DND – Oh du schöne Maienzeit

Herzlich willkommen zum Naturdonnerstag, den ich heute mal ein bisschen der Mythologie widmen werde. Es passt so gut zusammen, dass ich diesen Beitrag am 1. Mai schreibe, der bei uns auf die ‚Walpurgisnacht‘ folgt. 

Welcome to Nature Thursday, which today I will dedicate a bit to mythology. It fits together so well that I’m writing this post on May 1st, which follows ‚Walpurgis Night‘ for us.


Zwischen Mythologie, Paganismus und christlicher Tradition

Mir gefällt seit jeher der Gedanke besser, auf sinnliche Weise die kommende Jahreszeit der Fülle zu feiern, als irgendwelche Hexen zu beschwören, die auf dem Brocken ihre Besen reiten. Deshalb zeige ich euch meinen Besen auch nur ganz dezent oben im Headerbild 😉 .
Heute beginnt nach keltischer Tradition das Sommerhalbjahr, das vor allem durch Fröhlichkeit, Wärme und Fruchtbarkeit gekennzeichnet ist. Belta(i)ne ist ein Vollmondfest, das eigentlich mal auf die Vollmondnacht zwischen der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche und der Sommersonnenwende fiel. Inzwischen wird es aber auch am 1. Mai gefeiert. Ursprünglich ist es ein Fruchtbarkeitsfest, bei dem die Vereinigung des Sonnenkönigs Bel mit der Maikönigin bzw. der Göttin Ostara gefeiert wird. Auch wenn die christliche Kirche die sexuellen Aspekte nicht gutheißen konnte, haben sich bis heute Traditionen erhalten, in denen sie sich wiederfinden. Der mit einem grünen Kranz geschmückte Maibaum, meist eine schlanke Birke, der als sinnbildliches Phallussymbol in die Erde gesteckt wird und diese befruchtet, kündet noch immer davon. Den Begriff der Maienkönigin gibt es trotzdem in der römisch-katholischen Kirche, wobei dort die Jungfrau Maria gemeint ist. Was in sich, wie so vieles, nicht ganz logisch erscheint.

Mein MaiblumenstrauchDeutzia gracilis – steht in voller Blüte.

Früher sangen wir „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus . . . “ Vor der Klimaerwärmung konnte man davon ausgehen, dass in der Natur vieles noch in einer Art Winterstarre verharrte. Das hat sich mittlerweile sehr verändert. Obwohl uns der April ziemlich viele kalte Tage und Nächte beschert hat, ist die Natur schon längst geradezu explodiert. Rosenkäfer, wie ich auch heute wieder einen fotografiert habe, konnte ich euch schon sehr früh im Jahr bei der Paarung zeigen. Ich würde euch lieber einen selbst fotografierten Maikäfer zeigen, aber den habe ich leider nicht als Foto. Dabei ist im letzten Jahr einer am Jacobiweiher direkt auf meinem Arm gelandet. Der erste seit meiner Kindheit mal wieder. Aber ich habe mir einen bei Wikipedia geborgt. Hier geht’s zur Originaldatei.

Ein typischer Strauch, der uns im Mai mit seinen Blüten erfreut, ist die Weigelie. Sie war der absolute Lieblingsstrauch unseres Katers Garfield. Sobald die Weigelie die ersten Blüten öffnete, umstrich Garfield den Strauch wie eine angebetene Geliebte. Irgendetwas müssen die Blüten ausströmen, was für ihn extrem anziehend war. Ich habe mal ein paar alte Festplatten durchforstet, aber auf die Schnelle kein Foto mit Garfield an der Weigelie gefunden. Also musste ich ein bisschen mogeln. Die Weigelie ist aktuell, der Kater von 2011- verdammt lang her.

Apropos Katzen! Mit unserem Minchen – Mina – aus der Nachbarschaft haben wir eine fast allgegenwärtige Gastkatze.

Suchbild: Wo steckt die Katz‘?

Damit kommen wir auf die Hexen und den 1. Mai zurück. Hexenverfolgungen sind eines der ganz dunklen Kapitel der Kirche. Und auch die Katzen mussten darunter leiden. Vor allem schwarze Katzen galten als Hexentiere und landeten oft zusammen mit den bemitleidenswerten Frauen auf dem Scheiterhaufen. Überhaupt war alles Schwarze suspekt. Auch die überaus klugen Rabenvögel gehörten zu den Tieren, die mit Hexerei in Verbindung gebracht wurden. Wohl gelitten sind sie bei vielen Menschen bis heute nicht.

Auch meine anderen Lieblinge, die Eichhörnchen, galten als verhexte Tiere. Kennt ihr den Spruch „Der Teufel ist ein Eichhörnchen„? In der Symbolik des christlichen Mittelalters war das Eichhörnchen schon immer negativ besetzt. Zwei Dinge verbinden es mit dem Teufel: Seine Farbe – rot oder schwarz – und seine unglaubliche Wendigkeit – flink wie der Teufel. Wie gut, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Wer weiß, was mir meine Begeisterung für Katzen und Eichhörnchen sonst vielleicht eingebrockt hätte.

Kräuter im Mai

Die Bärlauchzeit ist allmählich vorbei. Dafür kann man im Wald jetzt den Waldmeister sammeln und eine leckere Waldmeisterbowle herstellen. Das einfachste Rezept dafür besteht aus einem Sträußchen leicht angetrockneten Waldmeisters und einem Sträußchen Zitronenmelisse, die man in ein Gefäß mit Weißwein hängt und dort ca. 20 Minuten ziehen lässt. Anschließend wird mit gut gekühltem Sekt und/oder Sprudelwasser aufgefüllt.

Als Alternative zum Bärlauch, wenn auch dezenter, kann man jetzt die Knoblauchsrauke sammeln und essen. Die ganze Pflanze ist essbar, sollte jedoch in rohem Zustand verwendet werden, da sie beim Erhitzen ihre Geschmacksstoffe verliert. Für Quarks, Frischkäse, Kräuterbutter, Salate ist sie gut einsetzbar. Die trockenen Samen können wie Pfeffer verwendet werden und schmecken scharf. Blüten können zum Dekorieren verwendet werden.
Die Knoblauchsrauke ist eine wichtige Pflanze für verschiedene Schmetterlinge und ihre Raupen.


Das Waldbrettspiel (Pararge aegeria) saugt gern am Nektar der Knoblauchsrauke. Sie dient auch dem Aurorafalter (Anthocharis cardamines) als Nektarpflanze und zugleich neben dem Wiesenschaumkraut dessen Raupen als Futterpflanze.

Die Gundelrebe (auch Gundermann), die nun überall zu finden ist, ist eine alte Heil- und Zauberpflanze. Bereits die Römer und Germanen haben dieses Kraut genutzt. Äußerlich angewendet, klärt Gundermann die Haut und hilft bei Entzündungen. Das Kraut enthält viele ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe, Kieselsäure und Vitamin C. Er wirkt antiviral und antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernd und schleimlösend. Insekten nutzen die Gundelrebe als Nektarpflanze. Aurorafalter und Zitronenfalter sowie Grünaderweißling und Rapsweißling saugen hier gerne Nektar. Außerdem ist Gundermann eine beliebte Bienenweide.

Dieser Gundermann wurde im Wald fotografierte. Die Blätter sind noch frischgrün. Bei uns in der Wiese werden sie oft rötlich. Den Waldmeister habe ich leider nicht im Garten, Gundelrebe schon. Und die Zitronenmelisse sprießt sowieso aus allen Ecken. Davon werde ich mir gleich mal einen Tee aufbrühen.

Das war’s erstmal.
Aber wie immer um Belta(i)ne herum beende ich auch in diesem Jahr meinen Beitrag mit dem schönen Video der Gruppe Faun. Hier taucht am Ende eine Gottheit auf, die an den angeblich keltischen Gott Cernunnos , den Gehörnten, erinnert. Als Gott der Natur und des Waldes war Cernunnos zugleich Beherrscher der Fruchtbarkeit und des Wachstums, aber auch ein Gott der Liebe und des Reichtums. Er galt den Kelten als Herr der Tiere und Begleiter der großen Erdgöttin. Aber das ist alles Mythologie und niemand weiß, ob es ihn bei den Kelten tatsächlich gab.


Nun freue ich mich wieder auf eure Beiträge. Ihr wisst ja, wie es funktioniert: Maximal zwei Beiträge pro Blog. Es geht um Mitternacht los und endet am Sonntag ebenfalls um Mitternacht.
Now I’m looking forward to your posts again. You know how it works: a maximum of two posts per blog. It starts at midnight and ends at midnight on Sunday.


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mano
1 Monat zuvor

vielen dank für deine vielen und interessanten infos, liebe elke! hier in der walpurgisnacht keine hexe vorbeigeflogen, obwohl wir ja nicht allzuweit vom brocken entfernt wohnen ;)! dass die schwarzen katzen und sogar die liebenswerten eichhörnchen als teufelswerk galten, wusste ich nicht. aber natürlich hatte jede hexe früher auf abbildungen entweder einen raben oder eine schwarze katze auf der schulter sitzen!
dein eichhornbild ist wieder ganz entzückend und die nachbarskatze auch! ich habe gerade im wald knoblauchsrauke gepflückt. sie ist eine pflanze, die ich früher immer im garten hatte und jetzt hier vermisse.
liebe grüße und weiterhin schöne maientage!
mano

H.ripp
1 Monat zuvor

Haha, ein tolles Video und in der Tat, es ist sehr heidnisch, aber gut gemacht!
Ohweh, zu uns kommt auch ein kleiner Nachbarskater, er ist auch so gut wie immer da und rabenschwarz! Nur so einen wunderschönen Maiblumenstrauch, den habe ich leider nicht und ein Eichhörnchen habe ich auch schon lange nicht mehr gesichtet – nicht weiter schlimm, ich schaue ja gerne auf deiner Seite vorbei und kann mich erfreuen.
LG Heidi

nina wippsteerts
1 Monat zuvor

De Duivel is en Eikkater

Ein sehr schöner Mai Beitrag.
Ganz liebe Grüße
Nina

Inge
Inge
1 Monat zuvor

Liebe Elke, mit Mythologie habe ich es so gar nicht, allerdings habe ich Probleme damit, ein Wildkraut namens “ Erdrauch“, das im Rosenbeet wuchert, auszureißen. Erdrauch — der Name hat was – wer weiß, was passiert, wenn ich den einfach ausrupfe. Außerdem sieht er hübsch aus. Vielleicht weißt Du ja irgendeine Geschichte zum Erdrauch. An die Tragödien im Mittelalter mag man gar nicht denken, was wurde diesen armen Frauen und den Tieren angetan, kaum hat sich eine kluge Frau mit Kräutern ausgekannt, wurde sie schon verbrannt und die Katze gleich dazu. Apropos Katzen – Deine Katzenbilder sind so schön, sie… Weiterlesen »

kwarkito
kwarkito
1 Monat zuvor

Thank you very much for all your explanations about the old pagan rites celebrating the good days. I had no idea of the existence of this apparently delicious woodruff cocktail. It’s always a pleasure to visit your page, which is so erudite and full of shared discoveries.

Nicole/Frau Frieda
1 Monat zuvor

Hachz.. das ist ein Post wie für mich gemacht, liebe Elke. Ich mag den mystischen Teil des Monats Mai so gerne. Wunderbar zusammengetragen! Auch das Eichhörnchen ist ein Teil dieser Mythologie – ich staune! Verbundene Grüße, Nicole

Jutta
1 Monat zuvor

Liebe Elke,

heute gibt es ja viel zu lesen bei dir und natürlich auch wieder wunderschöne Fotos.
Eine Maikäfer habe ich schon Jahre nicht mehr gesehen. Das Glück was ich bei Vögeln habe, hast du beim Aurorafalter. Dafür hat mich heute ein Admiral auf dem Balkon besucht.
Von mir kommt auch noch etwas, aber ich muss erst einmal schauen, was ich mache und die Fotos bearbeiten.

Liebe Grüße
Jutta

Jutta
1 Monat zuvor
Reply to  Elke Heinze

Nun bin ich auch soweit. Bei uns war heute noch einmal richtig warm, aber ab morgen soll es dann auch abwärts gehen mit den Temperaturen. Ob es auch regnet, ist noch nicht so klar.

Edith
1 Monat zuvor

Liebe Elke, dein Bericht über ein dunkles Kapitel der Christenheit ist erschreckend und abstoßend, falsch verstandener Eifer führt zu solchen Auswüchsen, zum Glück Vergangenheit. Über die Kelten weiß ich sehr wenig, du hast es kurz und bündig erzählt. Aber, deine Fotos gefallen mir viel besser als düstere Geschichte, besonders das zusammengeflickte Foto von Garfield, er war ein toller Kater, wollt ihr keinen mehr?? Ich würde gerne eine Katze haben, aber der Vermieter wollte keine Tiere im Haus, obwohl ein großer Garten da wäre. Viele Kräuter die du vorstellst sind sicherlich den meisten Menschen nur als „Unkraut“ bekannt und deshalb auch… Weiterlesen »

Centi
1 Monat zuvor

Immer wenn ich deine Fotos sehe, schäme ich mich ein bisschen für meine. 😉 Aber für ist Fotografieren halt nur eins von vielen Hobbies, und zum Draußenrumrennen nehm ich keine schwere Spiegelreflex mit (eine dezente Umschreibung für: ich bin einfach zu doof um sie richtig zu bedienen). 😀
Knoblauchsrauke hab ich neulich auch mal wieder probiert, aber die ist mir einfach zu bitter. Bärlauch ist dagegen mein absolutes Lieblingskraut… dicht gefolgt von Schnittlauch.

LG
Centi

Traudi
1 Monat zuvor

Liebe Elke,
deine Fotos sind wunderschön, einen Favoriten kann ich nicht herausfinden.
Und schön ist auch, dass du ein Video von FAUN zeigst. Das hast du ja schon einmal, da wurde ich erst auf die Gruppe aufmerksam. Einfach nur schön!

Viele Grüße
Traudi

Pia
Pia
1 Monat zuvor

Der Mai in seiner ganzen Pracht bei dir, hoffentlich macht er der Wonne Platz, dass wir die Natur die in Hochform ist auch geniessen können. Deine Fotos sind eine Augenweide ob Fauna oder Flora.
L G Pia

Violetta
1 Monat zuvor

Wieder ein ganz toller Beitrag und sehr informativ. Natürlich sind Deine Fotos wieder mal Spitze. Ja, die Kirche mit ihrer Doppelmoral hat in der Geschichte viel Unheil angerichtet. Alles Sexuelle verdammt und im Namen eines guten Gottes die Leute unterdrückt und auch verfolgt…..Zum Glück ist das ja (fast) vorbei
Ich wünsche Dir einen schönen Mai und alles Liebe
Violetta

Jutta
1 Monat zuvor

Was für eine Vielfalt ist heute bei dir zu entdecken.
Großartige Fotos lassen mich wieder staunen, excellent fotografiert !
die zwei Hörnchen sind natürlich wieder der Hingucker, so was von niedlich.
Der Mai hat ja diesmal einen großartigen Start hingelegt, das Wetter hätte nicht schöner sein können. Nun warten wir mal ab, wie er sich weiter entwickelt.
♥lichst Jutta

Karin Lissi Obendorfer
1 Monat zuvor

Guten Morgen liebe Elke,
viel Wissenswertes hast du wieder übermittelt, so auch wieder beeindruckende Fotos.
Ich liebe Katzen, gestern aber war ich sehr wütend auf einen Kater aus der Nachbarschaft, der allerdings im letzten Jahr fast gestorben wäre durch Rattengift.
Als ich gestern in den Garten kam, berichtete mir der neue Gartenpächter neben mir, das dieser Kater zwei Meisen „erwischt“ hat, was mich sehr traurig stimmte. Ich habe das Vogelhäuschen schon auf ein langes Plastikrohr gesetzt, bzw. mein Mann, dennoch hat
er seinem Instinkt zu folge, diese „Tat“ begangen 😢
Ich grüße dich herzlich in deinen Tag, Lissi

kleiner-staudengarten
1 Monat zuvor

Guten Morgen Elke, ich hoffe auch auf eine schöne Maienzeit, die mit moderaten Temperaturen aufwartet….gestern und auch heute sind sie einfach viel zu hoch. Ich bin gespannt, ob wir dieses Jahr im Garten einen Maikäfer finden, die Knoblauchrauke hat sich hier im Gartenbeet bereits eingefunden. Ob ich sie mal probiere???
Nun wünsche ich dir einen schönen Donnerstag – lieben Gruß von Marita