365+1 — Die Sache mit dem Goldenen Schnitt

Christian möchte, dass wir in dieser Woche beim Fotografieren bzw. bei der Bildkomposition den Goldenen Schnitt, die Drittel-Regel oder die Fibonacci-Spirale beachten. Letztere wird auch als Goldene Spirale bezeichnet. Die Fibonacci-Spirale wirkt im ersten Moment verwirrender als die beiden andern. Wenn man die Sache mit den Fibonaccizahlen aber einmal kapiert hat, wird es verständlich. Erklärung dazu weiter unten.
Im Grunde geht es aber vor allem darum, dass der Blick des Betrachters gelenkt wird und das Foto interessant wirkt. Das ist in vielen Fällen eher der Fall, wenn sich das Hauptmotiv nicht direkt in der Mitte befindet, sondern auf den Schnittpunkten gedachter Linien, die ein Bild im einfachsten Fall in exakt neun Drittel teilt. Das Motiv befindet sich dann entweder auf Kreuzungspunkten links oben oder links unten bzw. rechts oben oder rechts unten.

Mein Schwarz-Weiß-Foto mit Katze im Header empfinde ich als harmonisch (ohne die Linien), aber für den Goldenen Schnitt sitzt Minchen als Hauptmotiv etwas zu weit links. Aber ich finde, dass der schneebedeckte Strauch den Blick dann nochmal fast wie eine Diagonale nach rechts oben lenkt. Die roten Linien zeigen die Drittel-Regel an, die blauen Linien den Goldenen Schnitt. Der Mittelteil ist beim Goldenen Schnitt schmaler als bei der Drittel-Regel.

Wichtig für den Bildaufbau ist aber zunächst, dass man für sich überhaupt erst einmal klärt, welches das Hauptmotiv ist, ob es ein zweites gibt, das für Spannung sorgt und ob irgendwelche Elemente stören. Ganz ehrlich – ich habe diese Regeln grundsätzlich beim Fotografieren im Hinterkopf und mache meine Bilder dann aber doch eher ‚aus dem Bauch heraus‘. Dadurch sind sie oft beinahe, aber selten exakt am Goldenen Schnitt oder der Drittel-Regel ausgerichtet. Ein gutes Hilfsmittel beim Fotografieren sind die Gitterlinien, die man sich auf den Monitor einblenden lassen kann, solange man noch mit den Proportionen hadert.

Bild Nr. 1

Kreisel in Bad Soden in der Nähe des Wasserturms.
Olympus E-M5 Mark III mit M. Zuiko 25 mm (50 mm Äquivalent); ISO 160 – f/6.3 – 1/500 Sek

Bild Nr. 2

Wenn man über dieses Foto eine gedachte Fibonaccispirale legt, dann läge die innere Schnecke auf der Haube des Wasserturms und die auslaufende Spirale würde sich nach links unten bewegen und in der Kreiselfigur enden.

Was ist eigentlich diese ominöse Fibonacci-Spirale. Den Namen hat man vielleicht schon einmal gehört. Leonardo da Pisa, auch Fibonacci, war einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters (* um 1170 in Pisa; † nach 1240). Bekannt ist vor allem die nach ihm benannte Fibonacci-Zahlenfolge. In der Fibonacci-Folge ist jede Zahl die Summe der beiden vorhergehenden Zahlen: 1 + 1 = 2, 1 + 2 = 3, 3 + 2 = 5 … 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, 610 usw.

Angeblich soll fast alles in der Natur irgendwie den Fibonaccizahlen entsprechen, wie bspw. die Anzahl der Blütenblätter verschiedener Pflanzen. Die Fibonacci-Spirale basiert auf der grafischen Darstellung der Zahlen. Wen das wirklich interessiert, empfehle ich die hervorragende Seite von Pixolum.com. Die Spirale kann man sich auf einem Bild natürlich auch gespiegelt oder seitenverkehrt vorstellen.

Bild Nr. 3

Laternen auf einem Steg zu einer Nidda-Insel. Seht ihr auf dem nächsten Foto. Den Steg über die Nidda darf man begehen, danach ist aber Schluss. Die Insel gehört einem Verein, der die Freikörperkultur pflegt.

Bild Nr. 4

Bild Nr. 5


Dieses Foto habe ich beim ersten Versuch in der Nachbearbeitung komplett vermurkst, weil ich dachte, ich müsste die Wand in die Horizontale stellen. Das sah furchtbar aus. Und dann ging mir auf, dass ich die Wand vermutlich auch genauso gesehen habe, wie ich sie fotografiert habe. Dem 50-mm-Objektiv sagt man ja nach, dass es in etwa die Dinge so ablichtet, wie es das menschliche Auge auch sieht. Ich habe fast alle Fotos entweder mit der Olympus E-M5 Mark III oder der PEN-F mit dem M. Zuiko 25-mm-Objektiv (50 mm Äquivalent) gemacht.

Bild Nr. 6
Im Blütenkelch eines Krokus‘ habe ich eine winzige, rotbraun behaarte Wildbiene entdeckt. Es handelt sich um das Weibchen der Zweifarbigen Sandbiene (Andrena bicolor). Die Schenkelbürsten der Weibchen sind fuchsrot behaart.

Makro durch Ausschnittvergrößerung – auch Olympus E-M5 Mark III mit dem 25-mm-Objektiv

Bild Nr. 7


Fundstück in einem von Wildschweinen aufgewühlten Teil der Schwanheimer Wiesen. Ich schätze und hoffe mal, dass das Ding aus Plastik und eine Faschingspistole ist. Angefasst habe ich es mal lieber nicht.

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8 Comments
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doris
doris
1 Jahr zuvor

Ich finde es fantastisch, wie ihr euch in die Themen von Christian Bill kniet. Leider kann ich kaum kommentieren, komme nicht zu meinem Blogkonto, und habe jetzt auch ansonsten Schwierigkeiten. Bis Ende des Monats soll bei uns am Kabelnetz gewerkelt werden, und ich hoffe, dass es danach wieder funktioniert.
Herzlich, do

Jutta
Jutta
1 Jahr zuvor

Liebe Elke, ich war auf einer Seite, da fing die Fibonacci-Zahlenfolge mit Null an. Rein mathematisch gesehen, erscheint mir das logisch, denn man muss ja erst einmal auf die erste Eins kommen und das erreicht man durch 0 + 1 = 1. Aber das nur nebenbei. Deine Aufnahmen gefallen mir sehr gut. Wobei mein Favorit eigentlich gleich das erste Foto ist. Was mich aber am meisten begeistert, ist die Tatsache, wo man diese Spirale bzw. Zahlenfolge überall wiederfindet. Alleine in der Natur gibt es da unzählige Beispiele. Ich glaube, dass ist so eine Sache, wo ich mich festbeißen könnte. Vielleicht… Weiterlesen »

Jutta
Jutta
Reply to  Elke Heinze
1 Jahr zuvor

Ja, habe ich gesehen. Da muss ich dann erst einmal eine Nacht drüber schlafen. Ein Foto hätte ich da vielleicht aber schon.

Christian Bill
1 Jahr zuvor

Liebe Elke, klasse Bilder und deine Erklärung dazu ist perfekt. Freue mich sehr dass ihr so am Ball bleibt und jede Woche die neuen Ideen und Hirngespinste von mir mit umsetzt. Mich freut es jede Woche aufs Neue, was da für Bilder bei rauf kommen. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Christian

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