts. Aber gierige Hände greifen nach dem Thron seines Vaters, und eine Auftragsmörderin soll den König und auch ihn ermorden. Soweit – so langweilig, könnte man jetzt meinen. Aber erstens entwickeln sich ausgesprochen spannende Konstellationen und zweitens schreibt Sam Feuerbach derartig originell, dass man die Bücher nicht mehr aus der Hand legen möchte. Nach Game of Thrones hatte ich die Lust an Fantasy in mittelalterlichem Ambiente ein bisschen verloren. Die Krosann Trilogie hat mir die Freude daran zurückgebracht.

Obwohl ich mit dem Lesen noch im dritten Band stecke, hat die Geschichte von mir bereits eine  5-Sterne Bewertung bekommen. (Wie immer nach Marie Wagner suchen.) So, und jetzt lese ich weiter 😉

 

Über Emanzipation und Freiräume beim Schreiben

Über Emanzipation und Freiräume beim Schreiben

Ich habe mir ein Abonnement der Magazine Federwelt und Der Selfpublisher gegönnt. Beide erscheinen im Uschtrin-Verlag, den ich schon länger kenne. Bevor ich das Studium an der Schule des Schreibens aufgenommen habe, war ich durch die Schreibratgeber “Heute schon geschrieben” von Diana Hillebrand (Link zu Amazon) auf den Verlag und auf Autorenwelt.de aufmerksam geworden. Ich habe das Abo rückwirkend zum Jahresanfang abgeschlossen und auf diese Weise gleich mehrere Hefte bekommen. Ich habe ja sonst nichts zu tun *lol*. Ich mag diese Magazine. Es gibt doch eine Menge Information für (angehende) Autoren und auch immer wieder Interviews mit denen, die es schon geschafft haben. Die meisten sind interessant und der Mensch dahinter erscheint sympathisch. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Spannend finde ich es, dass man den meisten Interviews sofort ansehen kann, ob da ein Mann oder eine Frau interviewt wird. Gut  – man weiß es vorher schon, aber es gibt doch einige interessante Auffälligkeiten. Weibliche Autoren haben ziemlich häufig das Problem, dass ihre Arbeit nicht anerkannt wird. Sie müssen sich die Zeit zum Schreiben regelrecht freikämpfen. Nach dem Motto “Wenn du doch sowieso zu Hause bist, dann …”  Mir fiel das heute Mittag wieder auf, als ich Knall auf Fall mitten im Schreiben aufgehört habe, weil ja das Mittagessen gekocht werden musste. Nun bin ich sowieso immer noch ein schlecht organisierter Mensch, aber darum geht es hier nicht. Es gibt da in einem der Magazine ein Interview mit einem männlichen Autorenkollegen, der sich sogar einen Coach geleistet hat, um seinen Schreiballtag straff zu organisieren. Am Anfang habe ich noch gegrinst und gedacht, dass mir hier eigentlich nur die Zeiten fehlen, in dem der Mann mal aufs Klo geht. Dann fiel mir aber etwas völlig anderes auf. Da ist von Zeiten für’s Schreiben die Rede, vom Fitnessstudio und Joggen zum Ausgleich der sitzenden Tätigkeit, von Recherchezeiten etc. Aber da steht nirgends: Zeit für Einkaufen und Kochen, Zeit für Wäschewaschen und Bügeln, Zeit für Fensterputzen und Staubsaugen …  Interessant – oder? Der Mann muss das nicht einplanen. Er hat dafür seine Frau. Genial. Ich schätze, dass der Wochenplan einer mit einer Familie gesegneten Autorin doch etwas anders aussieht. Oder haben die alle einen Hausmann?

 

Kopfzerbrechen – Neues aus der Schreibstube

Kopfzerbrechen – Neues aus der Schreibstube

Was gibt es Neues? So neben dem neuen Webseitendesign? Ich musste mal wieder etwas ändern. Ich kann nicht anders. Das Geblümte vom Frühjahr war nicht mehr so meins. Also … ich bin wirklich ernsthaft am Schreiben und auch am Lesen und am Nachdenken und am … ach herrje! Die Schreib- und Sinnblockade hat ja auch lange genug gedauert. Nun ist wohl wieder die manische Phase dran. Es nervt, aber so bin ich nun mal. Wenn ich ehrlich bin, wird der NaNoWriMo-Juli vermutlich gerade ausreichen, dass ich wieder voll drin bin in meinem Manuskript. Bisher habe ich nämlich vor allem viel verändert, gestrichen, neu geschrieben. Aber viel weiter als Ende November 2017 bin ich noch nicht – nicht was den eigentlichen Text betrifft. Ich schätze, die NaNoWriMo-Variante des Einfach-drauf-los-Schreibens ist halt nicht so meins. Irgendein bekannter Schriftsteller hat mal geschrieben, dass er an einer Seite so lange feilt, bis sie reif für die Veröffentlichung ist. Angeblich macht er dann auch nie mehr etwas daran. Ein bisschen was davon kann ich nachvollziehen, aber so kategorisch handhabe ich es dann doch nicht.

Und natürlich mache ich mir Gedanken über ungelegte Eier, zum Beispiel über den Titel. Neulich habe ich mich noch einmal mitten in der Nacht stundenlang mit diesem “Ne umquam desi-dingsbums” auseinandergesetzt. Konnte mir ja bislang niemand eine hieb-und stichfeste lateinische Übersetzung für “Gib niemals auf” präsentieren. Leute, es ist sooo peinlich! Latein war mal mein Lieblingsfach und beim Abi hatte ich ‘ne Eins und das Große Latinum. Das ist allerdings auch schon gefühlte einhundert Jahre her. Heute verstehe ich nur noch Bahnhof, wenn ich so etwas lese: “Der Prohibitiv (von lateinisch prohibere, ‚behindern, verhindern, abhalten‘) ist der Modus des Verbs zur Formulierung von verneinten Befehlen, also von Verboten. Im Lateinischen ergeben Konjunktiv Perfekt + Negationswort ne einen negierten Befehl: „Ne me videris!“, „Sieh mich nicht an!“; alternativ kann man diesen auch durch noli und Infinitiv bilden: „Noli me tangere!“, „Fass mich nicht an!“ Die 2. Person Singular Konjunktiv Perfekt von desinere (aufgeben) heißt desiveris. Oder deserueris von deserere.” Na aber sicher doch. Alles klar?
Also ich werde mir einen anderen Titel suchen und den lateinischen Spruch mit nicht mehr ganz lesbaren Buchstaben in die Story integrieren. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Kleine Kostprobe aus dem Manuskript?

Ich weiß es nicht, Emsch. Aber ich verspreche dir heute eines: Die Zeiten werden sich wieder ändern. Für dich, für uns und für alle, die nach uns kommen. Warte, das hätte ich beinahe vergessen. Ich habe etwas für dich.“
Elmar lief in den Flur, in dem seine Jacke hing. Er kam mit einem Anhänger zurück, der an einem feinen Lederband hing. „Das hat mir Charlotte für dich mitgegeben. Pass gut darauf auf.“ Emma betrachtete den Anhänger. Er schien aus Gold zu sein. In einem äußeren Reif befand sich unten eine fein ausgearbeitete Schale, um die sich eine Natter bis zum oberen Rand emporwand. Mit Mühe konnte man auf beiden Seiten des Reifes Buchstaben erkennen. Emma kniff die Augen zusammen. „Links kann ich ein C erkennen, ein A und ein O, oder? Aber was steht rechts?“
„Die Buchstaben sind abgegriffen“, sagte Elmar. „Links steht der Name deiner Großmutter: Charlotte. Rechts ist ein Satz eingraviert: ‚Ne umquam desiveris‘ soll es wohl heißen. Gib niemals auf!“
„Das ist Latein, oder?“
„Ja. Ich kann kein Latein, aber Charlotte hat mir die Bedeutung erklärt. Sie selbst hat den Anhänger von ihrer Mutter bekommen.“
„Und jetzt soll ich ihn haben? Warum nicht Mama?“
Elmar zuckte mit den Schultern. „Ich kann es dir nicht sagen, Emsch. Aber sie hat eindeutig gesagt, dass ich ihn dir geben soll.“
Dass Charlotte ihm außerdem anvertraut hatte, dass sie ihre Enkelin im Widerstand gesehen hatte, etwas, wozu ihre Tochter nie im Stande wäre, verschwieg er.

Emma legte sich das Lederband um. Ihr Vater lächelte.

Tja – da ist meine Protagonistin gerade mal fünfzehn und hat noch keine Ahnung, was auf sie zukommen wird. Wir befinden uns im Jahr 2096, in einem postdemokratischen Neuen Deutschen Reich. Spannend? Also mehr wird erst einmal nicht verraten. Aktuelle Titelidee: Charlotte & Emma – Weg ins Ungewisse – Roman. Klingt aber ein bisschen langweilig. Schaun wir mal. Fertig ist er ja noch lange nicht. Von dem Begriff Dystopie habe ich mich innerlich schon verabschiedet. Na ja – zunächst mal. Die Zuordnung zum richtigen Genre wird mir vermutlich noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten.

 

Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Kurzgeschichte: Der Geist des Alten

Hier mal wieder eine der Ultrakurzgeschichten mit den Wortvorgaben: Kornfeld, Ouijabrett und Ghostwriter. Was für eine Zusammenstellung! Und plötzlich hatte ich dann doch eine Eingebung. Ich sag nur: Vorsicht Satire! Viel Spaß beim Lesen.

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Der Geist des Alten

Die schwere Limousine glitt gemächlich über die von hohen, alten Bäumen flankierte Allee dahin. Der junge, afghanische Chauffeur hatte auf Autopilot gestellt und beobachtete im Rückspiegel das müde Gesicht seiner Chefin.
Hin und wieder blitzten zwischen den Bäumen die goldgelben Kornfelder ihrer uckermärkischen Heimat auf. Angie dachte an das Verlagsgespräch zurück, das sie gerade geführt hatte. Sie hatten mit Sicherheit einen perfekten Ghostwriter für ihre Memoiren gefunden. Angie kannte und schätzte die spitze Feder des Mannes. Sie hatte Physik studiert und jahrzehntelang die Politik des Landes bestimmt. Schreiben war nicht ihre Sache. Aber zu erzählen hatte sie eine Menge.

Der Innenminister wird sich noch wundern.
Bei diesem Gedanken machte sich ein ungewohnt sardonisches Grinsen in ihrem Gesicht breit. Sie freute sich schon jetzt auf die Präsentation des Buches. Doch bis dahin gab es noch viel zu tun.
Angie kicherte. Morgen würde sie als erstes den Dorffriseur aufsuchen. Ihr graues Haar bestand auf seinem Recht, sich der Öffentlichkeit ohne jede Scham zu zeigen. Einen frechen Pixie würde sie sich schneiden lassen. Und dann vor allem Schluss mit den dämlichen Hosenanzügen. Unwillkürlich nahm sie die Hände weg von dem Brett, das auf ihrem Schoß lag. Sie betastete die Falten, die an ihrem Kinn seit Jahren an eine dieser hölzernen Marionetten erinnerten. Der Termin mit Professor Mang war schon vereinbart.
Oh, ihr alle werdet euch noch wundern!

Die Finger wanderten zurück auf das alte, abgegriffene Quijabrett. Zahlen und Buchstaben waren dort eingebrannt. Sonne, Mond und Sterne. Wörter wie Ja und Nein, Danke oder Ende. Kaum noch zu ertasten war der kurze Satz „Ich warte“. Warten war in ihren Augen immer die beste Alternative gewesen. Den kleinen Zeiger, die Planchette aus reinem Bergkristall, hatte sie sich zur Halskette umarbeiten lassen. Sie brauchte ihn schon lange nicht mehr. Der Geist führt ihre Finger auch ohne dieses Hilfsmittel. Der Geist! Dankbar erinnerte sie sich an ihren Ziehvater. Der Alte aus Oggersheim hatte sie immer gut beraten. Sie beschloss, ihm zu Ehren heute Abend einen Pfälzer Saumagen auf den Tisch zu bringen. Nur dieses eine Mal noch. Danach würde sie sich sofort bei Weight Watchers anmelden.
Über der Allee ballten sich dunkle Wolken zusammen. Ein Blitz erhellte die Landschaft. Sein Widerschein traf das Ouijabrett über dem Wort ENDE.

©EHeinze/2018 – Bildquelle https://unsplash.com/@stephenleo1982

 

 

Ausge”campt”

Ausge”campt”

Camp Nano
Es ist immer wieder interessant, welche Erfahrungen man macht, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat. Entgegen meinen eigenen Erwartungen läuft die Arbeit am Manuskript jetzt momentan ganz gut. Aus dem Camp Nano habe ich mich heute allerdings endgültig ausgeklinkt. Jedenfalls aus der “cabin”, wie das dort genannt wird, also einer Gruppe, die in meinem Fall aus lauter Leuten besteht, die ich aus der Schule des Schreibens kenne.  Irgendwie habe ich mir davon etwas völlig anderes erwartet. Nun ja, kann passieren. Ist vermutlich nicht mein Ding.

 

Neben dem Schreiben lese ich auch täglich. Erstanden – ja so richtig auf Papier, kein Kindle Download – habe ich den Schreibratgeber “Story Turbo” von L. C. Frey. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch gefällt mir sehr gut. Der Autor hat eine ungewöhnlich flotte Art zu schreiben und mit vielem spricht er mir aus der Seele. Was lag näher, als mir auch noch einen seiner Thriller zu kaufen? Den nun aber wieder im Download. Es gab den neuesten auch gerade bei Kindle unlimited für lau. Und das war gut so. Denn dieser Thriller (Todeszone: Tatort Malmö) ist sowas von fürchterlich, jedenfalls nach meinem Geschmack, dass ich nur noch den Kopf geschüttelt habe. Hier wird an die niedersten Instinkte appelliert, Rechtschreibung und vor allem die Ausdrucksweise lassen auch sehr zu wünschen übrig. Da ich nun mal weiß, dass der Mann es besser kann, ist eigentlich ganz klar, dass dieses Buch nur dazu dient, schnelles Geld zu verdienen, alles andere ist dem Autor offenbar völlig egal. Nun gut, der Erfolg gibt ihm Recht. Und das ist für mich das eigentlich Frustrierende an der Sache: Der Markt gibt es her, die Leser wollen diese Art Bücher offenbar. Ich habe mal wieder diagonal gelesen, nur um möglichst schnell durch zu sein. Irgendwo ja schon in der Hoffnung, dass ich von dem Buch noch einen besseren Eindruck gewinne. War aber nicht.
Dann bin ich noch auf eine Dystopie gestoßen, die eine ähnliche Zeit bedient wie mein Projekt. Das hat mich erst einmal erschreckt, denn es gibt mehr Parallelen, als mir lieb ist. Andererseits ist es gut, dass ich im Vorfeld weiß, was es schon gibt. Man möchte ja hinterher nicht als Plagiator dastehen. Aber trotz aller Ähnlichkeiten ist es doch eine völlig andere Geschichte, scheint mir. Ich habe mit dem Buch gerade erst angefangen, finde es aber ausgesprochen spannend ***. Mal schaun, wie es sich entwickelt. Das Buch heißt “Nordland Hamburg 2059 – Freiheit”, die Autorin Gabriele Ahlers. Und dieser Titel (nur der Titel)) hat nun eine schon extreme Parallele zu einer anderen Dystopiesammlung, die ich kurz angelesen habe: “Hamburg Rain 2084” von Rainer Wekwerth (und anderen). Da bin ich mal froh, dass meine Geschichte in Mainstadt vormals Frankfurt spielt. Aber beeilen sollte ich mich nun doch mal, bevor noch weitere Autoren ein ähnliches Thema beackern.
*** Das mit dem “spannend” hat sich nach einer Weile gelegt. Das Buch – es hat fast 700 Seiten – ist ausgesprochen langatmig. Da könnte viel gestrichen werden. Es gibt zu viele Namen, sowohl hinsichtlich Personen als auch hinsichtlich Hamburger Örtlichkeiten. Wer sich in Hamburg nicht auskennt, der kann damit sowieso nicht viel anfangen. Des weiteren gibt es für meinen Geschmack auch viel zu viele technische Erklärungen. Ich muss das nicht alles bis in Detail wissen. Spannung erzeugt das jedenfalls nicht. Und was das Erzählen an sich angeht … über Geschmack lässt sich streiten. Das Buch ist für mich keine Leseempfehlung.
Für das Foto: Thanks to Unsplash and Tommy Lisbin: https://unsplash.com/@tlisbin